Bewirtung

Zusammenfassung

 

Begriff

Eine Bewirtung liegt vor, wenn Personen verköstigt werden. Bewirtet der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer, stellt der sich dadurch ergebende Vorteil als Sachbezug steuerpflichtigen Arbeitslohn dar, wenn die Bewirtung im weitesten Sinne als Ertrag bzw. Gegenleistung für die individuelle Arbeitskraft des Arbeitnehmers anzusehen ist und keine Kürzung der als Reisekosten anzusetzenden Verpflegungspauschbeträge bei beruflichen Auswärtstätigkeiten infrage kommt. Anders verhält es sich, wenn der Arbeitnehmer an geschäftlichen Bewirtungen oder an anderen Bewirtungen teilnimmt, die im überwiegend betrieblichen Interesse und damit ohne Entlohnungscharakter erfolgen.

Zu den Bewirtungskosten zählen die Aufwendungen für Speisen und Getränke und sonstige Genussmittel sowie dadurch entstehende Nebenkosten wie z. B. Trinkgelder.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Einzelheiten zur Abgrenzung einer beruflichen von einer privaten Veranlassung regeln R 19.5 und 19.6 Abs. 2 LStR. Die lohnsteuerliche Bewertung steuerpflichtiger Vorteile richtet sich nach § 8 EStG. Ersetzt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Aufwendungen einer dienstlichen Bewirtung, ist dies nach § 3 Nr. 50 EStG steuerfrei. Die Kürzung von Verpflegungspauschalen bei Dienstreisen ist in § 9 Abs. 4a EStG geregelt. Ergänzende Erläuterungen enthält das BMF-Schreiben v. 24.10.2014, IV C 5 – S 2353/14/10002, BStBl 2014 I S. 1412.

Sozialversicherung: Die beitragsrechtliche Bewertung von Bewirtungskosten erfolgt nach § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV i. V. m. § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV sowie R 19.3 Abs. 2 Nr. 3 LStR und R 8.1 Abs. 8 Nr. 1 LStR.

 

Kurzübersicht

 
Entgelt LSt SV
Arbeitnehmerbewirtung pflichtig pflichtig
Bewirtung bei Betriebsveranstaltungen bis 110 EUR frei frei
Bewirtung bei außergewöhnlichen Arbeitseinsätzen frei frei
 

Praxis-Beispiele

  • Bewirtungskosten: Arbeitnehmerbewirtung
  • Bewirtungskosten: Geschäftsfreunde
  • Bewirtungskosten: Arbeitsbesprechung (regelmäßige)
  • Bewirtungskosten: Belohnungsessen

Lohnsteuer

1 Arbeitsessen ist steuerpflichtiger Sachbezug

Bewirtet der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer ohne die Teilnahme von Geschäftsfreunden des Arbeitgebers außerhalb des Betriebs, z.  B. in einem Restaurant, kostenlos oder verbilligt, liegt regelmäßig Arbeitslohn vor. Steuerpflichtig ist der auf den Arbeitnehmer entfallende Teil der angefallenen Bewirtungskosten, wenn er die Freigrenze von 44 EUR monatlich übersteigt.[1] Für den Arbeitgeber sind diese Bewirtungskosten in voller Höhe als Betriebsausgaben abzugsfähig.

 

Wichtig

Bewirtung in überwiegend betrieblichem Interesse ist steuerfrei

Die Bewirtung des Arbeitnehmers ist weiterhin steuerfrei, wenn sie im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse erfolgt, z. B. bei einer Betriebsveranstaltung bzw. einem außergewöhnlichen Arbeitseinsatz[2], oder falls der Arbeitnehmer an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung betriebsfremder Personen teilnimmt.

Zudem können Bewirtungskosten, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ersetzt, als Auslagenersatz steuerfrei sein. Für die Steuerfreiheit ist der Anlass der Bewirtung entscheidend. Eine Kürzung der Verpflegungspauschale ist auch in diesen Fällen der Arbeitgeberbewirtung zu beachten. Es ist ohne Bedeutung, ob der geldwerte Vorteil aus der arbeitgeberseitigen Gestellung von Mahlzeiten zum Arbeitslohn zählt.

2 Arbeitnehmerbewirtung während Auswärtstätigkeit

2.1 Überblick zur Arbeitgeberbewirtung

Die Übersicht veranschaulicht die für Arbeitgeberbewirtung geltende Rechtslage mit ihren zahlreichen Fallvarianten.

  • Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG

Wird ein Arbeitnehmer während einer beruflichen Auswärtstätigkeit unentgeltlich oder verbilligt verpflegt, ist zwischen einer üblichen Arbeitgeberbewirtung und einem Belohnungsessen zu unterscheiden. Bei einer üblichen Mahlzeit gilt eine Üblichkeitsgrenze von 60 EUR. Die 60-EUR-Grenze ist als Bruttobetrag inkl. Mehrwertsteuer zu verstehen, der sämtliche anlässlich der Bewirtung gewährten Speisen und Getränke umfasst. Zuzahlungen des Arbeitnehmers bleiben bei der Prüfung der 60-EUR-Grenze außer Ansatz.

Die nachfolgenden Ausführungen zur steuerlichen Behandlung der Arbeitgeberbewirtung sind nicht nur für unmittelbar vom Arbeitgeber gewährte Verpflegung anzuwenden, sondern auch für Bewirtungsleistungen während einer beruflichen Auswärtstätigkeit, an denen der Arbeitgeber selbst nicht teilnimmt, die Mahlzeit aber auf Veranlassung des Arbeitgebers durch einen Dritten abgegeben wird. Die Abgrenzungskriterien sind in den Lohnsteuer-Richtlinien[1] zu finden.

2.2 Mahlzeiten bis 60 EUR

2.2.1 Kürzung der Verpflegungspauschale

Bewirtet der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer anlässlich einer beruflichen Auswärtstätigkeit[1], wird auf eine Besteuerung der während einer beruflichen Reisetätigkeit gewährten Mahlzeiten verzichtet. Allerdings muss der Arbeitnehmer dafür eine Kürzung der Verpflegungspauschbeträge in Kauf nehmen.[2]

Beträgt der Gesamtwert der vom Arbeitgeber unmittelbar oder mittelbar gewährten Speisen und Getränke nicht mehr als 60 EUR, handelt es sich um eine übliche Bewirtung. Beim Arbeitnehmer wird auf die Besteuerung des hieraus resultierenden geldwerten Vorteils verzichtet, wenn der Arbeitnehmer seinerseits für die dienstliche Reise...

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