17.07.2015 | Payment

Bezahlen mit dem Smartphone vor dem Durchbruch

Das Bezahlen mit dem Smartphone wird kommen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Seit Jahren setzen die Mobilfunker große Hoffnungen in das mobile Bezahlen mit dem Handy. Kaum steht der Durchbruch vor der Tür, könnten den Netzbetreibern aber Gerätehersteller und Kreditkartenfirmen das Geschäft vor der Nase wegschnappen.

Als vor einigen Jahren das Rennen bei mobilen Bezahldiensten losging, sahen sich Mobilfunk-Anbieter in einer starken Startposition. Schließlich kontrollieren sie die SIM-Karten als potenziellen Datenspeicher und haben ein eingespieltes System mit monatlichen Abrechnungen. Das Bezahlen per Smartphone steht zwar kurz davor, den entscheidenden Schritt zu machen. Dennoch droht den Mobilfunkern von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland ein Rückstand in dem Geschäft. Denn Gerätehersteller und Kreditkartenfirmen scheinen die Initiative zu haben. Der Kuchen, um den es geht, ist riesig: Nach den letzten verfügbaren Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden 2013 im deutschen Handel 1,85 Billionen Euro umgesetzt. Der Anteil des mobilen Bezahlens daran fällt kaum ins Gewicht. Zu unübersichtlich und uneinheitlich sind für Verbraucher bislang die Möglichkeiten, mit dem Smartphone zu bezahlen. Außerdem ist da noch die Lust der Deutschen am Bargeld - mehr als andere setzen die Verbraucher hierzulande auf Münzen und Scheine.

Projekt der Mobilfunker kommt kaum vom Fleck

Das 2012 ins Leben gerufene große gemeinsame Projekt der Mobilfunker, der mobile Bezahldienst mPass, kommt kaum vom Fleck. Damals tönte ein Manager von Telefónica Deutschland (O2), bald schon könnten die Verbraucher ihre Bezahlkarte zu Hause lassen. Noch heute müssen sie sich aber umständlich einen Sticker aufs Handy kleben, selbst wenn es die benutzte Nahfunktechnik NFC bereits beherrscht. Das Telekom-eigene MyWallet soll künftig in der App-Version monatlich Gebühren kosten. Den Kauf des dahinterstehenden Dienstes Clickandbuy bezeichnete Telekom-Chef Tim Höttges in der "Wirtschaftwoche" jüngst selbst als Fehler. Insgesamt scheint das Bezahlen per Smartphone nach dem angelaufenen Austausch der Kassenterminals mit NFC-fähigen Geräten vor dem Durchbruch zu stehen. "Wir erwarten, dass bis 2020 rund 60 Prozent aller Visa-Transaktionen in Europa über mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones erfolgen werden", sagte Volker Koppe, zuständiger Manager des Kreditkartenanbieters Visa Europe, jüngst der "Börsen-Zeitung". Mehr als jeder Dritte könne sich vorstellen, auf Bargeld im Alltag nahezu ganz zu verzichten, ermittelte der IT-Branchenverband Bitkom in einer Umfrage.

Nahfunktechnik wird sich durchsetzen

Grund für die Zuversicht: Mit Apple und Samsung stoßen die beiden Platzhirsche bei Mobilgeräten mit ihren jeweils "Pay" getauften Zahlungssystemen die Tür in die bargeldlose Zukunft weit auf. Und Google will mit Android Pay eine Plattform für alle Hersteller von Smartphones mit seinem Betriebssystem anbieten. Wann die Angebote nach Deutschland kommen, ist noch nicht bekannt. Alle diese Systeme setzen vor allem auf die Nahfunktechnik NFC, mit der auch kontaktlose Bezahlkarten funktionieren. Der Kunde hält das Handy ans Terminal und zahlt durch das Berühren des Bildschirms oder auch seinen Fingerabdruck. Seit in die meisten Handys NFC-Chips eingebaut werden, scheint das schnelle Bezahlen an der Kasse in Reichweite. Visa Europe und andere setzen darauf, dass die Chips mit den kleinen Funkreichweiten zum Standard werden. Die Verfahren umgehen aber den von Mobilfunkern beschworenen Einsatz des Sicherheitsbereichs der SIM-Karte. Ein Schlüssel zum Erfolg bleibt der Handel. Und der reibt sich die Hände, weil mit den Telekomkonzernen ein Zwischenglied in der Zahlungskette wegfallen könnte. Viel bringt das den Mobilfunkern bislang ohnehin nicht ein. Telefónica bezeichnet das mobile Bezahlen zwar nach wie vor als "interessanten Wachstumsmarkt". Etwas versteckter findet sich im Geschäftsbericht, wie viel der Milliarden-Konzern 2014 damit umsetzte: Gerade einmal 8 Millionen Euro - zusammen mit anderen Randangeboten.

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