17.07.2015 | Rentenversicherung

Anteil der älteren Mitarbeiter stark gestiegen

Nur wenige arbeiten jenseits der 65.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der Anteil der älteren Mitarbeiter im Job ist in den vergangenen Jahren in keinem EU-Land so stark gestiegen wie in Deutschland. Das normale Rentenalter ist trotz aller Forderung nach flexibleren Übergängen in den Ruhestand dabei aber für die meisten maßgebend

Der Anteil der Älteren im Job ist in den vergangenen Jahren in keinem EU-Land so stark gestiegen wie in Deutschland. Das normale Rentenalter ist trotz aller Forderung nach flexibleren Übergängen in den Ruhestand dabei aber für die meisten maßgebend: Nur wenige Beschäftigte machen von der Möglichkeit Gebrauch, darüber hinaus noch eine gewisse Zeit weiterzuarbeiten. Darauf machte die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) in Berlin aufmerksam. Dabei lasse sich die Rente durch etwas längeres Arbeiten deutlich aufbessern. Die Zahl der regulär Beschäftigten stieg zuletzt wegen der guten Konjunktur um rund 1,9 auf 29,9 Millionen binnen fünf Jahren. Vor allem mehr 55- bis unter 65-Jährige waren im Job: Hier gab es laut der jüngsten offiziellen Statistik Ende 2013 4,8 Millionen Beschäftigte - 1,3 Millionen mehr als fünf Jahre zuvor. Nirgends in der EU sei die Erwerbstätigenquote bei den Älteren von 2000 bis 2014 so hochgegangen wie in Deutschland, sagte DRV-Forschungsleiter Reinhold Thiede unter Berufung auf EU-Zahlen. Bei den 60- bis 64-Jährigen stieg der Anteil von rund 20 auf 53 Prozent.

Nur wenige über 65 Jahre arbeiten

Nach jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit dürfte die abschlagsfreie Rente mit 63 dem Trend allerdings vorübergehend entgegenwirken: Die Zahl der regulär Beschäftigten ab 63 sank von Juni bis September 2014 um knapp 23.600. Bei den Über-65-Jährigen sind die Beschäftigtenzahlen viel geringer. Hier gab es zwar einen starken Anstieg binnen fünf Jahren um gut 45 Prozent - in absoluten Zahlen waren es aber nur 56.000 mehr, nämlich zuletzt 178.000. Dies seien vor allem Arbeitnehmer, die Rente beziehen, aber noch arbeiten, damit aber keine höhere Renten-Anwartschaft mehr erwirtschaften, so die DRV. Denn der Arbeitnehmer zahlt jenseits der Regelaltersgrenze von derzeit 65 Jahren und 4 Monaten bei gleichzeitigem Bezug einer Rente keinen Rentenbeitrag mehr. Die Beiträge der Arbeitgeber dagegen fließen in die allgemeine Rentenkasse, kommen dem einzelnen Betroffenen aber nicht mehr zugute. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte gefordert, dies zu ändern.

Zu starre Zuverdienstgrenzen

Ohne bereits Rente zu beziehen, arbeiten derzeit nur wenige über das Rentenalter hinaus. Die DRV zählte hier zuletzt 2.000 regulär Beschäftigte. Dabei kommen zu einem Rentenzuschlag von 0,5 Prozent in diesen Fällen erhöhte Anwartschaften wegen längeren Einzahlens - ein Durchschnittsverdiener kann laut Thiede seine Rente von 1.324 auf 1.435 Euro steigern, wenn er genau ein Jahr länger arbeitet. Wegen starrer Zuverdienstgrenzen ist es ebenso wenig beliebt, vor dem normalen Rentenalter in Rente zu gehen und noch hinzuzuverdienen. Und auch nur wenige zahlen freiwillige Beiträge zum Ausgleich von Abschlägen bei vorzeitiger Rente. Um die Übergänge in die Rente flexibler zu machen, hat die Koalition eine Arbeitsgruppe gebildet. Sie tritt aber seit rund einem Jahr auf der Stelle. Die SPD pocht vor allem auf Möglichkeiten für belastete Arbeitnehmer, früher in Rente gehen zu können. Der Fokus der Union liegt eher auf längerem Arbeiten.

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Schlagworte zum Thema:  Ältere Mitarbeiter, Ältere Arbeitnehmer

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