Schwarz/Pahlke, AO § 180 Ge... / 3.1.6.1 Zeitlicher Regelungsbereich bei den einzelnen Einkunftsarten
 

Rz. 85

Die Frage nach dem zeitlichen Geltungsbereich der Gewinnfeststellung ist die Frage nach dem Zeitraum, für den die Einkünfte festgestellt werden. Ausdrücklich geregelt ist der zeitliche Geltungsbereich nicht, er ergibt sich aber aus dem Gesamtzusammenhang der gesetzlichen Regelungen.

Die gesonderte Feststellung nach §§ 179, 180 Abs. 1 Nr. 2a ist im Zusammenhang mit § 157 Abs. 2 zu sehen. Die unselbstständigen Besteuerungsgrundlagen, § 157 Abs. 2, werden nach § 180 Abs. 1 Nr. 2a gesondert, und damit selbstständig, festgestellt, wenn mehrere an den Einkünften beteiligt sind. Im Übrigen gelten aber die allgemeinen Regelungen unverändert; d. h. aber, dass die Einkünfte bei § 180 Abs. 1 Nr. 2a AO für den gleichen Zeitraum festzustellen sind, für den sie nach § 157 Abs. 2 AO als unselbstständige Besteuerungsgrundlagen zu ermitteln wären, wären nicht mehrere an diesen Einkünften beteiligt.

 

Rz. 86

Einkünfte sind daher grundsätzlich für denjenigen Zeitraum festzustellen, für den sie ermittelt werden. Ermittlungszeitraum ist nach § 2 Abs. 7 S. 2 EStG grundsätzlich das Kj., bei Land- und Forstwirten sowie bei Gewerbetreibenden ist jedoch nach § 4a Abs. 1 EStG Gewinnermittlungszeitraum das Wirtschaftsjahr. Daraus folgt:

  • Der Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit sowie die Überschüsse für die Überschusseinkünfte sind für das Kj. festzustellen.
  • Der Gewinn aus Gewerbebetrieb ist für das Wirtschaftsjahr festzustellen.[1] Ist das Wirtschaftsjahr gleich dem Kj., ist der für das Wirtschaftsjahr festgestellte Gewinn identisch mit dem Gewinn, der für das Kj. steuerlich zu erfassen ist. Bei abweichendem Wirtschaftsjahr gilt dies ebenfalls, da der Gewinn des abweichenden Wirtschaftsjahres nach § 4a Abs. 2 Nr. 2 EStG einem einzigen Kj. zuzurechnen ist (dem, in dem das abweichende Wirtschaftsjahr endet); vgl. BFH v. 14.9.1978, IV R 49/74, BStBl II 1979, 159; BFH v. 27.9.1979, IV R 89/76, BStBl II 1980, 94. Allerdings treten Probleme auf, wenn in der Feststellung Besteuerungsgrundlagen zu erfassen sind, die nicht zum Bereich des Gewinns gehören. Leistet eine Personengesellschaft etwa außerhalb des Wirtschaftsjahres (z. B. dem abweichenden Wirtschaftsjahr 00/01), aber innerhalb des Kalenderjahres (im Beispiel: Kj. 01) gemeinnützige Spenden, stellt sich die Frage, in welcher Gewinnfeststellung diese Spenden festzustellen sind.[2] Um einen abflussgerechten Abzug der Spenden bei den Gesellschaftern sicherzustellen, muss die Spende in der Feststellung des Wirtschaftsjahres 00/01 erfasst werden, weil sie nur dann bei den Gesellschaftern im Kj. 01 als Sonderausgaben abgezogen werden können. Es muss daher angenommen werden, dass die Feststellung auf den Schluss des Kalenderjahres erfolgt und in dieser Feststellung das Ergebnis des abweichenden Wirtschaftsjahres 00/01 sowie sonstige Besteuerungsgrundlagen des Jahres 01 erfasst werden, für die das Abflussprinzip gilt. Aus dieser Regelung folgt, dass nur eine Feststellung vorzunehmen ist, wenn in einem Kj. zwei Wirtschaftsjahre enden (Rumpfwirtschaftsjahr). Die gesonderte Feststellung erfasst dann das abweichende Wirtschaftsjahr und das Rumpfwirtschaftsjahr[3]; das abweichende Wirtschaftsjahr gelte nach § 4a Abs. 1 EStG nur für die Gewinne, nicht für die Einkünfteermittlung; daher sei der Gewinn jedes Rumpfwirtschaftsjahres zwar selbstständig zu ermitteln, dann seien die Einkünfte von mehreren in einem Veranlagungszeitraum endenden Wirtschaftsjahre aber auch dann in einer Feststellung zu erfassen, wenn dadurch der Feststellungszeitraum mehr als 12 Monate beträgt. Die Gewinne der Rumpfwirtschaftsjahre seien also jeweils einem Kj. als Einkünfte zuzuordnen und als Einkünfte dieses Kalenderjahres gesondert festzustellen).
  • Unklar ist dagegen der Feststellungszeitraum für Gewinne aus Land- und Forstwirtschaft. Nach dem Wortlaut des Gesetzes müsste auch dieser Gewinn für das Wirtschaftsjahr festgestellt werden, das i. d. R. nach § 4a Abs. 1 Nr. 1 EStG ein abweichendes Wirtschaftsjahr ist.[4] Da bei Land- und Forstwirtschaft der Gewinn nicht einem, sondern zeitanteilig zwei Kalenderjahren zuzuordnen ist, mit Sonderregelung für Veräußerungsgewinne, würde dies bedeuten, dass die Entscheidung über die Zuordnung zu dem einzelnen Kj., sowie die Höhe des in einem Kj. zu versteuernden Gewinns, bei der ESt-Veranlagung zu treffen wäre. Dies könnte zu abweichenden Entscheidungen führen. Die Rspr. geht deshalb, abweichend vom Gesetzeswortlaut, davon aus, dass die Feststellung den für ein Kj. zu versteuernden Gewinn umfassen müsse, also aus Teilen des Gewinns zweier Wirtschaftsjahre zusammengesetzt sei (oder noch mehr Wirtschaftsjahre, wenn Rumpfwirtschaftsjahre bestehen); vgl. BFH v. 19.7.1984, IV R 87/82, BStBl II 1985, 149; BFH v. 25.4.1985, IV R 135/84, BFH/NV 1987, 278; FG Rheinland-Pfalz v. 29.6.1983, 1 K 44/83, EFG 1984, 358.
 

Rz. 87

Das bedeutet, dass die Nichterfassung eines Betrags in der gesonderten Feststellung eines Jahres nicht bedeuten muss, dass dieser Betrag überhaupt nicht erfasst wird; er kann...

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