Gründerstory: Einer der jüngsten Steuerberater und Partner

Steuerberater David Kasper war mit 27 Jahren einer der jüngsten Partner einer Steuerberatungsgesellschaft in Nordbayern – jetzt ist er 28 und blickt in erster Linie nicht nur auf eine anstrengende Zeit zurück, sondern strebt bereits nach neuen Herausforderungen. Was treibt ihn an und wie stellt er sich seine Zukunft vor?

Wie waren deine letzten sechs Jahre? Eine Frage, über die es sich immer lohnt, nachzudenken, aber ganz besonders, wenn die betreffende Zeitspanne den Eintritt in die Berufstätigkeit markiert. Eine Antwort auf diese Frage suchte StB David Kasper aus Fürth bei seinem Bekannten, der nach dem Studium in eine Großkanzlei eingetreten war.

Heraus kam die Überzeugung, dass die eigenen sechs Jahre die besseren gewesen waren: „Es war die klügste Entscheidung, dass ich damals nicht zu Rödl, Ernst & Young oder KPMG gegangen bin, sondern in eine kleinere Kanzlei“, sagt Kasper. Warum? „Man lernt viel mehr, baut ganz anderes Know-how auf, das einem nicht zuletzt beim Steuerberaterexamen hilft.“ Auch der Bekannte arbeitet im Übrigen inzwischen mit David Kasper zusammen in der Kanzlei, in der er seit April letzten Jahres Partner ist, der KÖBER Partner GmbH Steuerberatungsgesellschaft im mittelfränkischen Uehlfeld.


Den Steuerberater in Rekordzeit durchgezogen

Kaspers Weg dorthin führte über eine Arbeitskollegin bei der DATEV eG, bei der er ursprünglich sein duales Studium bis zum Bachelor ableistete. In einer Kanzlei eines gemeinsamen Bekannten machte Kaspar berufsbegleitend seinen Master, den er 2019 abschloss, um nach einem weiteren Jahr Berufspraxis im Oktober 2020 das schriftliche Steuerberaterexamen abzulegen. Nach der mündlichen Prüfung im Februar 2021 wurde er bestellt, im März Geschäftsführer in der KÖBER Partner GmbH Steuerberatungsgesellschaft und seit April auch Partner mit Firmenbeteiligung.

Das ging nicht ohne erheblichen Einsatz – 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeitete Kasper während der Semesterferien, schlief manchmal in der Kanzlei, um keine Zeit auf dem Arbeitsweg zu verlieren. „Mir war immer klar, dass ich selbstständig werden wollte, denn im Angestelltenverhältnis ist man irgendwann limitiert“, so Kasper. Die Geschwindigkeit, in der sein Vorhaben Realität wurde, habe ihn aber überrascht. Dabei sei er selbst es gewesen, der sich den Druck gemacht habe: „Ich wollte nach dem Bachelor und Master sofort das StB-Examen machen, da das Lernen ja nicht leichter wird und vielleicht später auch die Familiengründung ansteht“, so Kasper.


Besonderheit der Kanzlei: Nur Strategieberatung im Angebot

Das ist allerdings heute noch keine drängende Frage, vielmehr steht der Job nach wie vor ganz klar im Zentrum. „Man muss am Ball bleiben, deshalb habe ich den ‚Fachberater Internationales Steuerrecht‘ angefangen und werde die Fortbildung im Juni abschließen“, so Kasper. Auch eine Promotion wäre schön, Lehraufträge perspektivisch wünschenswert.

Dabei hat Kasper auch jetzt schon genügend zu tun. Die Kanzlei KÖBER bietet ausschließlich Steuerstrategieberatung und keine laufende Beratung oder Jahresabschlusserstellung an. Sämtliche Mandanten und Mandantinnen beschäftigen deshalb zusätzlich zur Mandatierung von KÖBER auch noch eigene Steuerberater – „die aber eigentlich ja nicht beraten“. Das übernimmt dann David Kasper, wenn er sich bundesweit und branchenunabhängig ausschließlich um Konzepte für Asset oder Share Deals, Umstrukturierungen oder den Vermögensschutz etwa über eine Stiftung kümmert. Sein Partner und Kanzleigründer, StB und Steuer-Beststellerautor Johann C. Köber hat sich aus der ersten Reihe der Beratung mittlerweile weitestgehend zurückgezogen.


