11.02.2013 | Bundesagentur für Arbeit

100.000 Hartz IV-Empfänger sollen noch mal in die Lehre

Arbeitslose ohne Berufsabschluss sollen eine zweite Chance erhalten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will Zehntausende Hartz-IV-Empfänger um die 30 noch einmal in die Lehre schicken.

In den kommenden vier Jahren könnten so mindestens 100.000 Männer und Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren doch noch einen Berufsabschluss erwerben. Das geht aus einem Geschäftsführerbrief von BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt an die Jobcenter hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Pro Jahr sollten nach Bundesagentur-Plänen rund 25.000 Hartz-IV-Empfänger im jüngeren Erwachsenenalter eine Berufsausbildung starten. Die Kampagne steht unter dem Motto "AusBILDUNG wird was - Spätstarter gesucht".

Bessere Jobchancen 

"Angesichts der bundesweit rund eine Million Arbeitslosen ohne Ausbildung in den Jobcentern ist es mit ein wichtiges Anliegen, dass zusätzlich investiert wird in abschlussorientierte Aus- und Weiterbildung", heißt es in dem Schreiben. Jobcenter sollten dabei den Umstand nutzen, dass viele Unternehmen derzeit Probleme hätten, freie Lehrstellen zu besetzen. Zudem könnten zusätzlich Ausgebildete später dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu beheben. Sie selbst würden damit ihre Jobchancen verbessern.

Jobcenter machen jedem Betroffenen ein Angebot 

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erinnerte in Berlin an den in den nächsten Jahren steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Menschen. "Gleichzeitig werden immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Deshalb sollten wir jetzt alle Kräfte bündeln, um den Zehntausenden erwerbsfähigen jungen Menschen eine zweite Chance zu geben, die bisher keinen Berufsabschluss haben und arbeitslos sind", sagte die Ministerin. BA-Vorstandsmitglied Alt kündigte in einer Mitteilung an, die Jobcenter würden jedem Betroffenen dazu ein Angebot machen.

Zweifacher Kurswechsel 

Bundesagentur-Kreise sehen in dem "zentralen Handlungsschwerpunkt" der Jobcenter für 2013 gleich einen zweifachen Kurswechsel der BA: Zum einen nehme die Bundesagentur erstmals jüngere Erwachsene um die 30 in den Blick, nachdem sie sich jahrzehntelang bei der Berufsausbildung auf die 15- bis 25-Jährigen konzentriert hatte. Zum anderen weiche das neue Programm "Erstausbildung für junge Menschen" von der bisherigen Strategie des "schnellen Erfolges" ab und setze wieder auf Maßnahmen, die erst in ein paar Jahren Früchte tragen. Um den Erfolg der Initiative sicherzustellen, geht es nach Einschätzung der Bundesagentur jetzt darum, Betriebe dazu zu bewegen, auch "reiferen jungen Menschen" und nicht nur Schulabgängern eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Insgesamt soll das Thema "Erstausbildung" mit rund 300.000 jüngeren Hartz-IV-Beziehern besprochen werden. Dies seien in der Regel junge Menschen, denen wegen ihres Alters eine reguläre Ausbildung nicht mehr offenstehe, "die aber gleichwohl noch einen großen Teil des Erwerbslebens vor sich haben".

DGB dringt auf rasche Lösung 

Auf eine rasche Lösung drängte am Donnerstag auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Rund ein Sechstel der 25- bis 34-jährigen Deutschen habe keinen Berufsabschluss, gehe nicht zur Schule, absolviere kein Studium und keine Berufsausbildung, gab der Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik im DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, in einer Studie zu bedenken. Jüngere Erwachsene ohne Berufsabschluss seien nicht nur häufiger arbeitslos, sondern hätten auch deutlich schlechtere Vermittlungschancen als Fachkräfte. Der DGB forderte daher die schwarz-gelbe Bundesregierung auf, die "Rotstiftpolitik" in dem Bereich zu beenden und wieder massiv in die Weiterbildung von Hartz-IV-Empfängern zu investieren. Mit einem Fördervolumen von 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr könnten jährlich 30.000 berufliche Ausbildungen für diese Gruppe finanziert werden.

Schlagworte zum Thema:  Hartz IV, Berufsabschluss, Ausbildung, Bundesagentur für Arbeit

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