22.04.2016 | Verbraucherschützer

Kampf gegen zweifelhafte Online-Preise

Online-Preise sollen transparenter werden.
Bild: elektraVision AG

Verbraucher in Deutschland sollen besser vor versteckten Preisaufschlägen im Online-Handel geschützt werden. Dieses Ziel gehörte zu den Schwerpunkten der Konferenz der Verbraucherschutzminister bei ihrer dreitägigen Beratungen in Düsseldorf.

am Mittwoch zu Beginn der dreitägigen Beratungen in Düsseldorf. Es sei technisch und aufgrund massiver Datensammlungen im Internet längst möglich, Preise individuell zuzuschneiden, ohne dass der Kunde dies merkt, sagte NRW-Ressortchef Johannes Remmel (Grüne). Dieser "sehr bedenklichen Entwicklung" müsse man entgegenwirken. In der Tourismusbranche finde eine solche umstrittene individualisierte Preispolitik bereits statt. Remmel sprach von einer "Blackbox für Verbraucher", die bei solchen intransparenten Verfahren nicht auf Augenhöhe mit den Anbietern seien.

Unternehmen sollen künftig Referenzpreis festlegen

Einer vom Ministerium beauftragten repräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen zufolge haben 32 Prozent der Verbraucher bereits erlebt, dass ihnen im Internet ein Produkt zu einem anderen Preis angezeigt wurde als Freunden oder Bekannten. Fast 90 Prozent lehnten solche undurchsichtigen Preisgestaltungen auf Basis gesammelter Daten wie Zahlungsbereitschaft, Wohnort oder Kaufinteressen ab und nannten sie unfair. In einem NRW-Antrag für die Konferenz fordert Remmel, dass Unternehmen künftig im Online-Handel den Kunden einen Referenzpreis für ein Produkt anbieten müssen. "Soweit Anbieter von diesem Referenzpreis abweichen wollen, müssen sie verpflichtet werden, (...) Verbraucher über die Bedingungen für eine Abweichung (...) in einer nachvollziehbaren und transparenten Weise zu informieren".

Rechtliche Position von Kunden stärken

Ein weiteres Thema der Konferenz zielt auf eine Stärkung der rechtlichen Position von Kunden bei Klagen gegen große Konzerne. "Der VW-Abgasskandal hat uns allen vor Augen geführt, dass die Klagemöglichkeiten für (...) Verbraucher mit großen Hindernissen verbunden sind", sagte Remmel laut Mitteilung. In einem solchen Fall könne es juristisch kaum ein geschädigter Kunde mit einem so großen Konzern aufnehmen. Der Bund solle das Instrument einer Verbraucherschutzklage einführen. Künftig könnten dann Verbraucherverbände stellvertretend für viele geprellte Kunden über ein Musterklageverfahren Schadenersatzansprüche feststellen lassen.

Mehr Transparenz und Datenschutz bei Apps

Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) will zudem mehr Transparenz und Datenschutz bei Apps für Smartphones und Tablets erreichen. "Oft ist nicht klar, wohin wann welche Daten fließen, wer wie an der App verdient und welches Produkt man zu welchen Konditionen eigentlich erhält. Die Nutzer sollten wissen, woran sie sind", sagte der zuständige Staatssekretär im Ministerium, Gerd Billen, der dpa in Berlin. "Apps müssen sicherer und fairer werden." Daher werde Maas die Thematik ansprechen.

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Schlagworte zum Thema:  Online-Käufer, Preisgestaltung, Preisvergleich, Online-Shop

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