Jung, aber absolut kompetent

„Ich bin daher stets das erste Gesicht für den Mandanten“, erklärt Kasper und beschreibt, dass dabei sein Alter von Anfang an kein Problem gewesen sei. „Niemand hat mich deswegen nicht ernst genommen oder wollte lieber Herrn Köber sprechen – im Gegenteil. Gerade jüngere Mandanten freuen sich über einen gleichaltrigen Ansprechpartner“, so der 28-jährige Berater.

Selbst bei den Banken sei der Beruf das entscheidende Kriterium bei der Kreditvergabe gewesen, ganz unabhängig vom Lebensalter, als es um die Finanzierung des Kaufpreises für den Kanzleianteil ging. „Der Beruf wirkt einfach“, sagt Kasper, wenngleich die Umsetzung der Finanzierung mal eben schnell gar nicht so einfach gewesen sei. 

Das finanzielle Risiko, das mit einem Darlehen im sechsstelligen Bereich einhergeht, stresst den jungen Berater nicht, da dies gute Schulden sind, die Gewinne brächten. Auf der grünen Wiese anzufangen sei dagegen keine Option gewesen, lieber wollte er durch eine Partnerschaft selbständig werden.


Herausforderung „Geschäftsführung“ anfangs unterschätzt

Das fühlte sich erst einmal gar nicht so weich an. „Ich habe etwas unterschätzt, was Geschäftsführung bedeutet, vor allem im Hinblick auf die Personalführung“, räumt Kasper ein. Als Jüngster im Team den notwendigen Respekt zu bekommen, müsse erst erarbeitet werden. Doch dies sei ihm mittlerweile gelungen. Zurzeit beschäftigt die Kanzlei zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einige sollen noch hinzukommen, zwei der Beschäftigten stehen kurz vor dem Steuerberaterexamen. „Ganz wesentlich ist die Stimmung im Team – wenn die gut ist, funktioniert auch der Rest.“

Perspektivisch kann sich Kasper auch einen weiteren Standort in Nürnberg vorstellen, an dem es vor allem darum gehen soll, jungen Beraterinnen und Beratern eine Perspektive zu geben – „so wie Herr Köber es bei mir gemacht hat“, betont Kasper. Denn eines habe es nie gegeben: Standesdünkel, nach dem Motto „An der Spitze steht erst einmal der Senior-Berater, und dann kommt lange nichts.“ So wolle auch er es in Zukunft halten. Dabei stehe er aber – wie viele andere auch – insbesondere vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.


Sport als Ausgleich

Vielleicht hilft ihm dabei aber seine eigene Begeisterung und Leidenschaft für das, was er tut. „Es ist ein Traum, das Beste, was mir passieren konnte – ich habe jeden Tag mit allen möglichen Aspekten zu tun, bin fachlich immer gefordert und als echter Berater geschätzt“, so Kasper. Und doch: Kann Arbeit alles sein? Wie lässt sich bei einer solchen Belastung regenerieren?

Hier ist Kaspers Antwort eine einfache und oft gehörte: „Mir hat der Sport viel geholfen, um Stress abzubauen, vor zwei Jahren bin ich meinen letzten Marathon gelaufen. Außerdem ist gesunde Ernährung wichtig. Dadurch, dass die Kanzlei etwas ländlicher liegt, hatte ich gar keine Gelegenheit allzu oft schnell unterwegs etwas zu essen: Ich musste selbst kochen, und dabei habe ich Wert auf Gesundes gelegt“, so der Steuerberater.

Und ein bisschen Spaß? Den findet Kasper nach eigenem Bekunden mehr als irgendwo sonst: in seiner Arbeit.

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