Kreativitätstechniken für die Steuerkanzlei

Trendbericht 07.07.2021 Transformation & Change Management

Ob Digitalisierung, Fachkräftemangel oder veränderte Mandantenansprüche: Steuerkanzleien stehen vor großen Herausforderungen. Um sie zu meistern und sich mit innovativen Konzepten in den Fokus zu rücken, ist Kreativität gefragt. Wir stellen die wichtigsten Kreativitätstechniken für die Steuerkanzlei vor.

Kreativitätstechniken für die Steuerkanzlei

Kreativtechniken und innovative Methoden in der Steuerkanzlei


Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Ansätze, nach denen Kreativtechniken Innovationen hervorrufen. Intuitive Methoden nutzen Assoziationen, um in kürzester Zeit möglichst viele Ideen zu generieren. Dementgegen gehen diskursive Kreativitätstechniken systematisch vor. Im Ergebnis sind weniger Ideen zu erwarten. Diese sind allerdings konkret auf einzelne Problembestandteile ausgerichtet. Die Vorteile beider Methoden nutzen Kombimethoden, die sowohl intuitive wie auch diskursive Elemente enthalten. Sie sind insbesondere für größere Gruppen geeignet, in denen effiziente Ideenfindung und konkrete Planung oft schwieriger umsetzbar sind.

Die 10 wichtigsten Kreativitätstechniken

1.    Brainstorming
Das Brainstorming ist eine klassische Kreativitätstechnik. Innerhalb einer festgelegten Zeit werden Ideen und Gedanken gesammelt und auf einer Flipchart festgehalten. Dies erfolgt zunächst ohne Wertung, da jeder Beitrag als wichtig erachtet wird. Erst im Anschluss werden die Vorschläge gemeinsam geordnet und weniger passende gestrichen.

Die intuitive Kreativtechnik ist besonders leicht durchführbar, denn sie benötigt kaum Vorbereitung. Eine nachträgliche Priorisierung der Vorschläge ist jedoch erforderlich. Für introvertierte Mitarbeiter:innen ist die Methode zudem weniger geeignet, da es einiges an Selbstvertrauen und Mut bedarf, um ungefiltert auch vermeintlich abwegige Vorschläge vor den anderen zu äußern. Dennoch ist Brainstorming ein sinnvolles und einfaches Hilfsmittel, um in komplexe Themen einzusteigen und sich zunächst einen Überblick zu verschaffen.

2.    Mindmapping
Ebenso bewährt hat sich in vielen Bereichen die klassische Methode des Mindmappings. Sie basiert darauf, dass rund um einen zentralen Begriff, der das Thema beschreibt, passende Ideen gesammelt und visualisiert werden. Während sich zunächst die naheliegenden Fakten häufen, werden assoziierte Vorschläge mit zunehmendem Abstand zum Begriff abstrakter. So entstehen auch Ideen, die innovativer und außergewöhnlicher sind.

Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass durch die Visualisierung Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten oder Teilbereichen deutlich werden. Die Ideengenerierung mithilfe des Mindmappings ist daher geeignet, um Wissen übersichtlich zu strukturieren und neue Verbindungen zu kreieren.

3.    Brainwriting
Ähnlich wie das Brainstroming, aber demokratischer: Beim Brainwriting sind von Beginn an alle Teilnehmer:innen integriert. Jeder schreibt seine Ideen zu einem bestimmten Thema auf ein Blatt Papier und reicht es an den nächsten in der Runde weiter. Die Ideen der Mitstreiter dienen wiederum als Anregung, um weitere Ideen zu entwickeln. Sie werden notiert und die Blätter erneut weitergereicht – insgesamt so lange, bis jeder einmal jedes Blatt kommentiert hat. Die schriftlich festgehaltenen Ideen bilden nun die Grundlage einer anschließenden Diskussion.

