24.04.2012 | Serie Business affairs

Showdown in der Hotelbar

Serienelemente
Bild: Reinhold Harwath

Weit weg von Zuhause sucht Unternehmer Mathias Bach wieder einmal das erotische Abenteuer. Er hat eine höchst reizvolle Assistentin. Und er verfolgt ein festes Ziel.

Es gab Momente, da dachte Bach an seine Frau, aber er verdrängte sie, indem er kurz einen Blick auf die Beine seiner Assistentin warf. Ihre Beine und auch alles, was sich darüber befand, waren eine Sünde wert, fand Bach. Endlich eine Sünde wert. Zwölf Jahre Ehe, zwei Kinder, immer treu gewesen, aber seit vier Monaten keinen Sex mehr mit der Ehefrau, nicht mal ein Gespräch darüber, weil ... das wusste er auch nicht so genau. Noch im Hotelzimmer hatte er sich moralisch alles zurechtgelegt; dass sein Leben wieder einmal einen Höhepunkt verdient hätte, dass ihn seine neue Assistentin nun schon zwei Monate, ja, aufreizte, dass es nicht mehr zum Aushalten war. Dass es nur um Sex ginge. Dass es andere auch tun und trotzdem eine gute Ehe führen, und dass er in Paris ist, also weit weg.

Manchmal berührte er wie aus Versehen das schwarz bestrumpfte Bein seiner Assistentin, und er fand, dass sie es nicht schnell genug wegzog, um „Nein" zu sagen. Sie waren mittlerweile beim vierten Glas Champagner, und seine Assistentin machte keine Anstalten zu gehen. Auch ein gutes Zeichen, fand Bach. „Ohne Sie", sagte er ihr, „ohne Dich, wenn Du erlaubst, hätten wir die Verhandlungen nie so glatt gestalten können. Dieser Monsieur Depuis hatte nur Augen für Dich. Das war unsere Chance. Ich heiße übrigens Mathias." „Ulrike", sagte die Assistentin, „freut mich." „Die Freude ist auf meiner Seite, Ulrike. Und jetzt müssen wir uns küssen."

Er spürte, wie sein Herz pochte. Wenn sie mich auf die Lippen küsst, ist alles klar, dachte er. Bitte küss' mich auf die Lippen, aber es kam nur eine Backe. „Komm, Ulrike, wir bestellen noch ein Glas, ja?" „Ich weiß nicht, Mathias, ich wollte eigentlich noch meinen Freund anrufen." „Deinen Freund?" „Ja, genauer gesagt: meinen Verlobten." „Ich verstehe das. Aber findest Du nicht, wir sollten den Moment genießen, seine Einzigartigkeit, seine Unwiederbringlichkeit?" „Also gut. Aber nur noch ein kleines Glas." Ja, dachte Mathias, ja!

„Ulrike, was ich schon immer sagen wollte, ist", sagte Mathias, „dass es mich zu Dir, wie soll ich sagen, hinzieht, über die Maßen also, und, äh, ich bin nicht so gut mit Worten, aber, Du, Du bist so wundervoll, und ich dachte ..." „Willst Du mit mir schlafen, Mathias, ist es das?" „Welcher Mann möchte das nicht?" „Mathias, Du bist mein Chef, und ich ..." „Du musst jetzt nichts sagen, Ulrike, jetzt nicht. Weil ich muss mal auf Toilette, Du entschuldigst mich?"

60 zu 40, redete er sich ein. 60, dass es klappt. Es war, so fand er, sein Tag; die richtigen Sätze bei der Verhandlung gefunden, die richtigen Worte bei Ulrike. „So, Ulrike", sagte er, „da bin ich wieder. Wo waren wir stehen geblieben?", fragte er und legte seine Hand auf ihren Oberschenkel. „Mathias, Du hast Dein Handy hier liegen lassen. Gerade vor mir. Eine SMS. Von Deiner Frau. Sie sagt, sie und die Kinder lieben und vermissen Dich." „Ja, das schreibt meine Frau immer, Ulrike. Das ist jetzt nicht so wichtig." „Bist Du Dir da sicher, Mathias?"

Schlagworte zum Thema:  Humor

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