Dem einen ist es im Großraumbüro zu laut, der anderen zu warm. Abhilfe könnten Entwicklungen schaffen, mit denen sich Lärm und Temperatur am einzelnen Arbeitsplatz regeln lassen. In einem neuen Labor in der TU Kaiserslautern arbeiten Forscher daran.

Wem Sabine Hoffmann einen Bürostuhl anbietet, der verspürt unter Umständen bald ein frisches Gefühl am Gesäß. Das liegt an einer Kühlfunktion am Stuhl, bei Knopfdruck pusten kleine Ventilatoren in Sitz und Rückenlehne Luft durch Stoff und Kleidung auf die Haut. Das werde vor allem von Männern geschätzt, die im Sommer, wenn sie verschwitzt seien, auf diese Weise "trockengelegt" würden, sagt die Professorin.

Ein bundesweit einmaliger Versuch

Die Wissenschaftlerin der TU Kaiserslautern arbeitet mit Kollegen vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) daran, wie man die Büroumgebung so verbessern kann, dass das Wohlbefinden der Menschen wächst. In einem kürzlich am DFKI eröffneten Labor, dem "Living Lab smart office space", entwickeln sie Technikkonzepte "für das Büro von morgen" - im Selbstversuch und unter nahezu realistischen Bedingungen. Das sei in der Form bundesweit einmalig, sagt Hoffmann, die nach eigenen Angaben die Idee zu diesem Lab hatte.

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Individuelle Lösungen für das Großraumbüro

Aus Sicht der 44-Jährigen sollten Chefs durchaus darauf achten, dass es den Mitarbeitern am Arbeitsplatz nicht zu kalt, zu heiß oder zu laut ist. "Wenn es einem nicht behaglich ist, arbeitet man nicht gern und ist weniger produktiv", weiß die Professorin für Gebäudesysteme und Gebäudetechnik. Das Problem: "Es ist ganz schwierig, ein Raumklima hinzubekommen, in dem alle zufrieden sind." Denn das Temperaturempfinden ist unterschiedlich. Deshalb suchen die Experten nach individuellen Lösungen, die zudem energiesparend sein sollen. Ein Beispiel ist der kühlende Bürostuhl. Ein Hersteller hatte die Sitzgelegenheit, die auch über eine Wärmefunktion verfügt, entwickelt. Hoffmanns Team machte eine Feldstudie dazu, die bei der Optimierung des Produkts half. "Die Ventilatoren waren am Anfang zu laut, der Sitzkomfort war nicht gut genug", erinnert sie sich. Diese Kinderkrankheiten seien nun beseitigt. Inzwischen ist der Stuhl auf dem Markt, der Basispreis (Heizung und Lüftung nur im Sitz) liegt laut Firma bei 884 Euro, die erweiterte Variante kommt auf 987 Euro.

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