Wer die Kreativtechnik noch aktiver gestalten möchte, kann sie auch als Brainwalking-Variante umsetzen. Dabei erhält jeder ein Flipchart-Papier für seine Ideen. Diese werden im Raum platziert und die Teilnehmer bewegen sich aktiv von einem zum anderen. Der Gedanke dahinter beruht auf der Annahme, dass Bewegung das Denkvermögen und die Kreativität fördert. Wer Licht ins Dunkel von wenig strukturierten Themen bringen möchte, kann sowohl Brainwriting wie auch Brainwalking dazu nutzen. Allerdings sind beide Methoden für weniger komplexe Fragestellungen geeignet.

4.    ABC-Liste
Eine Art Brainstorming, jedoch konkreter: Bei der ABC-Methode dienen die Buchstaben des Alphabets der Ideengenerierung. Ziel ist es, Ideen zu einem Thema zu entwickeln, die mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen. Die Folge: In kurzer Zeit entsteht so eine Fülle an Ideen.

Damit die kreative Ideenanregung funktioniert, ist Spontanität gefragt. Es gibt daher keine Beschränkungen in der Reihenfolge. Gestartet wird ganz einfach mit dem Buchstaben, zu dem als erstes eine Idee einfällt. Dies wiederum regt zu weiteren Einfällen an. Als Einstieg in ein Thema, zur Wiederholung von Inhalten oder zur Entwicklung kreativer Ansätze bildet die Technik auch bei größeren Gruppen eine gute Alternative zu herkömmlichen Methoden. Grundsätzlich können mit ihr weniger komplexe Themen kreativ bearbeitet werden.

5.    6-3-5-Methode
Wem das Brainwriting zu abstrakt ist und wer sich konkretere Ideen zu bestimmten Fragestellungen wünschst, ist mit der strukturierteren 6-3-5-Methode gut bedient. Die Grundidee ist einfach: Sechs Teilnehmer:innen schreiben jeweils drei Ideen innnerhalb von fünf Minuten auf ein Blatt Papier. Damit ist die erste Runde bereits abgeschlossen. Der Zettel wird anschließend weitergereicht und die Ideen werden durch die anderen Teilnehmenden ergänzt.

In der Steuerkanzlei eignet sich die Methode gut als Einstieg in Kreativprozesse. Möchten Sie beispielsweise Angebotsinnovationen entwicklen und zunächst thematisch ins Vorhaben einsteigen, ist die Methode eine sehr hilfreiche Kreativtechnik.

6.    Pinnwand-Methode
Geht es darum, anspruchsvolle, strategische Fragestellungen zu bearbeiten und passende Lösungen zu entwickeln, ist die Pinnwand-Methode eine effiziente und bewährte Technik. Ihr Vorteil ist, dass auch größere Gruppen zur Ideenfindung angeregt werden und gemeinsam an einer oder mehreren Lösungen gearbeitet wird. Dies stärkt bereits im Vorfeld die Akzeptanz für Neuerungen und Innovationen.

Bei der Pinnwand-Methode, die analog zum Branstorming auch Brainwarming genannt wird, notieren die Teilnehmer:innen ihre Vorschäge zu einer Fragestellung auf Kärtchen – zunächst jeder für sich – und heften sie hinterher an eine Pinnwand. Ein Moderator (das kann ein interner Freiwilliger sein), regt anschließend eine Diskussion zu den einzelnen Vorschlägen an. Diese werden gruppiert, priorisiert oder aussortiert und bilden die Grundlage für konkrete Planungen.

7.    Design Thinking
Der dynamische Arbeits- und Denkansatz, der ursprünglich aus der IT stammt, ist im Grunde weit mehr als eine Kreativitätstechnik. Denn die kreative Methode ist ein ganzheitliches Modell, das insbesondere der Entwicklung von Lösungen bei komplexen Problemstellungen dient. In innovativen Steuerkanzleien kann Design Thinking große Veränderungsprozesse oder Neuausrichtungen begleiten wie beispielsweise die Geschäftsfeld- oder die Produktentwicklung.

