Abschreibung nach Handels- ... / 2.2.2 Nutzungsdauer der Anlagegüter muss überprüft und eventuell angepasst werden

Der Sachanlagenbestand muss regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob die den Abschreibungen zugrunde liegenden Nutzungsdauern nach jetziger Erkenntnis noch angemessen sind. Das kann zu dem Ergebnis führen, dass die Gesamt- und damit auch die Restnutzungsdauer bestimmter Anlagegüter kürzer oder länger als ursprünglich angenommen ist.

Verminderung der Restnutzungsdauer

Wird erkennbar, dass die im Jahr des Anlagenzugangs geschätzte Nutzungsdauer voraussichtlich nicht erreicht wird, muss der bisherige Abschreibungsplan berichtigt werden. Die Berichtigung kann handelsrechtlich alternativ auf 2-fache Weise vorgenommen werden:

  • Es erfolgt zunächst eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe der bisher zu niedrig berechneten Abschreibungen. Der danach noch verbleibende Restbuchwert wird auf die sich ergebende Restnutzungsdauer verteilt.
  • Der im Zeitpunkt der Neuschätzung der Nutzungsdauer vorhandene Restbuchwert wird auf die neue Restnutzungsdauer verteilt.
 

Praxis-Beispiel

Die Nutzungsdauer verkürzt sich

Anschaffungskosten der Anlage 48.000 EUR; ursprünglich geschätzte Nutzungsdauer 12 Jahre; im Laufe des 5. Nutzungsjahres stellt sich heraus, dass die Restnutzungsdauer nur noch mit 4 Jahren (statt mit 8 Jahren) anzusetzen ist.

 
Anschaffungskosten 48.000 EUR
./. lineare Abschreibung für die ersten 4 Jahre (jeweils 4.000 EUR) 16.000 EUR
Restbuchwert am Ende des 4. Jahres 32.000 EUR

Alternative 1: Zunächst wird im 5. Jahr eine außerplanmäßige Abschreibung von 8.000 EUR vorgenommen. Der danach verbleibende Restbuchwert von 24.000 EUR wird mit jährlich 6.000 EUR abgeschrieben.

Alternative 2: Der Restbuchwert von 32.000 EUR wird mit jährlich 8.000 EUR abgeschrieben. Im Vergleich zur bisherigen Abschreibung ergeben sich bei den beiden Alternativen während der neuen Restnutzungsdauer folgende Mehrabschreibungen:

 
  5. Jahr 6. Jahr 7. Jahr 8. Jahr
  EUR EUR EUR EUR
Alternative 1 10.000 2.000 2.000 2.000
Alternative 2 4.000 4.000 4.000 4.000

Alternative 1 führt wegen der außerplanmäßigen Abschreibung gegenüber Alternative 2 zu einer größeren Aufwandsvorverlagerung in das Jahr der Neuschätzung der Nutzungsdauer. Alternative 2 hat gleichmäßige Mehraufwendungen während der Jahre 5 bis 8 zur Folge.

Steuerrechtlich ist das Wahlrecht, auf welche Weise die Anpassung der Restnutzungsdauer erfolgen kann, stark eingeschränkt.

  • War die Nutzungsdauer von vornherein falsch eingeschätzt und sind die Steuerfestsetzungen ab dem Jahr der Anschaffung oder Herstellung des Wirtschaftsguts noch änderbar, erfolgt rückwirkend eine Neuberechnung der Abschreibung.
  • Teilwertabschreibungen sind nur vorzunehmen, wenn nach Anschaffung oder Herstellung eine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung eingetreten ist. Ist die Wertminderung auf ein schädigendes Ereignis zurückzuführen, sind anstelle einer Teilwertabschreibung Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) vorzunehmen. Der verbleibende Restwert ist anschließend bei beweglichen Wirtschaftsgütern nach der bisherigen Abschreibungsmethode auf die Restnutzungsdauer zu verteilen.
  • Verkürzt sich nach Anschaffung oder Herstellung die Restnutzungsdauer ohne gleichzeitige Wertminderung oder sind die zurückliegenden Steuerbilanzen nicht mehr änderbar, ist bei beweglichen Wirtschaftsgütern der verbleibende Restwert ohne Wertanpassung auf die verbleibende Nutzungsdauer abzuschreiben.
  • Bei Gebäuden, die nach § 7 Abs. 4 Satz 1 EStG oder § 7 Abs. 5 EStG mit typisierten Prozentsätzen abgeschrieben werden, ist nach Teilwertabschreibung oder AfaA keine Verteilung auf die Restnutzungsdauer vorzunehmen. Stattdessen ist die Bemessungsgrundlage für die Abschreibungen zu kürzen.

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