15.04.2016 | Einzelhandel

Handel 2016: Innenstadtlagen stehen unter Druck

Modehändler sind durch das Online-Geschäft schwer unter Druck geraten.
Bild: PhotoDisc Inc.

Die Stimmung im deutschen Einzelhandel ist überwiegend gut. Denn die Konsumlaune der Bundesbürger lässt die Kassen klingeln wie lange nicht. Doch ausgerechnet in den Innenstädten machen sich die Kunden immer öfter rar.

Alarmstimmung in Deutschlands Einkaufsstraßen: Fast drei Viertel der Händler in den Fußgängerzonen und Einkaufspassagen klagen über rückläufige Besucherzahlen. Sogar beste Lagen wie der Kurfürstendamm in Berlin seien vom Kundenschwund betroffen, berichtet der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) Stefan Genth in Düsseldorf. Schuld daran ist nach Einschätzung vieler Händler nicht nur der  Boom des Online-Handels, sondern auch der schleichende Attraktivitätsverlust vieler Innenstädte. Hohe Parkplatzgebühren, ein in die Jahre gekommenes Straßenbild und zu wenig Erlebnisangebote seien Mitschuld an der Entwicklung.

Gute Stimmung. Eigentlich.

Dabei geht es dem deutschen Einzelhandel zurzeit eigentlich so gut wie lange nicht mehr. Rund 44 Prozent der Einzelhändler rechnen nach einer aktuellen HDE-Umfrage in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen. Nur 24 Prozent erwarten, dass die Geschäfte schlechter laufen als 2015. Die Stimmung im Handel ist damit so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Eigentlich. Doch verbergen sich hinter diesen Zahlen sehr unterschiedliche Entwicklungen. Es gibt Gewinner und Verlierer. Üppige Wachsumsraten gibt es vor allem im Online-Geschäft, wo die Umsätze in diesem Jahr um rund 11 Prozent zulegen sollen. Dabei sind es nicht nur Amazon und Zalando, die wachsen. Auch immer mehr stationäre Händler haben sich inzwischen ein erfolgreiches Online-Standbein zugelegt. Der herkömmliche Handel - egal ob in den Innenstädten oder auf der grünen Wiese - muss sich dagegen voraussichtlich mit einem Umsatzplus von einem Prozent zufrieden sein. Hier laufen vor allem die Geschäfte des Lebensmittelhandels gut, wo die Internet-Konkurrenz bislang noch keine große Rolle spielt.

Modehändler unter Druck geraten

Besonders häufig klingeln dabei nach Marktuntersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Kassen bei den Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. Sie profitieren davon, dass die Bundesbürger angesichts steigender Löhne immer öfter bereit sind, sich etwas zu gönnen und zu teureren Produkten greifen. Discounter verloren dagegen laut GfK zuletzt Marktanteile. Auch der Möbelhandel floriert. Denn angesichts niedriger Zinsen investieren viele Bundesbürger ihr Geld lieber in eine neue Küche oder ein neues Sofa, als es auf das Bankkonto zu legen. Nicht so gut läuft es dagegen für etliche Modehändler. Die Branche ist mitten in einem tiefgreifenden Umbruch. Dafür sorgen nicht nur der Erfolg von Online-Händlern wie Zalando und der anhaltende Siegeszug internationaler Ketten wie H&M oder Zara. Auch der Boom der Textildiscounter wie Primark oder KiK fordert seinen Tribut. Viele kleine Boutiquen und Modefachhändler haben deshalb schwer zu kämpfen. Doch auch etliche Bekleidungshersteller wie Gerry Weber oder Tom Tailor, die mit eigenen Markenshops punkten wollten, sind unter Druck geraten und müssen ihr Ladennetz wieder verkleinern.

HDE und Kommunen mit Allianz für Innenstädte

Umso wichtiger ist es nach Einschätzung des HDE, dass die Kommunen alles in ihrer Macht stehende tun, um die eigenen Innenstädte wieder attraktiver zu machen. Auf der Wunschliste der Händler steht dabei sowohl eine Aufwertung der öffentlichen Flächen, als auch eine möglichst großzügige Nutzung der Reglungen für Sonntagsöffnungen. Deshalb will der HDE deshalb gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund eine Allianz für Innenstädte starten. Für Genth steht angesichts der Gefahr verödender Einkaufsstraßen fest: "Handel und Kommunen müssen an einem Strang ziehen."

>> Das könnte Sie auch interessieren:

Schlagworte zum Thema:  Stationärer Handel, Einzelhandel

Aktuell

Meistgelesen