02.07.2013 | Teures Debakel

728 Millionen Euro für eine Gesundheitskarte ohne Mehrnutzen

Ärzte und Krankenkassen beschuldigen sich gegenseitig, die elektronische Gesundheitskarte zu blockieren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die elektronische Gesundheitskarte droht zu einem hunderte Millionen Euro teuren Debakel ohne Nutzen für die Patienten zu werden.

Davor haben die deutschen gesetzlichen Krankenkassen in Berlin gewarnt. Leistungserbringer seien daran Schuld, kritisierte der Verwaltungsrat ihres Spitzenverbands in einer Erklärung. Gemeint sind vorwiegend die Kassenärzte, die aus Sicht der Kassen das IT-Projekt mit dem Kürzel eGK hintertreiben. Deren Organisation wiesen den Vorwurf zurück.

Außer Foto nichts gewesen 

Kassen-Verbandssprecher Florian Lanz bestätigte der Deutschen Presse-Agentur frühere Angaben, nach denen die Versicherungen bislang 728 Millionen Euro an Beitragsgeldern in die Karte investiert haben. Zehn Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der eGK ist diese heute weitgehend an die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland verteilt. Der einzige klare erkennbare Unterschied zur alten Krankenkassenkarte ist aber bislang: Sie trägt ein Foto des Versicherten. So soll Missbrauch verhindert werden.

Online-Anwendungen möglich machen 

Als nächster Schritt sollen Daten wie etwa die Adresse via Online-Verbindung automatisch geändert werden können - etwa wenn der Versicherte umzieht. Dann müssen keine neuen Karten verschickt werden. Der Kassen-Verband warnte nun, wegen Dauerblockaden drohten solche Anwendungen zu unterbleiben. "Um von dem Mehrwert der Karte profitieren zu können und nicht ausschließlich die höheren Stückkosten der eGK zu tragen, sind Online-Anwendungen zwingend notwendig." Viele Hoffnungen ruhen auf der eGK: Sobald die Karte als Schlüssel für Online-Kommunikation über als sicher geltende Server funktioniert, sollen Ärzte Befunde und andere Informationen elektronisch übermitteln können. Fallakten über den Behandlungsverlauf sollen ausgetauscht werden können. Beispielsweise Doppelmedikationen und Therapie-Chaos sollen eingedämmt werden.

Kommt das elektronische Rezept? 

Möglicherweise kommen später auch elektronische Rezepte und weitere Anwendungen hinzu. Doch wegen des Dauerstreits zwischen den beteiligten Verbänden von Ärzten, Kliniken, Apothekern und Krankenkassen steht all das noch in den Sternen. Auch eine Möglichkeit zur direkten Speicherung auf der Karte soll es geben: für Patientenverfügungen oder Daten für Notfälle, etwa zu Vorerkrankungen oder Allergien. Der Kassenverband forderte den Gesetzgeber auf, die Karte durch strikte Vorgaben etwa an die Ärzteorganisationen zu retten. "Hierzu gehören insbesondere verbindlich einzuhaltende Termine einschließlich finanzieller Sanktionen, sofern diese Verpflichtungen nicht erfüllt werden."

Ärzte und Kassen beschuldigen sich gegenseitig 

Die indirekt angesprochene Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warf ihrerseits den Kassen Blockade vor. "Der GKV-Spitzenverband hat in der Vergangenheit viele sinnvolle Vorschläge der KBV blockiert, etwa die Einrichtung von "eKiosken", bei denen die Versicherten in den Filialen der Krankenkassen ihre Karten an einem Terminal selbst aktualisieren und ihre Daten verwalten können", sagte Sprecher Roland Stahl der dpa. Die eGK müsse einen Mehrwert auch für die Ärzte haben und dürfe nicht nur an Interessen der Kassen ausgerichtet sein.

Schlagworte zum Thema:  Gesundheitskarte, Elektronische Gesundheitskarte, Kassenarzt, Krankenkasse, Patientenverfügung

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