06.12.2012 | Deutsch-amerikanische Handelskammer

Deutsche Firmen setzen auf den US-Markt

Die USA sind eine gute Adresse für deutsche Mittelständler.
Bild: Haufe Online Redaktion

Während in Europa die Schuldenkrise aufs Geschäft drückt, läuft es für deutsche Firmen in den USA rund. Das gilt nicht nur für Konzerne wie Siemens oder Volkswagen, sondern auch für viele Mittelständler. Der amerikanische Markt wird für sie immer wichtiger.

Die USA scheinen ein Paradies für deutsche Firmen zu sein. Weit weg vom krisengeplagten Europa floriert das Geschäft. Gut zwei Drittel der deutschen Unternehmen, die mit Tochtergesellschaften in den USA vertreten sind, haben dort im vergangenen Jahr mehr umgesetzt. Für das kommende Jahr sind die Firmen sogar noch zuversichtlicher: Stolze 95 Prozent gehen von besseren Geschäften aus, 76 Prozent planen deshalb Neueinstellungen.

Erstklassiger Investitionsort 

Die Zahlen stammen aus dem "German American Business Outlook", einer gemeinsamen Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern, des Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Washington und der Unternehmensberatung Roland Berger. "Wir sind davon überzeugt, dass die USA ein erstklassiger Investitionsort für deutsche Unternehmen bleiben", erklärte Industrievertreter Thomas Zielke bei der Vorstellung der Umfrage in New York. Rund 230 Firmen hatten mitgemacht.

Viele Mittelständler haben sich angesiedelt 

Deutsche Firmen beschäftigen in den USA rund 570.000 Leute. VW, BMW und Daimler fertigen hier ihre Autos, Siemens baut unter anderem Gasturbinen und die Deutsche Telekom betreibt das viertgrößte Mobilfunknetz des Landes. Vor allem aber haben sich viele Mittelständler in den USA angesiedelt. 2012 sei ein positives Jahr für sie gewesen, stellte Roland-Berger-Experte Antonio Benecchi fest. "Die Firmen bleiben optimistisch gestimmt."

Comeback der US-Autoindustrie 

Den deutschen Unternehmen kommt zugute, dass die Arbeitslosigkeit in den USA gesunken ist, dass sich der Häusermarkt belebt und dass grundsätzliche Zuversicht in die Wirtschaftsentwicklung herrscht. "Wir profitieren vom Comeback der US-Autoindustrie", sagte Walter Maisel vom Zulieferer Kostal. Jörg Klisch vom Motorenbauer Tognum freute sich über mehr Bestellungen aus der Bauindustrie. Und Linda Mayer vom Glasspezialisten Schott berichtete über bessere Geschäfte mit der Pharmaindustrie. Allerdings herrscht nicht nur Eitel Sonnenschein. Das drängendste Problem ist die Fiskalklippe: Wenn Demokraten und Republikaner sich in Washington nicht einigen, treten zum Jahreswechsel automatisch Budgetkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft. Die Befürchtung ist, dass dadurch die Erholung der US-Wirtschaft abgewürgt wird.

Siemens mit mehr Personal als Microsoft 

Die zweite große Sorge der deutschen Unternehmen gilt dem Personal. Da es in den USA kein geregeltes Ausbildungssystem mit Berufsschule und Lehre in den Firmen gibt, ist es oftmals schwer, qualifizierte Leute zu finden. Je besser die Geschäfte laufen, desto schlimmer wird der Mangel, weil viele Firmen gleichzeitig um Mitarbeiter buhlen. Gute Leute würden bereits teurer, sagte Roland-Berger-Experte Benecchi. Viele Unternehmen steuern mit eigenen Ausbildungsprogrammen gegen. Wie wichtig deutsche Firmen mittlerweile als Arbeitgeber in den USA sind, zeigte Generalkonsul Busso von Alvensleben auf: "Siemens beschäftigt 60.000 Leute in diesem Land - mehr als Microsoft."

Schlagworte zum Thema:  USA, Mittelstand

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