31.10.2014 | BGH-Urteil

Viel Spielraum bei Bonusprogrammen

Ein Kunde hatte gegen die Bedingungen des "Miles & More"-Programms geklagt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Unternehmer können selbstbestimmt regeln, wie sie ihre Kunden für deren Treue belohnen wollen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in  einem Grundsatzurteil entschieden.

So können Firmen den Teilnehmern ihres Programmes etwa vorschreiben, dass Prämien nicht an Dritte verkauft werden dürfen und dass Bonuspunkte nach einer bestimmten Zeit verfallen. (Az.: X ZR 79/13)

Bonusmeilen an Dritte verkauft

Konkret gaben die Richter der Lufthansa AG im Streit mit einem Kunden recht. Dieser hatte am Bonusprogramm "Miles & More" teilgenommen, das die Airline seit über 20 Jahren anbietet. Die Teilnehmer können Prämienmeilen für die Nutzung bestimmter Hotels oder bei Einkäufen sammeln, Vielflieger Statusmeilen anhäufen. Der Teilnehmer hatte den höchsten Vielfliegerstatus erreicht. im Jahr 2011 kündigte das Unternehmen ihm jedoch  fristlos und entzog dem bis dato treuen Kunden seinen Status. Der Grund: Der Teilnehmer hatte Bonusmeilen für Verbindungen zwischen Frankfurt, Los Angeles und New York im Wert von 3.000 Euro verwendet - die Flüge dann aber an jemand anderen verkauft.

OLG sah noch eine unangemessene Benachteiligung

Das Unternehmen berief sich auf die Teilnahmebedingungen des Bonusprogramms. Danach war der Verkauf von Prämien an Dritte verboten - nur an Verwandte, Freunde und Bekannte dürften sie verschenkt werden. Der Kunde klagte und wandte sich auch gleich dagegen, dass die Bonusmeilen nach drei Jahren verfallen. Die Vorinstanz gab ihm überwiegend recht. So sah das Oberlandesgericht Köln in den Regelungen zur Übertragbarkeit der Bonusmeilen eine unangemessene Benachteiligung der Kunden.

BGH gibt Unternehmen Freiraum bei der Bonusgestaltung

Der BGH entschied komplett anders und gab Unternehmern bei der Gestaltung ihrer Bonusprogramme freie Hand: Die Lufthansa könne selbst bestimmen, wie und auf welche Weise sie ihre Kunden für deren Treue belohnen wolle. Die Teilnahmebedingungen solcher Programme unterlägen nicht der strengen Kontrolle, die das Bürgerliche Gesetzbuch normalerweise für derartige Vertragsbedingungen vorsieht. Die Richter billigten daher das Vorgehen der Airline.

Auch Kleinbetriebe entdecken Bonusprogramme

Das Urteil stärkt die Unternehmer in einer Zeit, in der "Kundenbindung" immer wichtiger und mit viel Einfallsreichtum betrieben wird. Selbst Discounter Aldi Süd wollte sich der Idee nicht länger entziehen und bietet seit neuestem Sammelbilder für Kinder an. Die Freude an der "Kundenbindung" hat auch längst schon Kleinbetriebe erreicht: Bäckereien lassen ihren Kunden nach dem nachweislichen Kauf von mehreren Broten eines für umsonst, Friseure bieten nach mehreren Terminen ein Mal kostenlos Föhnen an.

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Schlagworte zum Thema:  Bundesgerichtshof (BGH), Bonusprogramm

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