| Umfrage

75% aller Frauen als Führungskraft wurden bereits diskriminiert

Bild: dfk - Die Führungskäfte

Gut drei Viertel (75,9 %) der weiblichen Führungskräfte in Deutschland sind aufgrund ihres Geschlechtes schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert worden. Dies ergibt sich aus einer Umfrage des Berufsverbandes "Die Führungskräfte - DFK" unter 120 Managerinnen (zum Vergrößern der Grafik auf "Bilderserie" klicken).

Damit hat sich der Anteil gegenüber den Umfrageergebnissen aus dem Jahr 2012 (2012: 61,8 %) noch einmal deutlich erhöht. Unter den Befragten arbeiten knapp 76 % Vollzeit und gut 18 % Teilzeit mit mehr als 20 Wochenstunden, so dass es offenbar für die Diskriminierungsfälle keine Rolle spielt, ob die Frauen Kinder haben oder in Teil- bzw. Vollzeit arbeiten. "Dass sich die Anzahl der Diskriminierungsfälle gegenüber den Umfrageergebnissen aus dem Jahr 2012 noch einmal deutlich erhöht, haben wir nicht erwartet. Das ist ein erschreckendes Ergebnis, das jede Unternehmensleitung aufhorchen lassen sollte. So ist es kein Wunder, dass es noch immer zu wenig Frauen in Führungsfunktionen gibt", so Dr. Heike Kroll, Geschäftsführerin des Berufsverbandes "Die Führungskräfte - DFK" und Leiterin des Netzwerkes weiblicher Fach- und Führungskräfte des Verbandes.

Rufe nach der Quote

Die DFK-Studie deckt aber auch auf, wo aus Sicht der befragten Frauen die Ursachen für ihre Benachteiligung liegen. Während in der Umfrage von 2012 neben dem Umstand, dass die Entscheidungsgremien in den Unternehmen männerdominiert sind (2012: Platz 1 mit 24,3 %) noch 17,7 % der Befragten selbstkritisch ein schwaches Selbstmarketing anführten, sank dieser Punkt nun mit deutlichem Abstand auf den vierten Rang ab. Während im Jahr 2012 noch knapp 40 % der Befragten der Meinung waren, dass am dringendsten das Top-Management deutlich machen müsse, dass es den Kulturwandel will und voll unterstützt, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen, sank dieser Wert 2015 auf 30 %. Dafür waren nun mehr Frauen der Ansicht (19 %), dass nur eine verbindliche Quote im Unternehmen, verbunden mit spürbaren Sanktionen, Abhilfe leisten könne. "Früher war ich davon überzeugt, dass das Geschlecht für weitere Karriereschritte keine Rolle spielt. Eine Quote hielt ich schlicht für Blödsinn: Jeder, der etwas könne, werde auch etwas", so Dr. Heike Kroll. "Doch meine langjährigen Erfahrungen in der Beratung von Fach- und Führungskräften haben mich anderes gelehrt, so dass ich - eigentlich bedauernd - sagen muss: Wir brauchen sie (die Quote) tatsächlich."

Frauen wollen nicht mehr abwarten

Die aktuellen Umfrageergebnisse des DFK aus 2015 zeigten, dass Frauen nicht mehr bereit sind einfach abzuwarten, sondern immer mehr Rufe laut werden, weitere, mit Sanktionen verbundene, Quoten festzulegen, so Dr. Kroll. Die Unternehmen seien daher gut beraten, dem durch eine gerechtere Personalpolitik entgegenzuwirken. Denn gerade auch in Zeiten des Fachkräftemangels könne sich kein Unternehmen den Ruf, geschlechterdiskriminierend zu sein, erlauben. Bei der Wahl des Arbeitgebers spiele diese Frage bereits heute - nicht nur für Frauen - eine mitentscheidende Rolle.

>> Das könnte Sie auch interessieren:

Niedrige Geburtenrate gefährdet Standort Deutschland

Frauen als Chefs haben es in flachen Hierarchien leichter

Frauen im Top-Management fördern Frauen

Hier geht's zur Bilderserie "Infografik Weibliche Führungskräfte"

Schlagworte zum Thema:  Frauen, Führungskraft

Aktuell

Meistgelesen