EU-Parlament beschließt CSRD

Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD) wurde durch das EU-Parlament angenommen. Im Juni 2022 erzielten die Vertreter des Europäischen Ministerrats und des Europäischen Parlaments im Trilog bereits die politische Einigung darüber.

Am 10.11.2022 hat das EU-Parlament die neuen Berichterstattungsregeln für große Kapitalmarktgesellschaften und denen über § 264a HGB gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften verabschiedet.

Welche Unternehmen sind wann von der CSRD betroffen?

Folgende Punkte wurden beschlossen (s. auch News zur Corporate Sustainability Reporting Directive):

  • die neuen Berichterstattungserfordernisse werden von den schon bislang nach den §§ 289b und 315b HGB  verpflichteten großen kapitalmarktorientierten Unternehmen mit im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeitern bereits 2024 anzuwenden sein;
  • ab dem Geschäftsjahr 2025 haben nun auch alle großen Unternehmen in der EU Daten über die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf Menschen und den Planeten und alle Nachhaltigkeitsrisiken, denen sie ausgesetzt sind, offenzulegen;
  • ab 2026 sind dann auch kleine und mittelgroße kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtet;
  • Nicht-EU-Unternehmen mit erheblicher Tätigkeit in der EU (mit einem Umsatz von über 150 Mio. EUR in der EU) müssen die Anforderungen ebenfalls erfüllen;
  • in Art. 19a Abs. 3 der Richtlinie ist eine Übergangsfrist bis 2028 für mittelbar betroffene Unternehmen (die in der Lieferkette von verpflichteten Unternehmen sind) vorgesehen: Für den Fall, dass nicht alle erforderlichen Informationen über die Wertschöpfungskette verfügbar sind, muss das Unternehmen erläutern, welche Anstrengungen unternommen wurden, um die erforderlichen Informationen über die Wertschöpfungskette zu erhalten. Es ist zu begründen, warum nicht alle erforderlichen Informationen eingeholt werden konnten, und das Unternehmen muss seine Pläne erläutern, um künftig die erforderlichen Informationen einzuholen. Aufgrund dieser hohen Anforderungen an die Abgabe einer unvollständigen Berichterstattung dürfte aber davon auszugehen sein, dass dies möglichst von den Unternehmen vermieden wird, was bedeutet, dass die mittelbar betroffenen Unternehmen sich ebenfalls auf das Jahr 2025, ggf. sogar schon 2024 einstellen müssen, um nötige Informationen zuzuliefern.

Die Ziele und Hintergründe der CSRD

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wurde mit 525 Ja-Stimmen, 60 Nein-Stimmen und 28 Enthaltungen verabschiedet. Im Vergleich zu der Fassung der Einigung im Trilogprozess unter französischer Ratspräsidentschaft von Ende Juni hat es kaum inhaltliche Änderungen in der CSRD gegeben. Die EU erhofft sich von der Richtlinie, dass Unternehmen stärker öffentlich zur Rechenschaft gezogen werden, indem regelmäßig Informationen über die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen ihres Handelns offenzulegen sind. Dies würde Greenwashing beenden, die soziale Marktwirtschaft der EU stärken und die Grundlage für Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards auf globaler Ebene schaffen. Letztlich verdeutlichen diese überraschend harten Formulierungen, wie weit offenbar die Politik das Vertrauen in die Wirtschaft verloren hat.

Ausblick: ESRS sollen noch im November final überarbeitet an die Kommission übergeben werden

Die neuen Regeln beheben Mängel in bestehenden Rechtsvorschriften zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen (NFRD), die als weitgehend unzureichend und unzuverlässig empfunden werden. Der CSRD führt detailliertere Berichtspflichten zu den Auswirkungen von Unternehmen auf die Umwelt, Menschenrechte und Sozialstandards ein, basierend auf gemeinsamen Kriterien im Einklang mit den EU-Klimazielen. Die Kommission wird das erste Normenpaket zu den Europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) bis Juni 2023 annehmen, die Entwürfe sollen noch im November final überarbeitet von der EFRAG an die Kommission übergeben werden. Es stehen allerdings noch angekündigte weitere Entwürfe, insb. zu Branchenspezifika, aus.

Prüfung und Zertifizierung der Unternehmensinformationen

Um sicherzustellen, dass Unternehmen zuverlässige Informationen bereitstellen, werden sie einer unabhängigen Prüfung und Zertifizierung unterzogen – neu eingeführt wurde hier ein Mitgliedstaatenwahlrecht, nachdem die Länder selbst entscheiden können,

  • ob dies der Abschlussprüfer sein muss oder
  • auch andere Prüfer (nicht einmal Wirtschaftsprüfer) hier tätig werden können.

Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung werden gleichgestellt und Investoren erhalten vergleichbare und verlässliche Daten. Auch der digitale Zugang zu Nachhaltigkeitsinformationen muss gewährleistet sein.

Der 234-seitige Textfassung der angenommenen Richtlinie ist hier abrufbar.

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In der News-Reihe "Aktuelles zur Nachhaltigkeitsberichterstattung" fasst Herr Prof. Dr. Müller monatlich die neusten und relevantesten Entwicklungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung prägnant für Sie zusammen. Weitere Ausgaben:

Corporate Sustainability Reporting Directive – vorläufige politische Einigung erzielt

IDW veröffentlicht einen "Appell für eine verlässliche und akzeptierte Nachhaltigkeitsberichterstattung"

Konsolidierung der Nachhaltigkeitsberichterstattungs-Standardsetzung schreitet weiter voran