Ein Grundstück ist im Zustand der Bebauung, wenn mit den Abgrabungsarbeiten oder mit der Einbringung von Baustoffen zur planmäßigen Errichtung eines Gebäudes oder Gebäudeteils begonnen wurde.

 
Hinweis

Bezugsfertig

Mit der Bezugsfertigkeit des ganzen Gebäudes endet der Zustand der Bebauung. Es sei denn, dass das Gebäude in Bauabschnitten errichtet wird.

Zur Bewertung eines Grundstücks im Zustand der Bebauung sind die Gebäude (Gebäudeteile) mit den bereits am Bewertungsstichtag entstandenen Herstellungskosten dem Wert des bislang unbebauten oder bereits bebauten Grundstücks hinzuzurechnen. Es erfolgt somit eine Bewertung nach dem Grad der Fertigstellung.[1]

 
Praxis-Beispiel

Grundstück im Zustand der Bebauung

Der eingetragene Lebenspartner L wendet im Dezember 2022 seinem Lebenspartner K ein Grundstück im Zustand der Bebauung zu. Der Bodenrichtwert, der vom entsprechenden Gutachterausschuss ermittelt wurde, beläuft sich auf 890 EUR pro qm. Die Grundstücksfläche beläuft sich auf 805 qm. Herstellungskosten sind bisher i. H. v. 165.000 EUR entstanden. Die Lebenspartner leben im Güterstand der Gütertrennung.

Lösung:

Das zugewendete Grundstück im Zustand der Bebauung ist wie folgt zu bewerten:

 
Wert des unbebauten Grundstücks (890 EUR x 805 qm) 716.450 EUR
Entstandene Herstellungskosten + 165.000 EUR
Grundbesitzwert 881.450 EUR[2]
Dies führt bei K zu folgender Besteuerung:  
Zuwendung (Steuerwert Grundstück) 881.450 EUR
Persönlicher Freibetrag (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) ./. 500.000 EUR
Abgerundeter steuerpflichtiger Erwerb (§ 10 Abs. 1 ErbStG) 381.400 EUR
Schenkungsteuer (Steuersatz 15 %) 57.210 EUR

Wurde hierbei nur ein Teil der Herstellungskosten bezahlt, so ist dies bei der Bewertung irrelevant.[3]

Die Angaben zu Grundstücken im Zustand der Bebauung sind in den Zeilen 108 bis 109 bzw. Zeilen 139 bis 140 zu machen. In Zeile 108 bzw. Zeile 139 ist anzugeben, ob sich auf dem Grundstück ein Gebäude oder auch Gebäudeteile im Zustand der Bebauung befinden. In Zeile 109 bzw. Zeile 140 sind die bis zum Bewertungsstichtag entstandenen Herstellungskosten für die im Bau befindlichen Gebäude bzw. Gebäudeteile einzutragen.

 
Hinweis

Angaben in Zeile 16 ff.

Für die bereits fertig gestellten Gebäude bzw. Gebäudeteile sind die entsprechenden Angaben im Vordruck (BBW 2/2016 bzw. BBW 2/2023) ab Zeile 16 zu machen.

[1] S. auch R B 196.2 ErbStR 2019, Beispiele enthält H B 196.2 Abs. 3 ErbStH 2019.
[2] Eine Abrundung ist an dieser Stelle nicht vorzunehmen; sie erfolgt erst beim steuerpflichtigen Erwerb.
[3] S. Beispiel in H B 196.2 Abs. 3 ErbStH 2019; denn maßgeblich sind die entstandenen Herstellungskosten (R B 196.2 Abs. 3 ErbStR 2019

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