Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 4.4.9 Absicherungen von Risiken – § 285 Nr. 23 HGB
 

Rz. 422

Die punktuelle Abkehr von der prinzipienorientierten Rechnungslegungskonzeption im HGB durch zunehmende Einzelfallregelungen mit dem BilMoG führt insbesondere zu einer Reihe umfangreicher Angaben im Anhang bzw. Konzernanhang, sofern vom berichtenden Unt Bewertungseinheiten nach § 254 HGB gebildet wurden. Korrespondierend zu § 254 HGB wurde im Zuge des BilMoG für die Anhang- und Konzernanhangangaben § 285 Nr. 23 HGB (bzw. § 314 Abs. 1 Nr. 15 HGB für KA) eingeführt. Entsprechend dieser Reglungen hat das Unt zu den nach § 254 HGB gebildeten Bewertungseinheiten anzugeben

  1. mit welchem Betrag jeweils VG, Schulden, schwebende Geschäfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Transaktionen zur Absicherung welcher Risiken in welche Arten von Bewertungseinheiten einbezogen sind und wie hoch die mit Bewertungseinheiten abgesicherten Risiken sind,
  2. für die jeweils abgesicherten Risiken, warum, in welchem Umfang und für welchen Zeitraum sich die gegenläufigen Wertänderungen oder Zahlungsströme künftig voraussichtlich ausgleichen (einschließlich der Methode der Ermittlung) sowie
  3. eine Erläuterung zu den mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten Transaktionen, die in Bewertungseinheiten einbezogen wurden.
 

Rz. 423

Die Angabe des Betrags bezieht sich dabei darauf, in welcher Höhe das Grundgeschäft im Rahmen der gebildeten Bewertungseinheit abgesichert wurde. Dabei ist nicht auf jede einzelne Bewertungseinheit einzugehen, sondern auf das zum Bilanzstichtag bestehende Gesamtvolumen der Bewertungseinheiten. Zudem sind Angaben nach den Arten (Micro-, Portfolio- oder Macro-Hedge) der gebildeten Bewertungseinheiten zu unterscheiden, wobei anzumerken ist, dass eine Abgrenzung von Macro- und Portfolio-Hedge in der Praxis nicht immer zweifelsfrei möglich sein dürfte (§ 254 HGB Rz 6). Ferner ist analog zur betragsmäßigen Angabe zu der jeweiligen gebildeten Art der Bewertungseinheit auch das Gesamtvolumen der abgesicherten Risiken anzugeben (§ 285 HGB Rz 149 ff.; § 314 HGB Rz 77). In erster Linie sind es Zins-, Währungs-, und Preisrisiken (§ 314 HGB Rz 77). Ggf. kommen auch Kredit-/Ausfall- und Liquiditätsrisiken in Betracht (§ 285 HGB Rz 150).

 

Rz. 424

Bei der Analyse der Stichprobe stellte sich heraus, dass bei den JA lediglich 10 % der Unt Angaben dazu in den Anhang aufgenommen haben. Daher wurde in dieser Auswertung die Betrachtung um die Fälle im KA erweitert, so dass insgesamt 24 Anwendungsbeispiele ausgewertet werden konnten.

 
  JA KA Gesamt
Anzahl Abschlüsse 100 30 130
Bewertungseinheiten
nach § 254 HGB
10 14 24
In % von Gesamt 10 % 47 % 18 %

Abb. 76: Häufigkeit der Bilanzierung von Bewertungseinheiten

 

Rz. 425

Eine Analyse der angewendeten Systematik von Bewertungseinheiten führt zunächst zum Ergebnis, dass ein Unt im JA keine Angabe darüber veröffentlicht, welche Art von Bewertungseinheiten zur Absicherung von Risiken gebildet wurden. Mit folgender beispielhafter Formulierung wird berichtet: "Wertpapiere in Höhe von … TEUR wurden nach § 254 HGB mit den Pensionsverpflichtungen aus wertpapiergebundenen Zusagen in Höhe von …T EUR zu einer Bewertungseinheit gebildet". Somit könnte sowohl das Makro- als auch das Portfolio-Hedge als Bewertungseinheit denkbar sein. Ferner fehlen hier auch weitere Informationen über die Charakteristika des abzusichernden Grundgeschäfts sowie zur Art der abgesicherten Risiken.

 

Rz. 426

Bei den angewendeten Arten von Bewertungseinheiten findet das Micro-Hedge bei 22 von den 24 Unt, die über die Arten von Bewertungseinheiten berichten, die höchste Anwendung. Fünf Unt wenden auch das Portfolio-Hedge an. Das Macro-Hedge wird bei zwei Unt angewendet.

 
  JA Konzern Gesamt In % der Unt mit Bewertungs­einheiten
Bewertungseinheiten
nach § 254 HGB
10 14 24  100
Micro-Hedge 8 14 22 92
Portfolio-Hedge 3 2 5 21
Macro-Hedge 1 1 2 8

Abb. 77: Häufigkeit der angewendeten Systematik von Bewertungseinheiten

 

Rz. 427

Anzugeben sind wie oben konstatiert nach § 285 Nr. 23 Buchst. a HGB (bzw. § 314 Abs. 1 Nr. 15 Buchst. a HGB für den KA), in welchem betragsmäßigen Umfang VG, Schulden, schwebende Geschäfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig vorgesehene Transaktionen zur Absicherung einbezogen wurden. Hierbei ist auch anzugeben, zur Absicherung welcher Risikoart die Bewertungseinheiten einbezogen wurden. Zunächst ist festzuhalten, dass aus den vorliegenden Abschlüssen 37 Angaben zu den abgesicherten Grundgeschäften zu entnehmen sind. Am häufigsten werden von den Unt Schulden zur Absicherung von Risiken in die Bewertungseinheiten einbezogen.

 
Abgesicherte Grundgeschäfte JA KA Gesamt In % der Unt mit Bewertungs­einheiten (N=24)
Schulden 7 13 20 83
zu erwartende Transaktionen 6 5 11 46
VG 2 2 4 17
schwebende Geschäfte 1 1 2 8

Abb. 78: Häufigkeit der abgesicherten Grundgeschäfte

 

Rz. 428

Gegenüber der Analyse zur Häufigkeit der abgesicherten Arten von Grundgeschäften führt die Analyse zu den dazugehörigen betragsmäßigen Angaben zu dem Ergebnis, dass den 37 abgesicherten Grundgeschäften insgesamt 31 betragsmäßig korrespondierende...

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