Das war der Deutsche Steuerberatertag 2022

Von den Herausforderungen der Digitalisierung und des Fachkräftemangels, bis hin zu Datensicherheit und Mental Health. Dieses Jahr drehte sich beim Deutschen Steuerberatertag 2022 in Dresden alles rund um das Thema Zukunftsfähigkeit und neue Wege.

Kanzlei der Zukunft: Digitalisierung, Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit im Fokus

Nach 2 Jahren remote, fand der Steuerberatertag in diesem Jahr wieder vor Ort statt. Viele Veranstaltungen konnten die Interessierten auch online am Bildschirm verfolgen.

Über neue Wege und die Zukunft der Steuerkanzleien diskutierten Isabel Blank, Geschäftsführerin der Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, DStV-Präsident Torsten Lüth und Prof. Dr. Robert Mayr, Chief Executive Officer (CEO) der DATEV. Dabei gingen sie insbesondere der Frage nach, vor welchen Herausforderungen Steuerkanzleien künftig in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel stehen.

Durch die Arbeitsbelastung, die in den Steuerkanzleien vorliegt, scheint das Thema Digitalisierung ein wenig in den Hintergrund geraten zu sein. Doch „die Antwort auf viele Fragen ist Digitalisierung.“, sagte Isabel Blank. „Je höher der Digitalisierungsstand, desto höher die Krisenresistenz“, ergänzte Prof. Dr. Robert Mayr.

„Steuerberatung ist cool, spannend und relevant – nur leider wissen das zu wenige. Das muss sich ändern, um auch künftig ausreichend Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.“  - Isabel Blank

Ein Herzensthema war allen Diskutant:innen der Fachkräftemangel in der Steuerbranche. Hier waren sich Blank, Mayr und Lüth einig: Das Berufsfeld ist attraktiv und vielschichtig, das muss aber auch nach außen kommuniziert werden. Ihr Aufruf an die Steuerkanzleien: „Kommuniziert!“ „Steuerberatung ist cool, spannend und relevant – nur leider wissen das zu wenige. Das muss sich ändern, um auch künftig ausreichend Fachkräfte für die Branche zu gewinnen“, sagte Isabel Blank.  „Wir müssen alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir unseren Beruf attraktiv darstellen.“, so Torsten Lüth und fügte an: „Wir sind selbst in der Pflicht, das nach außen zu transportieren“.

Vieles, was den Beruf spannend macht, ist bereits da. Es gehe also weniger um Veränderung als um Kommunikation und Transparenz, meint Blank. Dies bestätige auch das Ergebnis einer von der Haufe Group in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Attraktivität und Fachkräftemangel in steuerberatenden Berufen, in der die Steuerbranche von den Befragten (Student:innen, Abiturient:innen, Auszubildenden) in Sachen Attraktivität deutlich schlechter bewertet wurde, als in anderen Berufszweigen z. B. Management oder Marketing. Nur 18 Prozent der Studienteilnehmer:innen könnten sich vorstellen künftig in der Steuerberatung tätig zu sein.

Ideen, wie der Beruf insbesondere für die Generation Z attraktiv dargestellt werden kann, hatten die drei auch: „Ich glaube die Zeiten, in denen man eine Tischtennisplatte aufstellt und denkt, jetzt läuft es, sind vorbei. Flexibilität und Weiterbildung sind wichtige Faktoren, die es herauszustellen gilt“, meint Blank.

Es brauche weniger Bilder von Mitarbeitern vor Bücherregalen und dafür mehr Kampagnen, die mit Digitalisierung und Flexibilität lockten, so Robert Mayr. „Wenn man einmal als junger Mensch mit digitalen Prozessen in Berührung gekommen ist, dann will man darauf nicht mehr verzichten. Das ist eine Erwartungshaltung, die ist dann eingepreist.“

„Wir stellen häufig das Thema Steuern in den Vordergrund. Ich glaube, Zahlen ziehen nun mal nicht bei den 15- und 16-Jährigen. Aber in dem Alter werden Entscheidungen getroffen. Wir müssen deshalb viel früher Talente finden und binden“, so Torsten Lüth.

