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Lebensmittel kaufen die Deutschen nicht gern im Netz

Lebensmittel kaufen die Kunden vorwiegend im stationären Handel.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Frankreich und England werden Nahrungsmittel schon viel häufiger online eingekauft. Doch die Bundesbürger wollen vor dem Bezahlen lieber sehen, riechen und fühlen, was sie in den Einkaufskorb packen.

Bücher, Elektroartikel und Bekleidung kaufen die Deutschen gerne im Internet. Doch bei der mit Abstand umsatzstärksten Handelssparte, den Lebensmitteln, haben viele Bundesbürger noch Bedenken gegen den Online-Einkauf. Sie wollen vor dem Bezahlen sehen, riechen und fühlen, was sie in den Einkaufskorb packen. Die Folge: Der Online-Handel mit Fleisch, Gemüse und Tiefkühlprodukten steckt in der Bundesrepublik noch immer in den Kinderschuhen. In Deutschland werden nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI derzeit gerade einmal ein Prozent der Lebensmittel im Internet bestellt. In anderen Ländern spielt der Online-Handel mit Lebensmitteln längst eine viel größere Rolle. So werden nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey in Frankreich schon vier und in Großbritannien fünf Prozent aller Lebensmitteleinkäufe via Internet erledigt.

Shopwings musste den Betrieb einstellen

Wie schwierig das Geschäft in Deutschland ist, musste jetzt auch der Einkaufs- und Lieferdienst Shopwings erfahren, der Lebensmittel auf Bestellung bei Supermärkten und Discountern einkaufte und schon zwei Stunden später nach Hause lieferte. Vor wenigen Tagen stellte das erst im vergangenen Herbst von der Start-up-Schmiede Rocket Internet gegründete Unternehmen den Betrieb in Deutschland ein. Ein Schritt, der durchaus Beachtung verdient - denn hinter dem Startup standen Namen mit viel Gewicht wie Tengelmann und Holtzbrinck. Doch die Hürden für einen Erfolg in Deutschland - von den Tücken der Lebensmittelinformationsverordnung bis zur eher schwierigen Zusammenarbeit mit den etablierten Handelsketten - schienen den Machern angesichts der begrenzten Kauflust wohl am Ende zu hoch. Jetzt will das Unternehmen sich lieber auf erfolgversprechendere Märkte in Australien und Südostasien konzentrieren, wie ein Sprecher sagt. In Deutschland habe vor allem der hohe Marktanteil der Discounter die Online-Entwicklung lange Zeit gebremst, meint McKinsey. Andere Branchenkenner verweisen auf das ungewöhnliche dichte Ladennetz in der Bundesrepublik, wodurch der spontanen Einkauf einfacher sei als etwa in vielen Regionen Frankreichs.

Deutsche Post macht etablierte Händlern Konkurrenz

Doch sehen die Marktbeobachter von McKinsey inzwischen eine Wende. Vor allem die Angst davor, dass der US-Internetriese Amazon schon bald mit seinem  Lieferdienst Amazon Fresh auch in Deutschland an den Start gehen und den Markt umkrempeln könnte, sorge inzwischen dafür, dass immer mehr Händler ihr Online-Geschäft kräftig ausbauen. So bietet Rewe inzwischen in rund 70 Städten einen Lieferdienst an. Für die Handelsexperten von McKinsey ist dies die einzig richtige Entscheidung. "Das Wagnis eines Einstiegs in den Online-Handel mit Lebensmitteln ist zwar teuer, aber nichts zu tun (oder nur ein bisschen) wird noch teurer", warnen sie die etablierten Händler. Schließlich versuchen längst auch branchenfremde Mitspieler, sich ihren Teil vom Kuchen zu sichern. Ganz vor dabei ist die Deutsche Post, die mit ihrem Online-Shop "Allyouneedfresh" den etablierten Lebensmittelhändlern im Netz Konkurrenz macht und dabei von ihrer Logistikerfahrung profitiert. Welche Chancen die Post auf diesem Spielfeld sieht, machte Konzern-Chef Frank Appel kürzlich noch einmal in einem Interview klar: "Der Umsatz diese Sparte ist noch klein. Aber Amazon war in den ersten fünf Jahren auch so klein. Wenn der Online-Handel hier von null auf fünf Prozent wächst, entsteht schon ein riesiger Markt."

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Schlagworte zum Thema:  Online-Shopping, Stationärer Handel

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