Umsatzsteuer, grenzüberschreitende Dienstleistungen in der EU

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Leistungsort
  • Umsatzsteuer im anderen EU-Land
  • Reverse-Charge-Verfahren

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Erlöse aus im anderen EU-Land steuerbaren Leistungen, im Inland nicht steuerbare Umsätze
Eigener Kontenplan SKR 03
  8339
IKR  
5133 SKR 04
  4339
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet
Eigener Kontenplan SKR 03
  8336
IKR  
5132 SKR 04
  4336
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Führt ein Unternehmer eine sonstige Dienstleistung für einen Unternehmer aus einem anderen EU-Land aus, dann befindet sich der Ort der Dienstleistung regelmäßig da, wo der Leistungsempfänger seinen Betrieb bzw. Sitz hat. Das gilt selbst dann, wenn die Leistung im Inland ausgeführt wird. Innerhalb der EU gilt das Reverse-Charge-Verfahren, sodass der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet und nicht der Unternehmer, der die Leistung erbracht hat. Der Unternehmer, der die Leistung erbringt, bucht seinen Umsatz dann auf das Konto "Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet" 8336 (SKR 03) bzw. 4336 (SKR 04).

 

So buchen Sie richtig

Bank

an Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet

 

Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Prüfung der sonstigen Leistung

Unternehmer Huber vermietet Bauzäune (mit Auf- und Abbau). Ein luxemburgischer Kunde hat einen Bauzaun (mit Auf- und Abbau) gemietet. Dieser Kunde meint, dass Herr Huber die luxemburgische Umsatzsteuer von 15 % in Rechnung stellen muss.

Die Auffassung des luxemburgischen Kunden ist unzutreffend. Die Vermietung von Bauzäunen ist eine sonstige Leistung und keine Lieferung. Bei sonstigen Leistungen zwischen Unternehmern (B2B-Geschäften) befindet sich der Ort der sonstigen Leistung da, wo der Empfänger sein Unternehmen betreibt.[1] Verleiht Herr Huber einen Bauzaun (einschließlich Auf- und Abbau) an einen Unternehmer in Luxemburg, dann befindet sich der Ort der sonstigen Leistung in Luxemburg. Konsequenz: Es ist die luxemburgische Umsatzsteuer in Luxemburg zu zahlen.

Allerdings ist der Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer und muss diese an das luxemburgische Finanzamt zahlen (Reverse-Charge-Verfahren). Das Reverse-Charge-Verfahren ist in den Fällen des § 3a Abs. 2 UStG zwingend in allen EU-Ländern anzuwenden, also auch in Luxemburg.[2]

Das bedeutet, dass Herr Huber die Vermietung der Bauzäune mit dem luxemburgischen Unternehmer netto ohne Umsatzsteuer abrechnen muss. In der Rechnung muss er darauf hinzuweisen, dass der Leistungsempfänger im Rahmen des Reverse-Charge-Verfahrens Schuldner der Umsatzsteuer ist. Das deutsche Unternehmen muss diesen Vorgang in einer "Zusammenfassenden Meldung" an das Bundeszentralamt für Steuern melden.

Buchungsvorschlag:

SKR 03

 
1200 Bank 4.500 an 8336 Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet 4.500

SKR 04

 
1800 Bank 4.500 an 4336 Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet 4.500

2 Wann die deutsche Umsatzsteuer berechnet werden muss

Eine sonstige Leistung unterliegt nur dann der Umsatzsteuer, wenn sie im Inland ausgeführt wird. Liegt der Leistungsort in einem anderen Land, handelt es sich um einen Vorgang, der nicht im Inland steuerbar ist. Bei sonstigen Leistungen und Werkleistungen richtet sich der Leistungsort nach § 3a UStG. Unternehmer müssen den Ort der sonstigen Leistungen und Werkleistungen insbesondere dann ermitteln, wenn sie ihre Leistungen

  • für ein ausländisches Unternehmen ausführen oder
  • von einem ausländischen Unternehmer in Anspruch nehmen.

Liegt der Ort der sonstigen Leistung im Inland, spielt es keine Rolle, wo sie im Inland erbracht wird. Eine Differenzierung im Inland nach Orten und Städten, wie z. B. Berlin, Hamburg, Köln oder München, ist nicht erforderlich. Wesentlich ist nur, dass ein steuerbarer Umsatz vorliegt, für den der leistende Unternehmer die deutsche Umsatzsteuer zahlt, wenn keine Steuerbefreiung greift.

Die Grundsätze, nach denen der Unternehmer den Ort der sonstigen Leistung oder Werkleistung zu bestimmen hat, ergibt sich aus § 3a Abs. 1 und 2 UStG. Danach gilt Folgendes:

 
Empfänger ist Sonstige Leistung wird erbracht am gesetzliche Grundlage

Privatperson

(kein Unternehmer)
Ort, an dem der leistende Unternehmer seinen Wohnsitz, Sitz oder seine Betriebsstätte hat § 3a Abs. 1 UStG
Unternehmer Ort, an dem der Empfänger sein Unternehmen betreibt § 3a Abs. 2 UStG

Tab. 1: Bestimmung des Ortes der sonstigen Leistung oder Werkleistung

Dieses Prinzip, wonach sich gemäß § 3a Abs. 2 UStG der Ort der sonstigen Leistung oder Werkleistung beim Leistungsempfänger befindet, wird innerhalb der EU durch das Reverse-Charge-Verfahren (= Wechsel der Steu...

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