| Studie

Ladendiebe kosten den Handel 3,9 Milliarden Euro

Weniger als zwei Prozent der Ladendiebstähle in Deutschland werden erkannt und angezeigt.
Bild: Digital Vision

Langfinger und unehrliche Mitarbeiter richten im Einzelhandel jedes Jahr einen Milliardenschaden an, hat eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI ergeben.

Beliebte Klauartikel sind erfahrungsgemäß kleine, teure Waren wie Parfums, Rasierklingen, Brillen oder Smartphones. Der Handelsverband Deutschland HDE forderte eine härtere Bestrafung der Diebe. Bisher stellten die Staatsanwaltschaften ihre Ermittlungen bei Ladendiebstählen zu häufig wegen Geringfügigkeit ein. Viele Händler sähen deshalb schon keinen Sinn mehr in einer Anzeige von Ladendieben. Das müsse sich ändern, erklärte der HDE. Der Verband fordert eine gesetzlich festgeschriebene Bagatellgrenze von 25 Euro. Damit solle erreicht werden, dass gravierendere Diebstähle auch wirklich verfolgt würden.

1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal investiert

Insgesamt summierten sich die Warenverluste inklusive Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr auf 3,9 Milliarden Euro - davon 2,1 Milliarden durch Ladendiebe und 1,2 Milliarden durch Mitarbeiter und Lieferanten, hieß es in der Studie. Das ist etwas mehr als im Vorjahr (3,8 Milliarden Euro). Die restlichen 600 Millionen Euro Inventurschwund entstehen durch organisatorische Mängel wie Fehlbuchungen, verlegte Ware oder Fehletikettierungen. Der enorme Schwund habe die Unternehmen gezwungen, 2013 rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zur Diebstahlvermeidung zu stecken. Insgesamt entgingen damit dem Handel über fünf Milliarden Euro. Zahlen müssen dafür am Ende die Verbraucher - "die Summe wird in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahlt mit", heißt es in einer EHI-Mitteilung.

Professionelle Ladendiebe bereiten Sorgen

Die Branche will als Gegenmittel die Videoüberwachung ausbauen und Mitarbeiter verstärkt schulen. Schon jetzt setzen drei Viertel der Unternehmen Überwachungskameras ein, die meist zur Abschreckung deutlich sichtbar sind. Fast ein Drittel der Unternehmen wollten die Videoüberwachung noch ausbauen, hieß es in der Studie. Daneben steigt der Einsatz elektronischer Artikelsicherungen ständig - sie werden nach der Studie 2014 in mehr als der Hälfte der Geschäfte eingesetzt. Viele Häuser vertrauen auch auf den klassischen Kaufhausdetektiv oder Türwächter. Laut der Studie macht vor allem professionell organisierter Ladendiebstahl den Händlern Sorgen. Beim schweren Diebstahl seien in mehr als der Hälfte aller Fälle die Täter in Gruppen aktiv, der Anteil der Mehrfachtäter betrage 73 Prozent.

Weniger als zwei Prozent der Taten werden erkannt

Die polizeiliche Kriminalstatistik, die 2013 rund 356.000 Fälle von Diebstahl verzeichnete, bilde nur die Spitze des Eisberges ab, klagt das Brancheninstitut. Wenn man den Diebstahlschaden pro Tat von im Schnitt rund 80 Euro in Bezug setze zum Inventurverlust von 2,1 Milliarden Euro, so ergäben sich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle, die unentdeckt geblieben seien. "Weit weniger als zwei Prozent aller Taten werden erkannt und angezeigt", sagte der Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen bei dem Forschungsinstituts, Frank Horst. Neben den Verbrauchern wird auch der Staat geschädigt. Ihm seien 2013 rund 450 Millionen Euro an Mehrwertsteuer entgangen. Für die Studie wurden 104 Unternehmen mit fast 18.000 Standorten befragt - vom Möbelhaus über den Baumarkt bis zum großen Warenhaus.

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Schlagworte zum Thema:  Handel, Diebstahl

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