27.02.2014 | GfK-Konsumklimaindex

Bei den Deutschen sitzt der Geldbeutel locker

Die Deutschen geben deutlich mehr für Reisen aus.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Bei den Deutschen sitzt der Geldbeutel so locker wie lange nicht mehr: Der Konsumklimaindex des Marktforschungsinstituts GfK steig auf ein Sieben-Jahres-Hoch. Dennoch profitiert der Einzelhandel vergleichsweise wenig vom guten Konsumklima in Deutschland.

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist so gut wie seit sieben Jahren nicht. Zwar schätzten die Bürger die Entwicklung der Konjunktur minimal schlechter ein als im Vormonat und zeigten sich auch nicht mehr ganz so offen für größere Anschaffungen. Doch die Erwartungen an die Entwicklung des eigenen Einkommens legten zu, wie das Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg mitteilte. Zudem blieb die Sparneigung auf ihrem extrem niedrigen Niveau. Der zusammenfassende Konsumklimaindex für März stieg deshalb auf 8,5 Punkte, nach revidiert 8,3 Zählern im Februar.

Tendenz zu größeren Anschaffungen

Mit Blick auf die Entwicklung der Konjunktur gehen die Konsumenten der GfK zufolge davon aus, "dass die deutsche Wirtschaft ihre Schwächephase aus dem Vorjahr überwunden hat und in einen soliden Aufschwung einschwenkt". Die Anschaffungsneigung blieb trotz eines Mini-Rückgangs auf extrem hohen Niveau. Das Geld sitze weiter locker, erläuterte die GfK. "Niedrige Zinsen, eine stabile Beschäftigungslage sowie steigende Einkommen sorgen derzeit dafür, dass die Konsumenten eher zu größeren Anschaffungen tendieren als das Geld gegen historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu tragen."

Tarifabschluss als positives Signal

Zudem erwarteten die Menschen, künftig deutlich mehr Geld im Portemonnaie zu haben. Einer der Gründe ist die niedrige Inflation. "Die Preiserwartungen sind noch einmal heruntergegangen", schilderte GfK-Experte Rolf Bürkl der Nachrichtenagentur dpa. Zudem gab es mit dem Tarifabschluss in der chemischen Industrie ein positives Signal - die Beschäftigten der Branche erhalten künftig 3,7 Prozent mehr Geld. Insgesamt stiegen die Einkommenserwartungen der Verbraucher auf den höchsten Wert seit mehr als 13 Jahren.

Konsumstimmung geht teilweise am Handel vorbei

Der Einzelhandel profitiert vergleichsweise wenig vom guten Konsumklima in Deutschland. Der Grund: Die Deutschen geben ihr Geld vermehrt für Dienstleistungen und Erlebnisse aus, wie Rolf Bürkl vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa erläuterte. Dies habe man etwa im Weihnachtsgeschäft gesehen, als der monatlich von der GfK ermittelte Konsumklimaindex auf dem höchsten Wert seit gut sechs Jahren war - der Handel aber über schlechte Geschäfte klagte. "Tatsächlich ging diese gute Konsumstimmung teilweise am Einzelhandel vorbei", bestätigte Bürkl. Doch dieser mache nur ein knappes Drittel des gesamten Konsums in Deutschland aus - zugelegt hätten andere Bereiche wie der Immobiliensektor oder die Reisebranche.

Immobilien als neue Sparform

Viele Bürger betrachteten Immobilien derzeit als alternative Form des Sparens, schilderte Bürkl. Wer nicht gleich ein Haus oder eine Wohnung erwerbe, stecke sein Geld häufig in Renovierungen und möbele sein Bad oder die Fassade auf. "Dabei gehen die Leute weniger selbst in den Baumarkt, sondern engagieren Profis." Die Folge: Das Geld fließt in den Dienstleistungssektor statt in den Handel. Der Dienstleistungssektor profitiert auch davon, dass die Deutschen deutlich mehr Geld für Reisen ausgeben. Nach jüngsten GfK-Zahlen verzeichnen die Reisebüros für die anstehende Sommersaison aktuell ein Umsatzplus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark wächst das Luxussegment: Bei Reisen für mehr als 3.000 Euro pro Person beträgt das Wachstum 16 Prozent.

Fehlende Umsatztreiber

Ein weiterer Grund, warum es für den Einzelhandel trotz positiver Verbraucherstimmung zuletzt nicht ganz so gut lief, ist die Witterung: Die Temperaturen verführten bislang nicht gerade zum Kauf dicker Stiefel und warmer Jacken. "Der Handel musste relativ früh mit großen Rabatten arbeiten, um die Winterware loszuwerden", schilderte Bürkl. Hinzu komme, dass es derzeit mit Ausnahme der Tablet-PCs bei Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten keine großen Umsatztreiber gebe.

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Schlagworte zum Thema:  Konsumklima, GfK-Studie

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