Wie sich Steuerberater das Geschäftsfeld der betriebswirtschaftlichen Beratung aneignen

Trendbericht 03.12.2019 Strategy

Für Steuerkanzleien ist die betriebswirtschaftliche Beratung ein lukratives, neues Geschäftsfeld. Neben fundiertem betriebswirtschaftlichem Wissen ist in der Praxis jedoch weitaus mehr gefragt. So können sich Steuerberater betriebswirtschaftliche Kompetenz erfolgreich im Kanzleialltag aneignen und glaubhaft kommunizieren.

Betriebswirtschaftliches Wissen erlangen

Freiräume schaffen: Warum eine gute Organisation so wichtig ist

Wer sich ein weitläufiges und komplexes Thema wie die Betriebswirtschaft aneignen möchte, benötigt in der Regel Zeit und Geld. Für kleinere Kanzleien ist dies oft eine große Herausforderung. Die Lösung: Damit die betriebswirtschaftliche Weiterbildung im Alltag nicht auf der Strecke bleibt, sollte sie konkret geplant und konsequent in den Berufsalltag eingebunden werden.

Eine gute Organisation des Tagesablaufs ist eine wichtige Grundvoraussetzung, um Freiräume fürs Lernen schaffen zu können. Damit die Weiterbildung on the job funktioniert, reservieren Sie feste Zeiten für Absprachen unter den Kollegen. Diese Zeit kann dem Wissensaustausch dienen oder für gemeinsam erarbeitete Test Cases genutzt werden. Der regelmäßige, fachliche Austausch festigt so das eigene betriebswirtschaftliche Wissen. Wichtig für den Lernerfolg: Setzen Sie sich selbst und Ihren Mitarbeitern realistische Ziele. Diese motivieren beim Lernen und ermöglichen Erfolgskontrollen. 

Rechnen Sie als Kanzleiinhaber allerdings damit, dass nicht jeder Steuerberater der Entwicklung positiv gegenübersteht. Schaffen Sie Transparenz! Holen Sie die Mitarbeiter beispielsweise bei einem Kick-off-Workshop ab und definieren Sie gemeinsam Teilziele und Lösungen für anstehende Herausforderungen.

Betriebswirtschaftliche Beratung durch Steuerberater: von der Theorie zur Praxis 

Laut 70-20-10-Modell lernen wir am effektivsten, wenn 70 Prozent des Wissens aus eigenen Erfahrungen resultiert, 20 Prozent durch das Handeln und Agieren der Kollegen sowie 10 Prozent aus Fort- und Weiterbildungsangeboten wie Seminare oder Schulungen. Übertragen auf die betriebswirtschaftliche Weiterbildung ist gezieltes Fordern und Fördern wie auch ein aktiver Wissensaustausch im Team eine sinnvolle Konsequenz. Die Herausforderung: Den richtigen Mix aus on the job-Training und externen Weiterbildungsangeboten zu finden.

Betriebswirtschaftliche Weiterbildung – von Präsenzschulung bis E-Learning 

Neben herkömmlichen Präsenzschulungen bieten mehr und mehr onlinebasierte E-Learning-Angebote die Möglichkeit, betriebswirtschaftliches Wissen zu erlangen – von Video-Grundlagenkursen bis zu kombinierten Weiterbildungsangeboten für komplexe Fragestellungen.  

Wählen Sie Lernmethoden danach aus, wie Ihre Steuerkanzlei personell aufgestellt ist und welche konkreten betriebswirtschaftlichen Beratungsleistungen Sie künftig anbieten möchten. Entscheidend ist beispielsweise, über welches Vorwissen die Mitarbeiter verfügen oder ob mehrere Steuerberater gleichzeitig an einer betriebswirtschaftlichen Weiterbildung teilnehmen können.

Grundlegend sind Lernmethoden erfolgreicher, die mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen. So erzielen E-Learning oder Blended-Learning-Angebote einen nachhaltigeren Effekt als Präsenzschulungen. Erfahren Sie im Artikel Lernmethoden für Kanzleien, welche Vorteile die Methoden mitbringen und welche weiteren Kriterien bei der Auswahl wichtig sind.

