Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 3.1.3.4.2 Bewertung von Verbindlichkeiten
 

Rz. 330

Die Bewertung von Verbindlichkeiten erfolgt mit dem BilMoG zum Erfüllungsbetrag, der i. d. R. dem Rückzahlungsbetrag entspricht. Eine Abzinsung von Verbindlichkeiten kommt weder für normal-verzinsliche Verbindlichkeiten noch für unverzinsliche oder niedrig verzinsliche Verbindlichkeiten in Betracht, weil mit einer Vorwegnahme künftiger Erträge ein Verstoß gegen das Realisationsprinzip vorliegt. Eine Abzinsung ist für Verbindlichkeiten nur dann geboten, wenn die zugrunde liegenden Verbindlichkeiten implizit einen Zinsanteil enthalten (§ 253 HGB Rz 32). In der Steuerbilanz sind gem. § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG unverzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr mit einem Zinssatz von 5,5 % abzuzinsen. Als Laufzeit für Sachleistungsverpflichtungen gilt nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e EStG der Zeitraum bis zum Beginn der Erfüllung, es sei denn, dass gesonderte Zeiträume vorgeschrieben werden (wie z. B. für die Verpflichtung zur Stilllegung von Kernkraftwerken mit 25 Jahren). Ausgenommen von dem Abzinsungsgebot sind Verbindlichkeiten, die aus einer Anzahlung oder Vorauszahlung resultieren. Da in der Handelsbilanz demgegenüber deutlich seltener eine Abzinsung geboten sein dürfte und zudem keine Angabepflichten bestehen, sind auch in den untersuchten JA keine Hinweise auf ein derartiges Vorgehen zu ersehen. Auch kommt es bei keinem Unt zu einer expliziten Angabe von BilMoG-Effekten bei den Verbindlichkeiten mit Ausnahme der Fremdwährungsverbindlichkeiten.

 

Rz. 331

Die Angaben zur Bewertung sind daher bei fast allen Unt lediglich mit dem Hinweis auf den Ansatz zum Erfüllungsbetrag und den Sonderfall der Währungsumrechnung versehen, wie exemplarisch nachfolgendes Beispiel verdeutlicht.

 

Praxis-Beispiel

Einzelangaben zur Bilanz[1]

Verbindlichkeiten bilanzieren wir zum Erfüllungsbetrag. Fremdwährungsverbindlichkeiten werden mit dem Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag bewertet. Bei einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr wird das Realisations- und Anschaffungskostenprinzip beachtet.

 

Rz. 332

Ist der Auszahlungsbetrag einer Verbindlichkeit kleiner als der Rückzahlungsbetrag, kann es sich bei dem Unterschiedsbetrag um ein Rückzahlungsagio oder ein (Auszahlungs-)Disagio handeln. Im ersten Fall lauten der Auszahlungskurs auf 100 %, der Rückzahlungskurs auf bspw. 102 %; beim Disagio beträgt der Auszahlungskurs hingegen z. B. nur 98 %, der Rückzahlungskurs 100 %. Entsprechend dem Grundsatz der periodengerechten Erfolgsermittlung ist eine Aktivierung des Unterschiedsbetrages als Rechnungsabgrenzungsposten sowie eine erfolgswirksame Auflösung über die Laufzeit sachgemäß. Allerdings besteht mit § 250 Abs. 3 HGB ein Aktivierungswahlrecht. Ist hingegen der Auszahlungsbetrag einer Verbindlichkeit größer als der Rückzahlungsbetrag, liegt ein (Auszahlungs‐)Agio vor. Bei dieser einmaligen Vorabzinserstattung handelt es sich um im Auszahlungszeitpunkt unrealisierte Gewinne, sodass keine sofortige erfolgswirksame Verrechnung vorgenommen werden darf. In Höhe des Agios ist ein passiver Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden, der über die Laufzeit des Darlehens aufzulösen ist.

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