Die Besonderheit des Ansatzes besteht darin, dass Nutzerbedürfnisse im Fokus aller Überlegungen stehen. Die Ideenentwicklung erfolgt in einem interdisziplären Team, das sich zunächst mit den Grundlagen wie der relevanten Zielgruppe und deren Bedürfnisse befasst. Erst danach geht es an die eigentliche Ideengenerierung, die in zeitlich begrenzten Sprints stattfindet. Nach jeder Phase gilt es, Ziele zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Die Arbeitsweise ist dadurch sehr viel aufwendiger als einfache Kreativmethoden, kann allerdings zu äußerst nutzerorientierten Lösungen führen.

8.    World Café
Die Methode des World Cafés basiert auf der Annahme, dass der aktive Austausch in möglichst interdisziplinären Gruppen zu Lösungungsfindungen bei komplexen Fragestellungen führen kann. Genau genommen, handelt es sich bei der Methode um eine Art Kreativworkshop, die im Vorfeld einiges an Vorbereitung bedarf. So werden drei Kernfragen formuliert, Anleitungen für den Ablauf erstellt und Vorbereitungen für die Umsetzung des Workshops getroffen.

Am Workshoptag beginnt die eigentliche Kreativarbeit. Divers zusammengesetzte Gruppen von bis zu sechs Personen diskutieren in der Runde und notieren, skizzieren oder malen ihre Ideen auf vorbereitete Tischunterlagen. Nach Ablauf einer bestimmten Zeit wechseln die Teilnehmer:innen an unterschiedliche Tische, nur der vom Team bestimmte Moderator bleibt sitzen. Nach mehreren Runden werden die Ideen im Plenum vorgestellt, priorisiert und in Form von Handlungsempfehlungen formuliert. Ein großer Vorteil ist, dass sich im World Café jeder einbringen kann. So entstehen oft innovative und unerwartete Lösungsansätze für große Vorhaben.

9.    6-Hüte-Methode
Ebenfalls für komplexe Problemstellungen ist die 6-Hüte-Methode nach Edward de Bono geeignet. Die Kreativitätstechnik dient einerseits der Ideenfindung, kann aber auch bestehende Ansätze bewerten und verbessern, da Themen umfassend und aus allen Blickwinkeln heraus betrachtet werden.

Das 6-Hüte-Prinzip beruht auf einer Art Rollenspiel in der Gruppe. Jeder der sechs Teilnehmer:innen nimmt eine andere Rolle ein. Diese werden mit verschiedenenfarbigen Hüten gekennzeichnet. Jeder Hut steht für eine bestimmte Form des Denkens bzw. eine Herangehensweise (von optimistisch über strukturiert bis pessimistisch). Alle Aussagen werden schriftlich festgehalten und geben hinterher ein Gesamtbild wieder. Nehmen mehr als sechs Personen teil, können Rollen auch doppelt vergeben werden. Die Gruppengröße sollte jedoch so klein wie möglich sein, damit ein intensiver Austausch möglich ist.

10.    SCAMPER
Unkompliziert und vielseitig ist die bisher eher weniger bekannte Kreativitätstechnik SCAMPER. Wer sich gerne an Vorgaben entlanghangelt, kann mithilfe der Methode insbesondere Leistungsangebote der Steuerkanzlei verbessern, weiterentwickeln oder neue erstellen, aber auch bestehende Konzepte hinterfragen. Grundlegend basiert die Technik auf festgelegten Fragestellungen und einer Art Checkliste, die zur Ideenfindung anregt.

Hinter jedem Buchstaben verbirgt sich bei SCAMPER eine bestimmte Aktion: S steht für Substitute (ersetzen), C für Combine (kombinieren), A für Adapt (anpassen), M für Modify (ändern), P für Purpose (Zweck), E für Eliminate (entfernen) und R für Rearrange (umstellen). Alle Punkte auf der Checkliste werden von den Teilnehmer:innen bearbeitet. Den Abschluss bildet eine Analyse der Ergebnisse.
 

Schlagworte zum Thema:  Innovation, Strategie
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