Ein weiteres Thema, an dem Steuerkanzleien laut den drei Diskutant:innen nicht mehr vorbeikommen, ist das Thema Nachhaltigkeit. Und auch hier waren sie sich einig: Wenn Steuerkanzleien das Thema proaktiv angehen, können sie daraus nicht nur Beratungschancen gewinnen, sondern auch ihre Arbeitgeberattraktivität verbessern.


Steuerberatertag2022

Verband fordert Steuerberaterentlastungspaket

Bei der Eröffnung des Steuerberatertags sprach sich Torsten Lüth für mehr Planungssicherheit für Steuerberater:innen aus. Insbesondere zu kurze Fristen seitens der Behörden oder zu kurzfristige Fristverlängerungen der Regierung würden eine Planung des Arbeitspensums der Steuerberater erschweren. Sein Wunsch: Eine partnerschaftliche Kommunikation zwischen Regierung und Steuerberatern und mehr Weitsicht seitens der Politik, quasi ein Steuerberaterentlastungspaket.

Torsten Lüth

Bundesfinanzminister Lindner konnte nicht anwesend sein, richtete sich aber per Videobotschaft an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Lindner sprach sich dafür aus, die Steuerverwaltung stärker zu digitalisieren und sieht hier noch Handlungsbedarf in der Geschwindigkeit.


Fachliche Informationen und Zukunftsperspektiven gehen beim Steuerberatertag Hand in Hand

Viele fachliche Insights und rechtliche Neuerungen füllten die Konferenzräume während der zwei Tage. Darunter Brennpunkte und Herausforderungen zu den Themen Umsatzsteuer, Ertragssteuerliche Praxisprobleme oder Betriebsprüfung. Neben den fachlichen Themen reihten sich auch Zukunftsthemen wie KI in der Buchhaltung, Steuerberater 2.0 oder die Podiumsdiskussion zur Kanzlei der Zukunft. Im Fokus des Mottos "Neue Wege" zogen sich folgende Themen durch das Programm:

Noch immer ein großes Thema: Digitalisierung. Eine gelungene Umsetzung hängt aber nicht nur allein an den Steuerberatern. Auch die Mandanten müssen mitziehen. Ein Balanceakt, denn es wird auch immer Mandanten geben, die nicht auf den digitalen Zug aufspringen. Hier gilt es für Steuerkanzleien einen Weg zu finden, auch diesen Mandanten Beratung und Unterstützung anzubieten.

Auch das Wissen rund um das Thema Digitalisierung kann und muss nicht nur allein bei einer Person liegen. Austausch und Communities sind ein guter Weg, Erfahrungswerte und Wissen untereinander weiterzugeben. Und am wichtigsten: Keine Berührungsängste haben. Auch kleine Dinge zu digitalisieren, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Eine der größten Herausforderungen aktuell ist der Fachkräftemangel. Liegt das am Image der Steuerbranche? Zumindest wirkt die Branche bei der jüngeren Generation wenig attraktiv. Die These: Es wird zu wenig über den Beruf kommuniziert. Folgen Sie deshalb Torsten Lüths Aufruf und kommunizieren Sie! Am besten über Social-Media-Kanäle, denn die sind noch immer Informationsquelle Nummer eins bei der Genration Z.

Ein Zukunftsthema für Steuerkanzleien heißt Nachhaltigkeit. Ob aus eigenem Interesse oder durch den Druck von außen durch Unternehmen und Politik. Früher oder später kommt das Thema auf alle Steuerkanzleien zu. Steuerberatungskanzleien sollten jetzt schon die Chance nutzen, sich zu überlegen, wie Sie sich hier positionieren möchten.

Bei all den Herausforderungen und Neuerungen, vor denen Steuerexpert:innen aktuell stehen, sollten Sie das Thema Mental Health nicht vergessen. Auch hier fanden sich zahlreiche Vorträge und Workshops beim diesjährigen Steuerberatertag. Ein Tipp von Neurowissenschaftler und Psychologe Prof. Dr. med. Volker Busch: Sich bewusst und vermehrt auf Positives konzentrieren und sich an schöne, auch kleine Dinge, wie ein spannendes Gespräch zu erinnern. Kleine Reviews am Ende eines Tages helfen dabei. „Es geht darum, mit welchen Gedanken wir unseren Kopf füttern.“