Zusammenfassung

 
Begriff

Bei einem Reihengeschäft schließen mehrere Unternehmer über denselben Gegenstand Liefergeschäfte ab, und die Ware gelangt durch eine Beförderung/Versendung unmittelbar vom ersten Lieferanten an den letzten Abnehmer in der Reihe. Bei grenzüberschreitenden Reihengeschäften kommt eine Steuerbefreiung für Ausfuhr- oder innergemeinschaftliche Lieferungen nur für eine sog. "Lieferung mit Warenbewegung" in Betracht. Die anderen Lieferungen sind steuerpflichtig.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Die wichtigsten Rechtsquellen bzw. Verwaltungsanweisungen sind § 3 Abs. 6 Satz 5 und 6 UStG (ab 1.1.2020: § 3 Abs. 6a UStG), Abschn. 3.14 UStAE bzw. für innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäfte § 25b UStG und 25b.1 UStAE.

Durch das Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften ("JStG 2019") wird das Reihengeschäft in einem neuen § 3 Abs. 6a UStG geregelt.

1 Wann liegt ein Reihengeschäft vor?

Ein umsatzsteuerliches Reihengeschäft liegt vor, wenn mehrere Unternehmer über denselben Gegenstand Liefergeschäfte abschließen und diese dadurch erfüllen, dass der Liefergegenstand durch einen am Reihengeschäft beteiligten Unternehmer körperlich unmittelbar vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer befördert oder versendet wird.[1] Das erforderliche unmittelbare Gelangen ist auch gegeben, wenn die Beförderung oder Versendung an einen – nicht unmittelbar in die Liefervorgänge eingebundenen – beauftragten Dritten ausgeführt wird (z. B. an Lohnveredeler oder Lagerhalter).

Wird der Liefergegenstand durch einen vom Lieferer beauftragten Dritten vorher be- oder verarbeitet, ist Gegenstand der Lieferung der be- oder verarbeitete Gegenstand.

Erfolgt die Beförderung oder Versendung durch mehrere beteiligte Unternehmer ist kein un­mittelbares Gelangen und somit kein Reihengeschäft gegeben (sog. gebrochene Beförderung/Versendung).[2]

 
Praxis-Beispiel

Kein Reihengeschäft bei gebrochener Beförderung/Versendung

Unternehmer D 1 aus München veräußert eine Maschine an den Unternehmer D 2 aus Hamburg, der die Maschine an Unternehmer S aus Schweden weiterverkauft. Vereinbarungsgemäß bringt D 1 die Maschine zu D 2 nach Hamburg. S beauftragt einen Reeder, die Maschine von Hamburg nach Schweden zu verschiffen. S verwendet gegenüber D 2 seine schwedische USt-IdNr.

Vorliegend handelt es sich um eine gebrochene Beförderungs- und Versendungslieferung und somit nicht um ein Reihengeschäft. Beide Lieferungen gelten als am Abgangsort Deutschland bewirkt.

Die Lieferung 1 des D 1 ist nicht nach § 6a UStG steuerfrei, da weder der Lieferer D 1 noch sein Abnehmer D 2 die Maschine nach Schweden befördert oder versendet haben.

Die Lieferung 2 des D 2 an S ist steuerfrei nach § 6a UStG, da die Versendung vom Abgangsort Hamburg nach Schweden durch den S als Abnehmer des D 2 erfolgte.

 
Wichtig

Fiktive Reihengeschäfte bei Einbeziehung elektronischer Schnittstellen

Ab dem 1.7.2021 gibt es eine neue Sonderform von Reihengeschäften, die sog. fiktiven Reihengeschäfte bei Einbeziehung von Betreibern elektronischer Schnittstellen (Marktplätze) in Lieferketten. Nach § 3 Abs. 3a Satz 1 UStG werden Unternehmer, die mittels ihrer elektronischen Schnittstelle Lieferungen von Gegenständen durch einen nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmer an einen Nichtunternehmer unterstützen, deren Beförderung oder Versendung im Gemeinschaftsgebiet beginnt und endet, so behandelt, als ob sie diese Gegenstände für ihr Unternehmen selbst erhalten und geliefert hätten. Gleiches gilt nach § 3 Abs. 3a Satz 2 UStG für die Unterstützung von Fernverkäufen von aus dem Drittlandsgebiet eingeführten Gegenständen in Sendungen mit einem Sachwert von höchstens 150 EUR mittels einer elektronischen Schnittstelle. Obwohl tatsächlich nur ein einziges Verkaufsgeschäft vorliegt, werden für umsatzsteuerliche Zwecke zwei Lieferungen fingiert, indem eine (erste) Lieferung von dem Unternehmer an den Betreiber der elektronischen Schnittstelle sowie eine (zweite) Lieferung von dem Betreiber der elektronischen Schnittstelle an den Enderwerber angenommen werden.[3]

2 Nicht grenzüberschreitende Reihengeschäfte

Wenn beim Reihengeschäft der Liefergegenstand im Herkunftsland bleibt, d. h. nicht grenzüberschreitend geliefert wird, ist die umsatzsteuerliche Behandlung aller Lieferungen einfach. Dann unterliegen alle Lieferungen der Reihe der Umsatzsteuer des Herkunftslands, aus dem die Ware stammt und wo sie verbleibt – unabhängig von der Nationalität des Lieferers.

 
Praxis-Beispiel

Liefergegenstand geht nicht über die Grenze

Der deutsche Bauunternehmer D 1 erstellt in Frankreich ein Gebäude. D 1 bestellt beim deutschen Baustoffhändler D 2 Baumaterial. D 2 bestellt das Baumaterial beim französischen Hersteller F. F liefert im Auftrag des D 2 direkt auf die Baustelle des D 1 in Frankreich.

Folge: Die Ware bleibt nach Auslieferung im Reihengeschäft in Fr...

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