Tarif und Steuersatz

Zusammenfassung

 
Überblick

Der geltende Einkommensteuertarif ist ein progressiver Tarif. Er beginnt für den VZ 2019 mit einem Eingangssteuersatz von 14 %, wenn der Grundfreibetrag überschritten wird. Danach steigt der Steuersatz stetig an, bis der Spitzensteuersatz erreicht ist. Dieses stetige Ansteigen des Steuersatzes mit steigendem Einkommen wird Steuerprogression genannt. Es wird davon ausgegangen, dass die Leistungsfähigkeit mit steigendem Einkommen überproportional zunimmt. Für Steuerpflichtige, deren zu versteuerndes Einkommen mehr als 265.327 EUR (bzw. 530.654 EUR für Ehegatten) beträgt, gilt ein um 3 % erhöhter Spitzensteuersatz von 45 % (sog. Reichensteuer).

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzlich ist der Einkommensteuertarif in § 32a EStG geregelt. Weitere gesetzliche Grundlagen finden sich in den §§ 32b, 32c und 32d EStG.

1 Tarifzonen

Der Einkommensteuertarif hat 5 Tarifzonen. Dargestellt ist der Tarif des Jahres 2019 für Alleinstehende (Grundtarif). Bei Verheirateten, die zusammen veranlagt werden, gilt jeweils der 2-fache Betrag (Splittingtarif):

  • Tarifzone I (Nullzone): steuerfreier Grundfreibetrag (Existenzminimum) von 9.168 EUR;
  • Tarifzone II: erste linear-progressive Zone von 9.169 EUR bis 14.254 EUR mit einem von 14 % auf 23,97 % steigenden Grenzsteuersatz;
  • Tarifzone III: zweite linear-progressive Zone von 14.255 EUR bis 55.960 EUR mit einem von 23,97 % auf 42 % steigenden Grenzsteuersatz;
  • Tarifzone IV: erste Proportionalzone von 55.961 EUR an mit konstantem Grenzsteuersatz von 42 %;
  • Tarifzone V: zweite Proportionalzone von 265.327 EUR an mit konstantem Grenzsteuersatz von 45 %.

2 Übersicht über die Entwicklung des Grundfreibetrags, Eingangs- und Höchststeuersatzes von 2014–2019

 
  2014 2015 2016 2017 2018 2019
Grundfreibetrag 8.354 EUR 8.472 EUR 8.652 EUR 8.820 EUR 9.000 EUR 9.168 EUR
Eingangssteuersatz 14 % 14 % 14 % 14 % 14 % 14 %
Höchststeuersatz 45 % 45 % 45 % 45 % 45 % 45 %
bei zu versteuerndem Einkommen von 250.731 EUR 250.731 EUR 254.447 EUR 256.304 EUR 260.533 EUR 265.327 EUR

Tab. 1: Entwicklung des Grundfreibetrags und des Eingangs- und Höchststeuersatzes

3 Begriffserläuterungen

▪ Grundfreibetrag

Durch den Grundfreibetrag soll das notwendige Existenzminimum von der Steuer freigestellt werden und damit dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechen.

▪ Durchschnittssteuersatz

Der durchschnittliche Steuersatz ermittelt sich, indem die Steuer durch das zu versteuernde Einkommen dividiert wird.

▪ Progressionszone

In der Progressionszone steigt der Steuersatz mit steigendem Einkommen an.

▪ Spitzensteuersatz

Der Spitzensteuersatz drückt die maximale Belastung des zu versteuernden Einkommens aus.

▪ Proportionalzone

Bleibt der Steuersatz gleich, spricht man von einer Proportionalzone.

▪ Grenzsteuersatz

Der Grenzsteuersatz ergibt sich, wenn die Einkommensteuerbelastung eines Mehr- oder Minderbetrags des jeweiligen zu versteuernden Einkommens festgestellt werden soll.

 
Praxis-Beispiel

Grenzsteuersatz berechnen

Ein lediger Arbeitnehmer hat ein zu versteuerndes Einkommen i. H. v. 20.000 EUR. Aufgrund einer Gehaltserhöhung erhöht sich sein zu versteuerndes Einkommen um 500 EUR. Nach dem Grundtarif fallen für 2019 folgende Steuerbeträge an:

 
▪ zu versteuerndes Einkommen  
20.000 EUR = 2.414 EUR
▪ zu versteuerndes Einkommen  
20.500 EUR = 2.547 EUR

Die zusätzlichen 500 EUR werden mit 133 EUR belastet. Der Grenzsteuersatz der letzten 500 EUR beträgt somit 26,6 %.

4 Anwendung des Einkommensteuertarifs

Für zu versteuernde Einkommen ist die Steuer nach § 32a Abs. 1 EStG zu berechnen. Für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, ist die Einkommensteuer nach § 32a Abs. 5 EStG zu berechnen.

Der Splittingtarif nach § 32a Abs. 5 EStG ist auch in folgenden Fällen anzuwenden:

  • Bei einem verwitweten Steuerpflichtigen für den Veranlagungszeitraum, der dem Kalenderjahr folgt, in dem der Ehegatte verstorben ist, wenn der Steuerpflichtige und sein verstorbener Ehegatte im Zeitpunkt seines Todes die Voraussetzungen für die Zusammenveranlagung erfüllt haben. Mit dieser Regelung sollen für das Todesjahr und das Folgejahr Härten abgemildert werden, die in dem Übergang vom Splittingverfahren zur Besteuerung nach dem Grundtarif liegen.
  • Der Splittingtarif ist nach Auflösung der Ehe anzuwenden, wenn

    • die Voraussetzungen der Zusammenveranlagung zu einem Zeitpunkt im Kalenderjahr vorgelegen haben und die Ehe aufgelöst wurde (Tod, Scheidung etc.),
    • der überlebende bzw. geschiedene Ehegatte im gleichen Kalenderjahr wieder geheiratet hat und
    • die Ehegatten der neuen Ehe ebenfalls die Voraussetzungen der Zusammenveranlagung erfüllen.

Ob die Besteuerung Alleinerziehender nach dem Grundtarif anstelle einer Besteuerung nach dem Splittingtarif gegen das Grundgesetz verstößt, sollte das BVerfG in dem anhängigen Verfahren 2 BvR 221/17 klären. Das Gericht hat die Sache aber nicht zur Entscheidung angenommen (Beschluss v. 18.9.2018).

 
Wichtig

Kein Splittingtarif bei Einzelveranlagung von Ehegatten

§ 32a Abs. 6 Satz 2 EStG schließt den Splittingvorteil nach § 32a Abs. 6 EStG bei der Einzelveranlagung von Ehegatten aus.

5 Besonderheiten

Für außerordentliche Einkünfte wird auf Antrag die s...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge