21.11.2012 | Arbeitsgerichtsurteil

Kollegen als "Speckrollen" bezeichnet - Gericht: kein Kündigungsgrund

Bild: Haufe Online Redaktion

Wer seine Arbeitskollegen auf Facebook beleidigt, muss normalerweise mit fristloser Kündigung rechnen. Nicht so in einem Fall vor dem Arbeitsgericht Duisburg. Das Gericht erklärte die Kündigung eines Arbeitnehmers für unwirksam, der Kollegen auf seiner Facebook-Seite als "Speckrollen" und "Klugscheißer" bezeichnet hatte.

Das Arbeitsgericht stellte zwar klar, dass Beleidigungen grundsätzlich auch ohne vorherige Abmahnung einen Rauswurf rechtfertigen können. Ein solcher Eintrag in einem sozialen Netzwerk sei schwerwiegender als eine wörtliche Lästerei unter Kollegen, da er nachhaltig in die Rechte der Betroffenen eingreift, so die Richter. Denn solange der Eintrag nicht gelöscht werde, könne er ja auch immer wieder nachgelesen werden und verliere daher nicht an Brisanz. Es sei in diesem Fall auch unerheblich, ob der Eintrag nur für einen geschlossenen Personenkreis auf Facebook zu sehen ist.

Dennoch wurde die Kündigung für unwirksam erklärt, weil der Arbeitnehmer nach Ansicht der Richter im Affekt gehandelt hatte (Urteil v. 26.9.2012, 5 Ca 949/12). Er hatte die bösen Kommentare verfasst, nachdem er erfahren hatte, dass er von Kollegen mit falschen Beschuldigungen Arbeitgeber angeschwärzt worden war. Außerdem habe er keine Namen genannt, so das Gericht.

In einem ähnlichen Fall hatte das Landesarbeitsgericht Hamm kürzlich noch die Kündigung eines Auszubildenden bestätigt, der seinen Arbeitgeber auf seinem Facebook-Profil als "Menschenschinder und Ausbeuter" bezeichnet hatte.

Aktuell

Meistgelesen