Schwarz/Pahlke, AO Vorbemerkungen zu §§ 385–408

1 Allgemeines

 

Rz. 1

Die AO regelt im 3. Abschnitt des 8. Teils nur Ergänzungen zum allgemeinen Strafverfahrensrecht.[1] Mit dem hier gegebenen Überblick soll die Systematik des allgemeinen Strafverfahrensrechts dargestellt werden, um die Einordnung und das Verständnis der Sonderregelungen in der AO zu erleichtern.

2 Überblick über das allgemeine Strafverfahren

2.1 Gliederung des Strafverfahrens

 

Rz. 2

 

Rz. 3

 

Rz. 4

2.2 Aufgabe des Strafverfahrens

 

Rz. 5

Das materielle Strafrecht normiert die Merkmale der strafbaren Handlung und droht die Rechtsfolgen des Fehlverhaltens an.[1] Die Durchsetzung der staatlichen Strafgewalt erfolgt im Strafverfahren. Das Strafverfahrensrecht ist die Summe der Rechtsnormen, in denen die im Strafverfahren tätigen Organe und Personen bestimmt werden (Strafgerichtsverfassungsrecht; s. z. B. Rz. 23) und das Verfahren beschrieben wird, in dem die Organe der Justiz diese Strafgewalt ausüben.[2] Das Strafverfahren i. e. S. [3] ist ein rechtlich geordnetes Verfahren, in dem versucht werden soll, die materielle Wahrheit über den Geschehensablauf zu ermitteln und durch eine gerichtliche Entscheidung den Rechtsfrieden wiederherzustellen. Gleichzeitig werden die Grenzen normiert, die dem staatlichen Eingriffsrecht zum Schutz des Bürgers gezogen sind.

[2] Strafverfahrensrecht i. w. S.; s. Rz. 7.
[3] S. Rz. 8.

2.3 Rechtscharakter des Strafverfahrens und Rechtsweg

 

Rz. 6

Das Strafverfahrensrecht ist formelles Recht zur Durchsetzung des materiellen Strafrechts.[1] Weil das Verfahren der staatlichen Organe der Rechtspflege geregelt wird, ist es seiner Rechtsnatur nach Teil des öffentlichen Rechts. Das Strafverfahren ist ein besonderes öffentlich-rechtliches Verfahren, aber kein Verwaltungsverfahren.[2]

 

Rz. 6a

Ermittlungsmaßnahmen der Strafverfolgungsorgane im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren[3] sind demgemäß keine Abgabenangelegenheiten i. S. v. § 347 Abs. 2 AO, sodass der Finanzrechtsweg hierfür nicht gegeben ist,[4] sondern es ergibt sich die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte.[5]

 

Rz. 6b

Soweit die Finanzbehörde Funktionen im Strafverfahren wahrnimmt,[6] ist sie ihrem Charakter nach nicht Verwaltungsbehörde, sondern Strafverfolgungsorgan,[7] sodass auch im Steuerstrafverfahren der Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten gegeben ist.[8]

Wegen des Rechtswegs bei Ermittlungsmaßnahmen der Steuer- bzw. Zollfahndung (s. Rz. 17) s. § 208 AO Rz. 14, 22, 31.

[1] S. Rz. 5.
[2] S. auch Vor §§ 78–133 AO Rz. 11; § 385 AO Rz. 1.
[3] S. Rz. 8, 18.
[5] § 385 Abs. 1 AO i. V. m. § 13 GVG; s. Vor §§ 347–368 AO Rz. 4.
[6] S. Rz. 14.
[7] S. Vor §§ 385–408 AO Rz. 14; § 386 AO Rz. 2.

2.3.1 Strafverfahren im weiteren Sinn

 

Rz. 7

Das Strafverfahren i. w. S. [1] gliedert sich in zwei Verfahrensabschnitte:

  • Der erste Hauptabschnitt ist das Erkenntnisverfahren, in dem der Sachverhalt durch die Strafverfolgungsorgane festgestellt und durch das Strafgericht die Rechtsfolge ausgesprochen wird.[2]
  • Der zweite Hauptabschnitt ist das Vollstreckungsverfahren, in dem der gerichtliche Strafausspruch realisiert wird.[3] Mit Rechtskraft der gerichtlichen Entscheidung schließt sich dieses im Fall der Verurteilung an das Erkenntnisverfahren an.
[1] S. Rz. 2.
[2] S. Rz. 8.

2.3.2 Strafverfahren im engeren Sinn

 

Rz. 8

Das Strafverfahren i. e. S. ist das Erkenntnisverfahren,[1] in dem wiederum zwei Verfahrensabschnitte zu unterscheiden sind:

[1] S. Rz. 5, 7.

2.3.2.1 Behördliches Ermittlungsverfahren

 

Rz. 8a

Das strafrechtliche Ermittlungsverfahren wird im ersten Verfahrensabschnitt durch die Strafverfolgungsbehörden geführt. Es ist grundsätzlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft.[1] Die erforderlichen Ermittlungen kann der Staatsanwalt entweder selbst vornehmen oder durch das Amtsgericht bzw. durch Ermittlungspersonen vornehmen lassen. Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft wird im steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren auch von der Finanzbehörde i. S. v. § 386 AO als Strafverfolgungsorgan wahrgenommen.[2]

 

Rz. 8b

Der Beginn des Ermittlungsverfahrens erfolgt durch die Einleitung des Strafverfahrens.[3]

Der Abschluss des Ermittlungsverfahrens ist abhängig vom Ermittlungsergebnis. Das Verfahren endet durch:

  • Einstellung des Verfahrens,[4]
  • Absehen von der Strafverfolgung nach § 398a AO in den Fällen der Selbstanzeige, in denen der verkürzte Betrag oder der Steuervorteil pro Tat einen Betrag von 25.000 EUR übersteigt,[5]
  • Erhebung der Anklage. Diese erfolgt entweder durch Übersendung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft an das Gericht mit dem Antrag auf Anberaumung der Hauptverhandlung oder durch einen Strafbefehlsantrag.[6]

2.3.2.2 Gerichtliches Verfahren

 

Rz. 9

An das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren[1] schließt das gerichtliche Verfahren beim Strafgericht[2] an, in dem wiederum zwei Verfahrensabschnitte zu unterscheiden sind.

[1] S. Rz. 8.
[2] S. hierzu § 391 AO Rz. 4, 6.

2.3.2.2.1 Zwischenverfahren

 

Rz. 9a

Nach Eingang der Anklageschrift entscheidet das Strafgericht[1] über die Zulassung der Anklage.[2] Dieses Zwischenverfahren endet entweder mit der Ablehnung der Eröff...

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