02.12.2011 | Marketing & Vertrieb

Geschenkekauf per Handy beflügelt Onlinehandel

Unterwegs in der S-Bahn im Facebookshop noch schnell die Spielzeugeisenbahn für die Kinder kaufen. In diesem Jahr werden die Geschenke zu Weihnachten nicht nur im Laden gekauft oder am Computer zu Hause geordert. Immer mehr Menschen gehen auch mit Hilfe ihres internetfähigen Mobiltelefons auf Shoppingtour.

Sechs Millionen Handy-Käufer

Den Einzelhandel freut es, wenn er über einen zusätzlichen Verkaufskanal noch mehr umsetzt - wenn auch auf zunächst niedrigem Niveau. Der Bundesverband des Versandhandel geht mittlerweile von rund sechs Millionen Smartphone-Nutzern aus, die mit ihrem Handy einkaufen.

 

Preisvergleich am Smartphone

Viele Unternehmen haben sich schon auf den neuen Vertriebsweg eingestellt: Entweder entwickeln sie spezielle Apps oder machen ihren Internetauftritt fit für den mobilen Einkauf. Für den Kunden habe das viele Vorteile. So könne er noch flexibler shoppen. "Und wenn er im Laden steht, ist ganz schnell per Handy ein Preisvergleich möglich", sagt Branchensprecherin Christin Schmidt. Auch die Sicherheit sei kein Thema. Da gelten die gleichen Standards wie beim klassischen Onlinehandel. Beim Handyshopping könne man entweder über die normale Telefonrechnung oder die verschiedenen Bezahldienste zahlen.

 

Wachstumsmotor des Online-Handels

Rund 1,4 Millionen Besitzer intelligenter Handys haben im vergangenen Jahr Bücher, Kleidung oder Eintrittskarten von unterwegs aus online bestellt, ermittelte das Marktforschungsinstitut GfK. Ein Jahr zuvor waren es noch nur eine halbe Million gewesen. "Das Handy wird auch beim Einkaufen unseren Alltag verändern und könnte zum Wachstumsmotor des Onlinehandels werden", beobachtet GfK-Experte Thomas Pauschert.

 

Nachholbedarf bei älteren Menschen

Voraussetzung dafür sei aber, dass die Kosten für den Internetzugang nicht steigen. Im klassischen E-Commerce sei das Wachstumspotenzial bei den jüngeren Verbrauchern schon fast ausgeschöpft. Nachholbedarf hätten noch ältere Menschen, die bislang noch nicht so viel im Internet einkaufen gehen.

 

In zwei Jahren 18 Millionen Smartphone-Besitzer

"Der mobile Kanal etabliert sich langsam aber sicher bei den Kunden", heißt es beim Hamburger Versandhändler Otto. Viele nutzten ihn noch überwiegend für Information und Kommunikation. "Die noch überschaubaren Umsatzzahlen wachsen aber stetig", betont Sprecherin Ulrike Abratis. Die zum Metrokonzern gehörende SB-Warenhausgruppe real geht von rund 18 Millionen Smartphone-Besitzern in den kommenden zwei Jahren aus. Im Zukunftsladen in Tönisvorst können real-Kunden schon seit 2008 mit dem Mobiltelefon einkaufen.

 

Kaufhof will nachziehen

Der Frankfurter Onlinehändler Neckermann.de bietet mittlerweile sein gesamtes Sortiment von 700 000 Artikeln mobil für den Einkauf von unterwegs an. Der Outdoor-Händler Globetrotter berichtet, dass seine Kunden die "neue Technik gerne in Anspruch" nehmen. Die noch zur Metro zählenden Kaufhof-Warenhäuser, die erst im Oktober ihren Online-Auftritt aufpolierten, beobachten das Geschehen hingegen vorerst nur: "Wir machen uns natürlich auch zu Mobile Commerce Gedanken und werden im Laufe des nächsten Jahres mit der Umsetzung starten", betont Geschäftsführer Thomas Storck.

 

35 Millionen Deutsche wollen online einkaufen

Rund 4,2 Milliarden Euro könnten die Onlinehändler in diesem Jahr im Weihnachtsgeschäft umsetzen. Im Vorjahr waren es noch 3,6 Milliarden Euro. Nach aktuellen Berechnungen des Versandhandelsverbandes planen gut 35 Millionen Deutsche ihre Geschenke via Internet einzukaufen. Im Schnitt werde zu Weihnachten online mindestens 288 Euro ausgegeben. Am liebsten werden per Computer Textilien, Schuhe, Unterhaltungselektronik und Spielwaren geordert.

 

Die Post verdient mit

Über den Online-Boom freuen sich auch die Paketversender. Übers Jahr gesehen werden im Bundesschnitt täglich rund 2,7 Millionen Päckchen und Pakete verschickt. Zu Weihnachten verdoppelt sich das Aufkommen, heißt es bei der Deutschen Post DHL. "Das startet erst mit dem Versand der vielen Kataloge und geht dann weiter mit den bestellten Geschenken", betont ein Sprecher. In diesem Jahr werde mit einem weiteren Wachstum gerechnet.

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