04.02.2013 | Fehlende Impulse

Einzelhandel startet mit wenig Schwung ins neue Jahr

Der private Konsum steigt nur moderat.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Dem Einzelhandel fehlen derzeit die Impulse. Zwar steigen die Einkommen der Konsumenten noch immer. Aber davon profitieren oft andere. Trotz allem könnte es ein Frühlingserwachen geben.

Der deutsche Einzelhandel ist mit wenig Schwung ins neue Jahr gestartet. Schon das Weihnachtsgeschäft war enttäuschend verlaufen. Für 2013 erwartet die drittgrößte Branche der Republik ein Umsatzplus von einem Prozent. Preisbereinigt würde das sogar einen kleinen Rückgang bedeuten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Berlin. Im Frühjahr erwarten Ökonomen die Wiederbelebung der Konjunktur. Das könnte auch dem Handel helfen.

Handel legte das dritte Jahr in Folge zu 

Der Einzelhandel im engeren Sinne erzielte nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2012 ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. Das entsprach genau der Prognose vom Jahresanfang. Nimmt man auch Tankstellen, Apotheken und den Brennstoffhandel hinzu, ergab sich ein Zuwachs um 1,9 Prozent, teilten die Statistiker in Wiesbaden mit. Demnach konnte der Einzelhandel 2012 zwar das dritte Jahr in Folge zulegen. Die Dynamik aus den Vorjahren mit Umsatzzuwächsen von 2,7 Prozent (2011) und 2,6 Prozent ging aber verloren. Preisbereinigt (real) sanken die Umsätze 2012 sogar erstmals seit 2009 wieder leicht - um 0,3 Prozent. Das Umsatzvolumen lag laut HDE bei 428 Milliarden Euro. Das seien 16,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Privater Konsum wächst moderat 

Das Weihnachtsgeschäft erfüllte nicht die Erwartungen der Unternehmen. Es sei "spät gestartet und nicht in Schwung gekommen", sagte Genth. Die Umsätze im November und Dezember - bei zwei Verkaufstagen weniger als 2011 - lagen bei 78,8 Milliarden Euro, das waren 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Auftakt im neuen Jahr sei "recht verhalten" verlaufen. Die Unternehmen rechneten danach jedoch mit einer Besserung. Angesichts sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Einkommen werde der private Konsum 2013 wie schon im vorigen Jahr moderat wachsen, sagte Genth. Der Einzelhandel koppele sich aber davon seit einigen Jahren etwas ab. Gesundheit, Altersvorsorge, Wohnen und Telekommunikation spiele bei den Menschen eine größere Rolle. Die Nachfrage nach Konsumgütern verliere relativ an Bedeutung. Der Anteil des Einzelhandels am privaten Konsum liege bei 28 Prozent.

Internethandel boomt 

Kräftig aufwärts geht es weiterhin mit dem Handel übers Internet. Dessen Umsatz lag 2012 bei 29,5 Milliarden Euro, das entsprach einem Anteil von 6,9 Prozent. Für dieses Jahr rechnet der HDE mit einem Wachstum von 12 Prozent auf 33,1 Milliarden Euro. Besonders schlecht liefen die Geschäfte hingegen in Kaufhäusern mit 0,5 Prozent Umsatzminus. Als besondere Belastung sieht der HDE die stark gestiegenen Energiekosten. Dies habe den privaten Haushalten in erheblichem Maß Kaufkraft entzogen. Die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) treffe aber auch die Unternehmen hart. So erhöhten sich in diesem Jahr die EEG-Kosten für einen durchschnittlichen Supermarkt von 17 000 auf 28 000 Euro. Genth begrüßte deshalb den Vorschlag von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), die EEG-Umlage einzufrieren.

Fast ein Drittel geringfügig Beschäftigte

Im Einzelhandel arbeiten derzeit knapp drei Millionen Menschen. Mehr als 900.000 davon sind laut HDE geringfügig Beschäftigte. Die Zahl der Minijobber sei aber 2012 um 19.000 gesunken. Zugleich hätten die Firmen 35.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen.

 

Schlagworte zum Thema:  Einzelhandel, Konsum, Konjunktur, E-Commerce, Internethandel

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