21.02.2014 | Onlinehandel

"Kreischalarm" und ein Geheimnis namens "Collins"

Die Otto-Gruppe will mit "Collins" ein neues Shopping-Erlebnis kreiren.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Online-Handel ist eine rasant wachsende Branche. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz nach Zahlen des Versandhandel- Branchenverbands um satte 41,7 Prozent. Und der Konkurrenzkampf ist hart. Mit dem Projekt "Collins" will die Otto-Gruppe dem "Kreischalarm"-Zalando Marktanteile abjagen.

Den hysterischen "Schrei vor Glück" nimmt Zalando in der Werbung inzwischen selbst auf die Schippe. Da kreischte zuletzt der Barkeeper oder die Mädels-Gang ins Messgerät der Mode-Polizei. Doch für den Online-Modehändler sind die einprägsamen Spots mit Schreialarm ein geniales Erfolgsrezept. Zwar ist das Berliner Unternehmen nach fünf Jahren noch nicht aus den roten Zahlen raus, doch Umsatz- und Kundenentwicklung zeigen steil nach oben. So sehr, dass sich die etablierte Konkurrenz mehr und mehr unter Zugzwang sieht.

Die Hälfte geht einmal probiert wieder zurück

Der Online-Handel ist insgesamt eine rasant wachsende Branche. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz nach Zahlen des Versandhandel- Branchenverbands um satte 41,7 Prozent. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet damit, dass der Verkauf über das Internet in diesem Jahr neun Prozent vom Gesamtumsatz im Einzelhandel ausmachen wird. In zehn Jahren dürften es geschätzte 25 Prozent seien. Doch so sehr wie Zalando wachsen wenige. Das junge Unternehmen mit dem hippen Ruf legte im vergangenen Jahr beim Umsatz um mehr als 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. 13 Millionen Kunden bestellen mehr oder weniger regelmäßig - und schicken in etwa die Hälfte einmal anprobiert wieder zurück. Schuhe, einst der Renner, gibt es zwar noch. Mehr Geschäft machen die Berliner neuerdings aber mit Jeans, Tops oder Röcken.

Otto schlägt mit "Collins" zurück

Dieser rasante Aufstieg gibt dem Branchenriesen zu denken. Denn Otto, Deutschlands größter Onlinehändler für Mode, verliert Marktanteile. Die analogen Katalog-Zeiten sind zwar auch hier lange vorbei und damalige Konkurrenten wie Quelle aus dem Feld geschlagen. Weltweit fuhr die Otto-Gruppe im Geschäftsjahr 2012/13 einen Online-Umsatz von 5,3 Milliarden Euro ein. Doch trotzdem sieht sie Nachholbedarf in Sachen Online-"Kreischalarm". Was die Hamburger genau vorhaben, ist ein streng gehütetes Geheimnis namens "Collins". So viel verraten die Macher seit wenigen Tagen in einem Blog: Im Frühjahr wollen sie mit mehreren Shops starten, die Mode und Wohnaccessoires an junge Leute verkaufen. "Junge Leute wie wir", sagt der langhaarige Geschäftsführer Tarek Müller. Die Menschen werden künftig anders einkaufen, versprechen sie - ohne zu sagen, wie. Nur so viel verrät Einkäuferin Karen Haust: "Es gibt nicht mehr den einen Look" und Mode-Blogs sollen Inspiration sein.

Dreistelligen Millionenbetrag investiert

Entwickelt wurde "Collins" von Benjamin Otto, dem Enkel des Otto-Gründers. Die Erwartungen in der Branche sind hoch, wird doch ein dreistelliger Millionenbetrag investiert. Mit Sätzen wie "Wir sind ein Modeunternehmen, aber auf jeden Fall auch ein Technologieunternehmen" erinnert die Truppe schon jetzt stark an die Zalando-Gründer Oliver, Marc und Alexander Samwer. Deren ehemalige Chefdesignerin Clarissa Labin haben sie auch schon ins Boot geholt. Doch eins soll anders laufen beim Otto-Youngster: "Am Ende des Tages muss im Wirtschaftsleben ein Unternehmen Gewinn machen", sagt der stellvertretende Otto-Vorstandschef Rainer Hillebrand. Er spielt darauf an, dass Zalando auch nach fünf Jahren noch kein Geld verdient. Stattdessen schlagen bei den Berlinern Anlaufkosten von etlichen 100 Millionen Euro zu Buche.

Zalando hält sich den Börsengang offen

Genau deshalb, so wird spekuliert, müsste Zalando bald den nächsten Schritt gehen: Den an die Börse. So könnten Investoren ihr eingesetztes Kapital verzinsen. In Finanzkreisen heißt es, Zalando suche bereits Banken, die das Unternehmen noch in diesem Jahr an den Kapitalmarkt begleiten. Möglicherweise gehe es schon im Sommer los. Geschäftsführer Rubin Ritter hält sich bedeckt: Der Börsengang sei eine "interessante Option für die Zukunft", sagt er. Mit der Umwandlung zur Aktiengesellschaft hat Zalando im Dezember immerhin die theoretischen Voraussetzungen dafür geschaffen. Und auch die roten Zahlen dürften nicht stören. Denn schließlich startete auch der Kurznachrichtendienst Twitter vor wenigen Monaten fulminant an der Börse durch, Verluste hin oder her.

>> Lesen Sie auch: Online-Shops bedrohen deutsche Innenstädte

Schlagworte zum Thema:  Online-Shop, Einzelhandel, Versandhandel

Aktuell

Meistgelesen