Working Capital Management: Optimierung von Liquidität und Geschäftsprozessen

Zusammenfassung

Die Wirtschaftskrise zwingt Unternehmen verstärkt dazu, Liquidität und Geschäftsprozesse zu optimieren. Ein Mittel hierzu stellt das sog. Working Capital Management dar. Dabei soll einerseits die Kapitalbindung reduziert werden, andererseits sollen betriebliche Abläufe verbessert werden. Der Beitrag erklärt, wie das Working Capital Management funktioniert und wie auch kleine und mittlere Unternehmen davon profitieren können.

1 Hintergrund

Das Working Capital Management ist in jüngster Zeit zunehmend in den Fokus der Unternehmen gerückt. Vor dem Hintergrund der Verschärfung der Kreditvergaberegeln durch Basel II, einem erhöhten Margendruck aufgrund eines sich verschärfenden Wettbewerbs und einer unbefriedigenden Cash-Flow-Entwicklung suchen Unternehmen zunehmend nach neuen, internen Finanzierungsquellen. Aber nicht nur dies hat das Working Capital Management befördert, sondern auch die Optimierungsmöglichkeiten, die sich aus einer Untersuchung des Working Capital für wesentliche Unternehmensprozesse ergeben können, erwecken das Interesse der Entscheidungsträger.

2 Working Capital als Bilanzkennzahl

Das Working Capital ist eine Bilanzkennzahl und wurde in der Vergangenheit vornehmlich zur Liquiditätsanalyse von Unternehmen verwendet. Diese Kennzahl ergibt sich aus der Differenz von kurzfristigem Umlaufvermögen mit einer Bindungsdauer von bis zu einem Jahr und kurzfristigen Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr.

Working Capital = Umlaufvermögen (kurzfristig) ./. Verbindlichkeiten (kurzfristig)

Ein positives Ergebnis der Kennzahl bedeutet, dass ein Teil des Umlaufvermögens mit langfristigem Kapital finanziert wird.

Ein negatives Working Capital zeigt den Entscheidungsträgern an, dass das kurzfristig verfügbare Umlaufvermögen nicht ausreicht, um die gesamten kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Das Unternehmen läuft Gefahr, die kurzfristig notwendige Liquidität nicht zur Verfügung stellen zu können.

 

Wichtig

Je höher das Working Capital ist, desto gesicherter ist die Liquidität des Unternehmens.

3 Working Capital Management

Während in der Vergangenheit mithilfe der Kennzahl Working Capital vornehmlich die Liquiditätslage von Unternehmen analysiert wurde, stehen im Rahmen des Working Capital Management die gezielte Beeinflussung und Optimierung der Kennzahl Working Capital im Vordergrund. Typische Maßnahmen sind die Optimierung des Vorratsvermögens, des Bestands an Forderungen sowie der Verbindlichkeiten.

Liquiditätsorientierte Ziele des Working Capital Management sind:

  • Reduzierung der Kapitalbindung durch eine optimierte Lagerhaltung und ein optimiertes Produktprogramm sowie ein optimiertes Forderungs- und Kreditorenmanagement,
  • Sicherung der Liquidität des Unternehmens,
  • Erhöhung der Rentabilität des Unternehmens durch Verbesserung des Finanzergebnisses bei geringerer Kapitalbindung sowie
  • Freisetzung von Kapital für strategische Investitionen.

4 Verringerung der Kapitalbindung

Primäres Ziel des Working Capital Management sind die Verringerung der Kapitalbindung im Unternehmen durch eine Senkung des Forderungsbestands sowie eine Bereinigung und Optimierung des Vorratsbestands an Materialien und an fertigen und unfertigen Erzeugnissen.

Andererseits kann  durch eine Optimierung der kurzfristigen Lieferantenverbindlichkeiten die Zinsbelastung des Unternehmens verringert und das Finanzergebnis optimiert werden. Studien der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers haben ermittelt, dass ein konsequentes Working Capital Management im Durchschnitt zu einer Freisetzung von 20 – 30 % des gebundenen Kapitals und einer entsprechenden Entlastung des Finanzergebnisses führen kann. Darüber hinaus verbessern sich durch Working Capital Management die Bilanzrelationen der Unternehmen mit einem positiven Rating-Effekt.

5 Optimierung von Geschäftsprozessen

Sekundäres Ziel des Working Capital Management ist die Optimierung der Geschäftsprozesse, insbesondere des Beschaffungsprozesses (Prozess: "Purchase to Pay"), des Forderungsmanagements (Prozess: "Order to Cash") sowie der Vorratshaltung (Prozess: "Forecast of Fulfill").

Eine genaue Analyse des Working Capital liefert häufig konkrete Hinweise auf Schwächen in den obigen Unternehmensprozessen. So werden im Rahmen eines Working Capital Management z. B. im Supply Chain Management die betriebliche Notwendigkeit der Vorratshaltung sowie mögliche Optimierungen des Beschaffungsprozesses (z. B. durch Just-in-Time-Belieferung) überprüft, um die Kapitalbindung zu reduzieren.

Im Forderungsmanagement müssen Mängel in Bezug auf Zahlungsziele und die Realisierung von Forderungen beseitigt werden.  Daneben bilden schwer- oder uneinbringliche Forderungen häufig deutliche Indikatoren für Schwächen in den operativen Prozessen wie z. B. Qualitätsmängel in der Produktion, Schwächen in der Reklamationsbearbeitung oder nicht erledigte Restarbeiten, die zu Zahlungsverzögerungen vonseiten der Kunden führen.

 

Wichtig

Allerdings sind bei einem Working Capital Management auch mögliche Zielkonflikte in ...

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