24.01.2013 | Tarifverhandlungen

Arbeitgeberpräsident sieht geringen Raum für höhere Löhne

Arbeitgeberpräsident Hundt plädiert für differenzierte Tarifabschlüsse.
Bild: BDA

Im ersten Halbjahr stehen für gut zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland Tarifverhandlungen auf dem Programm. Der Arbeitgeberverband BDA will die Hoffnung auf deftige Lohnzuwächse bei den Gewerkschaften aber trotz Rekordbeschäftigung dämpfen.  

Die Wirtschaft sieht in den anstehenden Tarifrunden nur geringe Spielräume für Lohnerhöhungen. "Alles, was über die Produktivitätsentwicklung hinausgeht, vernichtet Arbeitsplätze", warnte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in Berlin. Als Leitlinie empfahl er die Orientierung an der aktuellen Wirtschaftslage, verbunden mit möglichst viel Gestaltungsspielraum für die Unternehmen. Hundt verwies dazu auf die unterschiedliche Entwicklung und Auftragslage in einzelnen Branchen und Betrieben. "Differenzierung wird das Tarifgebot des Jahres sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Reinhard Göhner. Das erwartete Produktivitätswachstum liege bei 0,5 bis 0,7 Prozent. Bis zu zehnmal so hohe Lohnforderungen - wie für die Beschäftigten der Länder - seien "jenseits des Darstellbaren".

"Gedämpfte Rahmenbedingungen"

Für gut zehn Millionen Beschäftigte werden im ersten Halbjahr die Tariflöhne neu ausgehandelt. Gestaltungsspielraum erhoffen sich die Arbeitgeber durch Öffnungsklauseln, verschiebbare Einmalzahlungen und andere betriebliche Abweichungsmöglichkeiten. Hundt forderte die Gewerkschaften auf, den eingeschlagenen Weg der Produktivitätsorientierung und betrieblichen Differenzierung fortzusetzen. Dies hat laut BDA 2012 zu Abschlüssen von im Schnitt plus 3,9 Prozent geführt. Dies sei "im Wesentlichen angemessen" gewesen. Aktuell seien die Rahmenbedingungen aber "gedämpfter". Die Nennung einer Vorgabe für die Tarifrunden 2013 lehnte er ab. Die BDA selbst führt keine Tarifverhandlungen.

Unpraktikabler Datenschutz 

Hundt kritisierte den schwarz-gelben Gesetzentwurf zum Arbeitnehmerdatenschutz als unpraktikabel und forderte die Regierung zum Nachbessern auf. Zahlreiche Vorhaben seien noch immer unerledigt. Der BDA-Chef nannte das Programm zur Gebäudesanierung sowie das gegen Spartengewerkschaften gerichtete Gesetz zum Erhalt der Tarifeinheit, aber auch die Abschaffung der kalten Progression. Er forderte die Einbeziehung der Zeitarbeitsbranche in das Kurzarbeitergeld und - für den Fall eines Konjunktureinbruchs - die vorsorgliche Ausweitung des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate.

Schlagworte zum Thema:  Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Tarifanpassung, Tarifverhandlung, Lohnerhöhung, Tarif

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