22.11.2012 | Stiftung Warentest

Hersteller wollten Tests manipulieren

Bild: Stiftung Warentest

Die Versuchung ist groß. Wer vorher weiß, was die Stiftung Warentest untersuchen will, kann seine Produkte gezielt verbessern. Jetzt kam heraus, dass es solche Fälle wirklich gab. Ein Informationsleck machte es möglich.

Hersteller von Wasch- und Nahrungsmitteln haben mehrmals versucht, mit kurzfristigen Änderungen am Produkt die Bewertungen der Stiftung Warentest zu manipulieren. Sie hätten offensichtlich aus dem Kuratorium der Stiftung vorab Informationen über Tests erhalten, sagte der Leiter der Untersuchungsabteilung, Holger Brackemann, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Die bekannten Fälle lägen allerdings schon "einige Jahre" zurück. Ob und wie oft Produkte dadurch tatsächlich bei Tests bessere Noten erzielt hätten, wisse er nicht. "Das ist aber grundsätzlich möglich", räumte Brackemann ein. Zuvor hatte die Internetplattform "populeaks.org" das Thema aufgegriffen.

Die Stiftung habe bereits vor vier oder fünf Jahren reagiert und ihr Vorgehen geändert, sagte Brackemann. Seitdem würden die Themen im Kuratorium, das die Stiftung berät, "nur sehr allgemein" besprochen, "zum Beispiel reden wir von einem Test von Säften, ohne das konkrete Segment Apfel- oder Orangensaft zu benennen".

Besonders bedeutsam sei die Frage, ob Unternehmen nach einem Test die Produktqualität wieder verschlechterten. Dies überprüfe die Stiftung dadurch, dass sie Erzeugnisse nach Veröffentlichung des Tests noch einmal kaufe und ihre Qualität überprüfe. In jüngerer Vergangenheit sei etwa ein Matratzenhersteller aufgefallen, der nach dem Test schlechtere Ware angeboten habe. Stiftung Warentest mache solche Fälle öffentlich. "Das ist natürlich für den Anbieter ausgesprochen peinlich und auch für die Verbraucher ein klares Signal", sagte der Cheftester. Es sei klar, dass ihre Ergebnisse einen großen Einfluss auf die Verkaufszahlen hätten. "Insofern müssen wir immer davon ausgehen, dass versucht wird, irgendwo Einfluss zu nehmen, zu manipulieren", sagte Brackemann.

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