Zeitarbeit als Personalmanagementinstrument

Zeitarbeit hat sowohl als strategisches Instrument als auch im Tagesgeschäft der Personalmanager in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Der Beitrag beschreibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Zeitarbeit und gibt dabei auch einen differenzierten Einblick, der für die tägliche Arbeit Hilfestellung bietet. Die vertragliche und inhaltliche Ausgestaltung der Zeitarbeit im Kundenunternehmen, die Auswahl des passenden Dienstleisters, aber auch die Vergütung, Integration und die Bedürfnisse von Zeitarbeitsmitarbeitern werden umfassend beleuchtet. Eine Kosten-Nutzen-Analyse rundet das Thema ab. Der Beitrag dient als umfassende Arbeitshilfe und stellt das Instrument Zeitarbeit praxisnah dar.

1 Entwicklung, Umfang und Begrifflichkeiten
der modernen Arbeitnehmerüberlassung

Der Gesetzgeber spricht im AÜG, dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, von Leiharbeit. Dieser Begriff findet so in der täglichen Praxis der Personalabteilungen, aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit, den Medien und auch der Politik immer weniger Anwendung. Eher spricht man heute von Zeitarbeit oder Personalleasing. Gerade im Zuge der Einführung der Gesetze zur Reform des Arbeitsmarkts ("Hartz-Reformen") hat die Zeitarbeitsbranche wesentlich dazu beigetragen, die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren und parallel dazu den Unternehmen eine "atmende Personalpolitik" ermöglicht. Dies führte in den letzten Jahren zu einer größeren Akzeptanz der Branche und zu einem positiveren Image, das sich auch an einer veränderten Begrifflichkeit zeigt.

Im Zuge der Erfolge der Branche haben sich nicht nur die Begrifflichkeiten, sondern auch die Dienstleistungen und Inhalte, mit denen sich die Branche am Markt positioniert, verändert. Ein stetiger Wandel von der früheren Leiharbeit, über die heute allgemein bekannte Zeitarbeit hin zu einer Branche moderner Personaldienstleister, hat stattgefunden. Deutlich ist auch ein Trend zu erkennen, dass Zeitarbeitsunternehmen die vorhandenen Kompetenzen ausbauen, sich spezialisieren oder sich auf bestimmte Kernbereiche konzentrieren.

Zusatzleistungen, wie Personalvermittlung im Rahmen der Privaten Arbeitsvermittlung, die Vermittlung oder Überlassung von Interimsmanagern ergänzen bei vielen Zeitarbeitsunternehmen das Portfolio.

Im Folgenden werden die Begriffe "Zeitarbeitsunternehmen" oder "Personaldienstleister" anstelle der ungeliebten gesetzlichen Terminologie "Verleiher" verwendet. Das "Kundenunternehmen" steht für den "Entleiher", aus dem "Leiharbeiter" wird konsequenterweise der "Zeitarbeitnehmer" oder "Mitarbeiter der Zeitarbeit".

2 Funktionsweise der Arbeitnehmerüberlassung
in Deutschland

In Deutschland schließt das Zeitarbeitsunternehmen, das Mitarbeiter im Rahmen der Zeitarbeit "verleiht", mit diesem Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag. Das Zeitarbeitsunternehmen übernimmt alle Arbeitgeberpflichten und führt auch Sozialabgaben und Lohnsteuer ab. Der Mitarbeiter hat den vollständigen Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz. Das Zeitarbeitsunternehmen hat in Deutschland alle Arbeitgeberpflichten zu erfüllen wie jeder andere Arbeitgeber auch (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall/an Feiertagen; Urlaubsgewährung und -vergütung). Kennzeichnend für die Zeitarbeit ist, dass der Mitarbeiter seine Arbeitsleistung im Betrieb des Kundenunternehmens erbringt und nicht bei der Zeitarbeitsfirma.

Das Zeitarbeitsunternehmen stellt die geleistete Arbeitszeit zu einem bei Auftragserteilung vereinbarten Stundenverrechnungssatz zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer dem Kundenunternehmen in Rechnung.

Der dem Kundenunternehmen überlassene Mitarbeiter führt Tätigkeitsnachweise, in denen er die geleistete Arbeitszeit einträgt. Sofern ein Zeiterfassungssystem besteht, werden die Zeitarbeitskräfte in dieses üblicherweise einbezogen. Auf der Basis dieser Arbeitsnachweise erstellt das Zeitarbeitsunternehmen in einem vorab vereinbarten zeitlichen Rhythmus die Rechnung.

Auch für die Berechnung des Gehalts des Mitarbeiters der Zeitarbeit ist die Stechkarte oder der Tätigkeitsnachweis die Grundlage. Neben der erbrachten Arbeitsleistung erhält der Mitarbeiter die im Arbeits- und Tarifvertrag vereinbarte Zeit vergütet. Ist im Tarifvertrag, wie z. B. beim Tarifwerk des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V., bei einer Vollzeitbeschäftigung eine 35-Stunden-Woche vereinbart, so erhält der Mitarbeiter pro Woche diese 35 Stunden vergütet, auch wenn er diese nicht beim Kundenunternehmen gearbeitet hat. War er möglicherweise krank oder hatte er z. B. Urlaub beantragt, so erhält er diesen Arbeitstag mit mindestens 7 Stunden vergütet. Auch in Zeiten, in denen das Zeitarbeitsunternehmen keinen Einsatz in einem Kundenunternehmen anbieten kann, hat der Mitarbeiter Anspruch auf die Bezahlung von 35 Stunden pro Woche. Gearbeitete Mehrarbeit (mehr als 35 Stunden wöchentlich) wird auf dem Arbeitszeitkonto des Mitarbeiters gesammelt und kann in Absprache mit dem Zeitarbeitsunternehmen abgebaut werden.

Abb. 1: Vertragsbeziehungen Kunden,...

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