Präsentismus und Präsentism... / 3.2 Generelle Ansatzpunkte

Es lassen sich verschiedene grundsätzliche Ebenen unterscheiden: verhaltens- und verhältnisbezogene Maßnahmen, Angebote unterschiedlicher Intensität und Wirkungsbreite. Verhaltensbezogene Maßnahmen können auf 3 Ebenen stattfinden:

  • Informationsangebote,
  • Kurse und Gruppenangebote,
  • Einzelberatungen.

In dieser Reihenfolge nimmt – i. Allg. – die Wirksamkeit zu, ebenfalls die Kosten.

Von besonderer Bedeutung ist die Kommunikation der Angebote. Mitarbeiter müssen erfahren, welche Angebote für sie und ihr Gesundheitsproblem geeignet sind. Hier ist die betriebsinterne Kommunikation gefordert.

 

Praxis-Beispiel

Was hilft wem?

Viele Menschen mit Schlafstörungen wissen nicht, dass es für sie hilfreich sein kann, eine Entspannungsmethode zu erlernen. Das gilt ebenso für gestresste Mitarbeiter.

Es ist bekannt, dass ein großer Teil der Menschen mit Allergien noch nie oder seit langer Zeit nicht mehr deswegen beim Arzt war, schon gar nicht bei einem Facharzt. Ebenso unbekannt sind vielen Betroffenen neue Therapiemethoden, z. B. Medikamente, die nicht mehr müde machen.

Menschen bevorzugen unterschiedliche Verhaltensänderungsmethoden und sind mit unterschiedlichen Methoden erfolgreich, z. B.

  • nehmen sie etwas ganz für sich in Angriff,
  • bevorzugen die Unterstützung in einer Gruppe oder
  • ziehen die 1:1-Beratung vor.

Außerdem ist davon auszugehen, dass die Betroffenen sich in verschiedenen Phasen der Vorbereitung (Preparedness) befinden. Deshalb wäre es ideal, wenn alle Angebotsebenen zur Verfügung stünden. Da das in den seltensten Fällen realistisch ist, können in der Befragung zur Gesundheitssituation im Unternehmen schon Präferenzen für Angebotsarten erfragt werden.

3.2.1 Information

Information über das Gesundheitsproblem, was ein Betroffener selbst tun kann und welche Angebote das Unternehmen schon bereit hält, sind die erste Stufe möglicher Interventionen. Die verhaltensändernde Wirkung dieser Angebote ist zwar gering, d. h., nur relativ wenige Menschen setzen Empfehlungen auch um. Da aber viele Menschen kostengünstig erreicht werden, ist der zu erwartende Effekt durchaus lohnenswert.

Bei anderen Betroffenen, z. B. bei denen in der Erwägungsphase auf der Preparedness-Skala, kann diese Art von Information eine latente Veränderungsmotivation stärken. Sie erhalten einen Anstoß, in die nächste Phase aufzusteigen. Beides verstärkt erfahrungsgemäß die Nachfrage nach bestehenden und neuen Angeboten.

Außerdem sind Informationsangebote niedrigschwellig. Sie erreichen auch Menschen, die sich nicht (gleich) zu anderen Angeboten entschließen können.

Folgende Informationsangebote sind möglich:

  • Welche Angebote sind im Unternehmen für jedes Gesundheitsproblem schon vorhanden?
  • Welche internen Stellen oder externen Kooperationspartner des Unternehmens können angesprochen werden, z. B. externe Anbieter von EAPs (Employee-Assistence-Programme)?
  • Vorträge zum Verständnis des Gesundheitsproblems und was der Einzelne selbst tun kann.
  • Gesundheitstage mit der Möglichkeit, gesundheitsrelevante Tests durchzuführen, Erstinformationen zu erhalten sowie Hinweise auf weitere Angebote.
  • Wo finde ich Broschüren oder andere Selbsthilfe-Informationen zu meinem Gesundheitsproblem, z. B. bei Krankenkassen, themenbezogenen Selbsthilfebroschüren und -bücher? Die Hinweise sollten unbedingt konkret sein, sodass die Quellen leicht gefunden werden können.
 

Wichtig

Hinweise müssen einfach zu handhaben sein

Am besten Links zu einer konkreten Webseite (Link zur Krankenkassen-Seite reicht nicht!). Ist der subjektive Aufwand zu hoch, vermindert sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Information genutzt wird, erheblich.

3.2.2 Kurse und Gruppenangebote

Gruppenangebote bieten eine individuelle Betreuung, sind aber noch nicht so personalintensiv wie Einzelberatungen und Coachings. Beispiele sind:

  • Kurse oder andere Gruppenangebote zu den Gesundheitsproblemen, z. B. Stressbewältigung, gesunder Schlaf.
  • Kurse, die bei mehreren Gesundheitsproblemen hilfreich sind, z. B. sind Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung bei nervösen Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Stress und Schlafproblemen hilfreich. Ausdauertraining mindert depressive Verstimmungen, Schlaf- und Stressprobleme.
  • Kurse, um die Ursachen für Gesundheitsprobleme zu verbessern, z. B. Führungs- und Kommunikationstrainings, systematisches Problemlösen, konstruktiver Umgang mit Konflikten.

3.2.3 Einzelberatungen und Coachings

Einzelberatungen sind die aufwendigsten Angebote, gemessen an Zeit, Personal und Kosten. Sie lohnen sich bei besonders schwierigen Problemlagen, z. B. für Menschen mit vielen Gesundheitsproblemen gleichzeitig. Auch dann, wenn die Auswirkungen von Stress- und Gesundheitsproblemen besonders groß sind, z. B. bei Führungskräften, deren Stress- und Gesundheitsprobleme häufig viele Mitarbeiter in Mitleidenschaft ziehen. Beispiele sind:

  • Angebots-Beratung: Welche Angebote sind für einen speziellen Betroffenen geeignet?
  • Themenbezogene Beratungen zu speziellen Themen, die Gesundheitsprobleme verursachen, wie Stress- und Burn-out-Management, Work-Life-Balance usw. Sie sind dann indiziert, wenn Kurse u...

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