18.08.2015 | E-Commerce

Der Online-Handel wächst weiter ungebremst

Viele Kunden suchen immer noch das Einkaufserlebnis.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Deutschen bestellen ihre Einkäufe immer öfter im Internet. Das beschert Händlern wie Zalando zweistellige Wachstumsraten. Experten befürchten deshalb in den nächsten Jahren ein Ladensterben in Deutschland.

Es läuft zurzeit gut für den Online-Modehändler Zalando. Der Versandhändler schraubte zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Umsatzprognose in die Höhe und rechnet nun für 2015 mit einer Umsatzsteigerung von rund 30 Prozent auf mindestens 2,8 Milliarden Euro. Doch nicht nur Zalando floriert, der Online-Handel insgesamt wächst und wächst. Woanders fehlen die Umsätze. Experten befürchten deshalb in den nächsten Jahren ein Ladensterben in Deutschland. Nach einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) wurden in der Bundesrepublik im Online-Handel allein im zweiten Quartal dieses Jahres 10,8 Milliarden Euro umgesetzt, 14 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Vor allem in der Unterhaltungselektronik, aber auch bei Textilien bauten die Versandhändler demnach ihren Marktanteil weitern aus. Und auch bei Möbeln und Lebensmitteln gewinnt der E-Commerce allmählich an Boden. Nur bei Büchern und E-Books scheint derzeit eine Wachstumsgrenze erreicht. "Nach der leichten Wachstumsdelle im Vorjahr läuft das Jahr 2015 für unsere Branche sehr erfreulich", urteilte Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Für die gewachsenen Handelsstrukturen in vielen Städten und Gemeinden könnte der Boom des Online-Handels allerdings in den nächsten Jahren drastische Auswirkungen haben.

Kunden suchen immer noch das Einkaufserlebnis

Allein in den nächsten fünf Jahren sind nach einer in dieser Woche vom Institut für Handelsforschung in Köln veröffentlichten Analyse rund 45.000 Ladengeschäfte gefährdet. Mehr als jedem zehnten Ladengeschäft drohe damit die Schließung. Nach den Schätzungen des IFH könnte der Online-Anteil am Einzelhandelsumsatz bis 2020 auf bis zu 15,3 Prozent steigen. Bei Produkten die nicht zum täglichen Bedarf gerechnet werden, also etwa bei Textilien, Unterhaltungselektronik oder Möbeln, könnte er sogar 25 Prozent erreichen. Während die Entwicklung in den großen Ballungszentren noch relativ moderat verlaufen werde, müssten vor allem ländliche Regionen speziell im Osten Deutschlands mit einem massiven Umbruch rechnen, glauben die Forscher. "Die größten Einschnitte wird es voraussichtlich in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen geben", heißt es dazu in der Studie. Die Handelsforscher gehen dabei von einer Art Teufelskreis aus. Der erwartete Bevölkerungsrückgang in vielen Regionen führe zu Versorgungslücken, die wiederum dem Onlinehandel zugute kommen. "Auch die großen Stadtzentren werden gewinnen", vermutet IFH-Forscherin Susanne Eichholz. Denn die Experten rechnen mit einer Zunahme regelrechter Shopping-Trips ganzer Familien aus ländlichen Regionen in die großen Einkaufsstädte. Ganz wird der stationäre Handel ohnehin nicht verschwinden, sind die Forscher überzeugt. Auch jüngere Kunden suchten weiterhin neben dem selbstverständlichen Online-Shopping auch das Erlebnis des Einkaufens im traditionellen Ladengeschäft, meint Eichholz.

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Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Online-Shop

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