Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / f) Gemischte, dh teils als freiberuflich, teils als gewerblich anzusehende Tätigkeiten
 

Rn. 129

Stand: EL 134 – ET: 02/2019

Übt ein StPfl ihrer Art nach gemischte, dh teils als freiberuflich, teils als gewerblich anzusehende Tätigkeiten aus, so sind diese Einkünfte getrennt zu erfassen, wenn zwischen den Betätigungen kein sachlicher und wirtschaftlicher Berührungspunkt besteht (BFH BStBl II 1984: Primat der Trennung vor der Einheitsbeurteilung; ebenso FG Ha v 10.9.2013, 3 K 80/13 BB 2014, 1174). Aber auch wenn zwischen den Betätigungen gewisse sachliche und wirtschaftliche Berührungspunkte bestehen – also eine gemischte Tätigkeit vorliegt –, sind die Betätigungen regelmäßig getrennt zu erfassen, auch s Rn 127a "Klinik", "Krankengymnastikpraxis" u "Krankenpflegedienst (häuslicher)". Wichtiges Indiz ist die Behandlung der Tätigkeiten durch den StPfl selbst, insb die getrennte Buchführung; auch s Rn 127a "Krankenpflegedienst (häuslicher)" u "Klinik". Auch darüber hinaus ist zwar die Alternative der schätzungsweisen Aufteilung der Nichtaufteilung vorzuziehen (so auch Littmann, DStR 1977, 288), "je schwieriger aber eine schätzungsweise Aufteilung wird, desto stärker wird der Eindruck von der Einheitlichkeit der Betätigung" (so mE zu Recht, Rose, DB 1980, 2464, 2468).

Mit Urt v 02.10.2008 (BFH BStBl II 2009, 143) hat der BFH in Änderung der bisherigen Rspr (ohne das ausdrücklich zu erwähnen) entschieden, dass, wenn sich ein selbstständig tätiger und ein angestellter Ingenieur jeweils einzelne Aufträge und Projekte völlig eigenverantwortlich und leitend teilen, trotz der gleichartigen Tätigkeit eine – ggf im Schätzungswege vorzunehmende – Aufteilung in freiberufliche u gewerbliche Einkünfte nicht ausgeschlossen ist mit der Folge, dass die vom Freiberufler-Inhaber selbst betreuten Aufträge und Projekte dessen freiberuflicher Tätigkeit zuzuordnen sind u nur die von dem Angestellten betreuten Aufträge und Projekte zu gewerblichen Einkünften führen. Wer also zukünftig als Einzel-Freiberufler aus Kapazitätsgründen die durchgehende Eigenverantwortlichkeit nicht sicherstellen kann, kann wenigstens eine teilweise Freiberuflichkeit retten.

Vorsicht geboten ist bei gleicher Konstellation o bei Aberkennung der "Ähnlichkeit" bei einem Gesellschafter/Partner bei einer Freiberufler-GbR/Partnerschaft wegen Infektionsgefahr (s Rn 162BFH v 23.11.2000, BStBl II 2001, 241). Kempermann, FR 2004, 227 misst dem Urt BFH v 28.08.2003, BStBl II 2004, 954 mE zu Recht Bedeutung für Sozietäten deutscher RA oder StB mit ausländischen Kollegen bei, wenn der betreffende ausländische Sozietätspartner zumindest einer ausländischen Berufsorganisation angehört, die die Befähigung ihrer Mitglieder kontrolliert; dies könnte bei solchen internationalen Sozietäten die Abfärbewirkung des § 15 Abs 3 Nr 1 EStG vermeiden. Korn, § 18 EStG Rz 37.2, 39 weist zu Recht darauf hin, dass im Hinblick auf ausländische Berufsträger mit abweichenden berufsrechtlichen Vorgaben sich ggf eine Diskriminierung deutscher Kollegen ergeben könnte.

Sind eine freiberufliche Tätigkeit u eine gewerbliche derart miteinander verflochten, dass sie sich gegenseitig unlösbar bedingen, so liegt eine einheitliche Tätigkeit vor, die steuerlich danach zu qualifizieren ist, ob das freiberufliche oder das gewerbliche Element vorherrscht: BFH v 10.06.2008, BFH/NV 2008, 1824.

Im Einzelnen:

Wegen Einzelheiten zu den Fragen, welche Berufe u Tätigkeiten unter § 18 Abs 1 EStG fallen s Erläut zu § 18 (Güroff) u bis zu welchen Grenzen das Erfordernis der persönlichen Leitung u der Eigenverantwortlichkeit als erfüllt gilt s  Rn 128e sowie wegen Einzelfällen aus der Rspr s  Rn 127a.

Bei der Einordnung von Heil- und Heilhilfsberufen als freiberuflich in Abgleichung mit den Katalogberufen des Heilpraktiker...

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