Nachgefragt: betriebswirtschaftliche Kompetenz rund um die Digitalisierung 

Das Feld der betriebswirtschaftlichen Weiterbildung ist groß. In der Praxis fragen Mandanten vor allem eins an: betriebswirtschaftliche Beratungen zur Digitalisierung. Ging es in den vergangenen Jahren insbesondere um strategische Ausrichtungen, sind Unternehmen jetzt verstärkt auf der Suche nach Umsetzungslösungen, die das Kerngeschäft nach vorne bringen und sich auch ökonomisch rentieren. Eins wird daran deutlich: Betriebswirtschaftliche Weiterbildung ist kein abgeschlossener Prozess. Vielmehr orientieren sich die Angebote an Marktveränderungen und Mandatenanforderungen.

Warum es nicht ausreicht, sich betriebswirtschaftliches Wissen anzueignen 

Die betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikation ist eine wichtige Schlüsselkompetenz für Steuerberater der Zukunft. Wer allein auf den Wissenszuwachs setzt, vergisst jedoch entscheidende Details. Denn eine Steuerkanzlei, die sich bisher überwiegend auf reaktive Tätigkeiten wie Jahresabschlüsse konzentrierte, hat zunächst ein Imageproblem. Neben der Bereitschaft, Geld und Zeit in den Aufbau des Geschäftsbereichs zu investieren, spielt die Glaubwürdigkeit des Steuerberaters eine Rolle. In der Regel erwarten Mandanten bei einer betriebswirtschaftlichen Beratung proaktive und selbstsichere Persönlichkeiten.

Drei wichtige Schritte auf dem Weg zur betriebswirtschaftlichen Beratung 

Imageaufbau 

Als Steuerberater mit betriebswirtschaftlicher Zusatzqualifikation müssen Sie Ihre Mandanten davon überzeugen, dass sie bei Ihnen hochwertige Beratungsleistungen zu ganzheitlichen Unternehmensfragen erhalten. Gute Begründungen sind vor allem dann notwendig, wenn Sie in der Vergangenheit vereinzelt betriebswirtschaftliche Beratungsleistungen gratis angeboten haben. Gefragt ist Fingerspitzengefühl, denn kaum ein Mandant wird von sich aus gern für eine Beratungsleistung zahlen, die aus seiner Sicht kostenlos sein müsste.

Marketing 

Bereiten Sie Ihre Mandanten schrittweise auf die Änderungen vor. Sprechen Sie offen über die neue Kanzleiausrichtung und vergessen Sie nicht, auf das dazugewonnene Wissen aufmerksam zu machen. Im Gespräch können Sie so auch herausfinden, wie ihre Mandaten die Kanzlei wahrnehmen, welche betriebswirtschaftlichen Beratungsleistungen sie sich wünschen und wo Sie als Kanzlei nachbessern können. Bestenfalls passen Sie Ihr Kanzleiprofil an und setzen begleitende Marketingmaßnahmen um. Sinnvolle Maßnahmen, um zu informieren und zu überzeugen, können beispielsweise folgende sein:

  • E-Mail an Mandanten mit allen Informationen rund um die neue Beratungsleistung 
  • Einbindung der Leistung auf der Website und auf Online-Portalen 
  • Interview-Artikel und FAQ auf der Website, zusätzlich gedruckter Infoflyer 
  • Regelmäßige Posts auf Social Media-Kanälen zu unterschiedlichen Fragestellung 
  • Eventuell Anzeigen/Adds in relevanten Printmagazinen oder auf entsprechenden Websites 

Netzwerkbildung 

Neben dem Imageaufbau ist der kontinuierliche Austausch im beruflichen Umfeld ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wer sich einem Netzwerk mit Gleichgesinnten anschließt, profitiert von Wissen, das eine Weiterbildung kaum vermitteln kann. Tauschen Sie sich regelmäßig mit anderen Steuerberatern, Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern aus. So können Sie nicht nur dazulernen, sondern auch den Wert der eigenen Leistungen besser einschätzen. 

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