Weimann/Lang, Umsatzsteuer ... / 2.2.4.1 Schein- oder Gefälligkeitsrechnungen
 

Rz. 63

Stand: 5. A. – ET: 12/2018

Schein- oder Gefälligkeitsrechnungen liegen nach der Rechtsprechung z. B. in folgenden Fällen vor:

  • BFH vom 27.10.1993, Az: XI R 99/90, BStBl II 1994, 277 – Versicherungsbetrug durch eine Kfz-Werkstatt, die zu diesem Zweck gegenüber der Versicherung, zumindest teilweise, nicht erbrachte Reparaturleistungen abrechnete.
  • BFH vom 21.06.1994, Az: VII R 34/92, BStBl II 1995, 230 – Ausstellung einer Rechnung durch den Konkursverwalter, obwohl eine Lieferung der Konkursmasse nicht vorliegt (auch zu Haftungsfragen des Konkursverwalters).
  • BFH vom 04.05.1995, Az: V R 29/94, BStBl II 1995, 747 – Ausstellung von Rechnungen über fingierte Fahrzeuglieferungen an nicht existente Leistungsempfänger.
  • BFH vom 05.02.1998, Az: V R 65/97, BStBl II 1998, 415 – Ausstellung einer "Vorausrechnung" über eine noch zu erbringende Lieferung, die als solche nicht erkennbar ist (vgl. hierzu auch BFH vom 20.10.2006, Az: V B 20/05 (NV), UR 2007, 311 – Ablehnung NZB; Vorinstanz FG Münster vom 04.11.2004, Az: 5 K 135/04 U – § 14 Abs. 3 UStG a. F., wenn aus Rechnungen nicht hervorgeht, dass die Lieferung erst später erfolgen soll). Spätestens in dem Zeitpunkt, in dem feststeht, dass die Lieferung nicht mehr erfolgt, liegt ein Fall des § 14c Abs. 2 UStG vor. Ebenso, wenn von Beginn an klar ist, dass die Leistung nicht ausgeführt wird. Abgrenzung in BFH vom 21.02.1981, Az: V R /73, BStBl II 1980, 283 – klar erkennbare Vorausrechnungen fallen nicht unter § 14c Abs. 2 UStG, wenn der Rechnungsaussteller bei der Begebung nachweislich willens und in der Lage (und verpflichtet) ist, die Leistung alsbald zu erbringen (vgl. BFH vom 20.03.1980, Az: V R /74, BStBl II 1980, 287). Vgl. Abschn. 14c.2 Abs. 2 Nr. 2 S. 2–6 UStAE m. w. N. Zum betrügerischen Handel mit Blockheizkraftwerken vgl. FG Münster vom 03.04.2014, Az.: 5 K 383/12 U, EFG 2014, 877 (Schneeballsystem; Lieferung nie beabsichtigt; Anwendung § 14c Abs. 2 UStG). Weiterführend vgl. Rz. 87 f.
  • Rechnungsberichtigung gegenüber einem Adressaten, der nicht der Leistungsempfänger war. In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung der Rechtsprechung zur Gesamtrechtsnachfolge zu beachten. Mit Urteil vom 07.08.2002 (Az: I R 99/00, BStBl II 2003, 835) hat der BFH entschieden, dass bei einer Ausgliederung durch Neugründung nach § 123 Abs. 3 Nr. 2 UmwG der übernehmende Rechtsträger nicht Gesamtrechtsnachfolger des übertragenden Rechtsträgers ist (Ablehnung der partiellen Gesamtrechtsnachfolge; betroffen sind Aufspaltung, Abspaltung, Ausgliederung [§§ 123ff. UmwG] sowie die Vermögensübertragung [bei Teilübertragung] nach § 174 UmwG). Liegt demnach Einzelrechtsnachfolge vor, stellt sich die Frage nach dem zutreffenden Adressaten einer ggf. durchzuführenden Rechnungsberichtigung für Leistungen, die vor der Umwandlung erbracht wurden.
  • Zur Behandlung bei Karussellgeschäften vgl. BFH vom 29.11.2004, Az: V B 78/04, BStBl II 2005, 535 (Vorinstanz FG Baden-Württemberg, Beschluss vom 07.05.2004, Az: 12 V 17/04, EFG 2004, 1405) und grundlegend EuGH vom 12.01.2006, Rs. C-354/03, "Optigen Ltd.", C-355/03, "Fulcrum Electronics Ltd.", C-484/03 "Bond House Systems Ltd.", IStR 2006, 132. S. a. BFH vom 19.04.2007, Az: V R 48/04, BStBl II 2009, 315.
  • Zum Ausweis von Umsatzsteuer bei Abrechnungen von Hörgeräteakustikern gegenüber dem Versicherten vgl. OFD Koblenz vom 11.02.2008, Az: S 7280 A – St 44 5, UR 2008, 440 (Leistungsempfänger ist die gesetzliche Krankenkasse/Sach- und Dienstleistungsprinzip/Patient leistet Zuzahlung von dritter Seite/gleich gelagertes Problem wohl bei Abgabe von Medikamenten durch Apotheken unter Zuzahlung des Patienten/Übergangsregelung 31.12.2007/01.01.2008; vgl. jedoch auch OFD Frankfurt a. M. vom 22.01.2010, Az: S 7280 A–76–St 111, NWB 2010, 1315 – Umsatzsteuerausweis bei Zuzahlungsquittungen von Apotheken/keine Nichtbeanstandungsregelung wie z. B. bei Hörgeräteakustikern/ggf. § 14c Abs. 2 UStG). Ergänzend/erweiternd vgl. OFD Koblenz vom 02.07.2008, Az: S 7280 A – St 445, UR 2008, 867, vom 14.07.2008, Az: S 7280 A – St 445, DStR 1965 und vom 11.12.2008, S 7280 A – St 44 5, StEK UStG 1980 § 14/153 auch für weitere Berufsgruppen relevant – Augenoptiker, Orthopädie-Techniker, Orthopädie-Schuhtechniker und Friseure bei Leistungen an die Träger der gesetzlichen Sozialversicherung (mit Übergangsregelung 30.06.2008/01.07.2008).
  • Abrechnung eines Reisebüros in eigenem Namen über die durch einen Verkehrs- oder Leistungsträger erbrachte Beförderungsleistung (Fahrschein), obgleich nur die Vermittlungsleistung erbracht (vgl. OFD Karlsruhe vom 28.02.2012, Az: S 7282 – Karte 1 und OFD Frankfurt vom 03.12.2012, Az: S 7300 A – 131 – St 128, DStR 2013, 1190 unter 3.
  • Zur umsatzsteuerrechtlichen Behandlung der Durchführung von Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit vgl. BayLfSt vom 30.10.2008, Az: S 7234.2.1–1/11 St 34, UR 2009, 33. Die Abrechnung des Veterinärs gegenüber der Bayrischen Tierseuchenkasse führt zu § 14c Abs. 2 UStG (falscher Leistungsempfänger).
  • Versendung betrügerischer R...

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