Littmann/Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, EStG § 9a Pauschbeträge für Werbungskosten

Schrifttum:

Wenzel, Ist der Sparer-Pauschbetrag verfassungswidrig?, DStR 2009, 1182;

Seifert, Anhebung des ArbN-Pauschbetrags u Folgen für die Lohnabrechnungen, GStB 2011, 79;

Hechtner, Die politische Dezember-Lösung beim ArbN-Pauschbetrag, FR 2011, 272;

Bauhaus, Progressionsvorbehalt bei Elterngeld: Abzug des ArbN Pauschbetrages, EFG 2012, 1158;

Dürr, Progressionsvorbehalt u ArbN-Pauschbetrag, jurisPR-SteuerR 6/2015, Anm 3;

Djanani/Grossmann, Kalte Progression aufgrund fehlender Inflationskorrektur außertariflicher Abzüge u Höchstbeträge bei der ESt, StuW 2015, 33;

Gebhardt, "Progressive Steuerfreiheit" beim Elterngeld, EStB 2015, 148;

Dürr, Progressionsvorbehalt u ArbN-Pauschbetrag, jurisPR-SteuerR 6/2015, Anm 3;

Pröller, Freikarten für Ruhestandsbeamte des Bundeseisenbahnvermögens, EFG 2018, 1449.

Verwaltungsanweisungen:

R 9a EStR 2012; H 9a EStH 2017; H 9a LStH 2019.

I. Einführung

A. Entwicklung u Zweck

 

Rn. 1

Stand: EL 139 – ET: 10/2019

Die Vorschrift wurde 1955 in das Gesetz aufgenommen (zuvor § 14 EStDV aF); die 1975 geänderte Fassung galt bis 1989; die durch das SteuerreformG 1990 geänderte Fassung gilt ab 1990.

Die Höhe der Pauschalen ist wiederholt geändert worden; mit Wirkung ab 1990 wurde insb die WK-Pauschale für ArbN zum ArbN-Pauschbetrag gem Nr 1 umgestaltet und von 564 DM auf 2 000 DM angehoben.

Durch das JStG 1996 ist bei der VuV von Wohngebäuden ein Pauschbetrag nach Nr 2 eingeführt worden. Dieser Pauschbetrag ist jedoch durch das StEntlG 1999/2000/2002 v 24.03.1999 (BGBl I 1999, 402) mit Wirkung ab 01.01.1999 wieder entfallen.

Mit dem StEuglG v 19.12.2000 (BGBl I 2000, 1790) ist zum Beginn des Jahres 2002 die Euro-Umstellung erfolgt.

Durch das AVmG v 26.06.2001 (BGBl I 2001, 1310) ist § 9a S 1 Nr 3 EStG um den Hinweis auf den neuen § 22 Nr 5 EStG ergänzt worden.

Das HBeglG v 29.12.2003 (BGBl I 2003, 3076) hat den ArbN-Pauschbetrag mit Wirkung vom VZ 2004 von 1 044 EUR auf 920 EUR gesenkt. Die Herabsetzung, die Teil der Gegenfinanzierung der erfolgten Tarifabsenkung war, tangiert freilich die von § 9a EStG bezweckte Vereinfachung. Verfassungsrechtliche Bedenken ergaben sich mE aber nicht (so auch BMF v 12.03.2004, BStBl I 2004, 120).

Mit dem AltEinkG v 05.07.2004 (BGBl I 2004, 1427) entfällt der ArbN-Pauschbetrag ab dem 01.01.2005für Bezieher von Beamten- und Werkspensionen; sie erhalten nur noch den allg WK-Pauschbetrag in Höhe von 102 EUR (§ 9a S 1 Nr 1 Buchst b EStG).

Durch das G zur steuerlichen Förderung von Wachstum u Beschäftigung v 26.04.2006 (BGBl I 2006, 1091) ist § 9a S 1 Nr 1 Buchst a Hs 2 EStG angehängt worden; danach sind Aufwendungen nach § 4f EStG daneben gesondert abzuziehen (s Rn 11a).

Mit dem UnternehmensteuerreformG v 14.08.2007 (BGBl I 2007, 1912) wird § 9a S 1 Nr 2 EStG gestrichen, da der bisherige WK-Pauschbetrag in dem ab 2009 geltenden "Sparer-Pauschbetrag" gem § 20 Abs 9 EStG aufgeht (s Rn 13).

Durch das FamLeistG v 22.12.2008 (BStBl I 2009, 136) wurde der Verweis in § 9a S 1 Nr 1 Buchst a EStG auf § 4f EStG durch einen Verweis auf § 9c Abs 1 u 3 EStG ersetzt (redaktionelle Folgeänderung im Hinblick auf die Zusammenfassung der Vorschriften zu den Kinderbetreuungskosten).

Durch das JStG 2010 v 08.12.2010 (BGBl I 2010, 1768) ist § 9a S 1 Nr 3 EStG um einen Hinweis auf § 22 Nr 1b1c EStG ergänzt worden (Sicherstellung des WK-Pauschbetrages bei diesen Einkünften).

Mit dem StVereinfG v 01.11.2011 (BGBl I 2011, 2131) wurde der ArbN-Pauschbetrag von 920 EUR auf 1 000 EUR mW ab Dezember des VZ 2011 angehoben und der Verweis auf § 9c Abs 1 u 3 EStG (Kinderbetreuungskosten bis VZ 2011) gestrichen.

Durch Art 5 Nr 7 ZollkodexAnpG v 22.12.2014 (BGBl I 2014, 2417) wurde ab dem 01.01.2015 (Art 16 Abs 2 ZollkodexAnpG) in § 9a S 1 Nr 3 EStG die Bezugnahme auf § 22 Nr 1bNr 1c EStG gestrichen. Es handelt sich um eine Folgeänderung aus der Zusammenfassung der Tatbestände aus § 22 Nr 1a, 1b1c EStG in einem neuen § 22 Nr 1a EStG (BT-Drucks 18/3441, 55). Eine materielle Änderung ist damit nicht verbunden.

 

Rn. 2

Stand: EL 139 – ET: 10/2019

Zweck der Vorschrift ist die – verfassungsrechtlich gebotene – Steuervereinfachung (s nur BVerfG BStBl II 1997, 518; s zuletzt BFH BStBl II 2015, 182 mwN).

  • Auf der einen Seite soll dem StPfl der Einzelnachweis der WK und
  • andererseits dem FA die entsprechende Überprüfung erspart bleiben.

Der StPfl hat ein Recht auf die Berücksichtigung der Pauschbeträge, gleichgültig, ob er WK überhaupt oder in dieser Höhe aufgewendet hat. Insofern kann § 9a EStG zu fiktiven WK führen; FG Sa EFG 1984, 174 spricht von nicht widerlegbarer gesetzlicher Vermutung, beruhend auf einer Schätzung nach Erfahrungswerten.

Der Ansatz des Pauschbetrages kann im Einzelfall dazu führen, dass die Einkünfte bei 0 EUR liegen (FG RP v 08.12.2015, 3 K 2224/13); zur weiteren Grenzziehung s Rn 10 zu § 9a S 2 EStG. Die Pauschsätze sind WK iSd § 2 Abs 2, § 9 Abs 1 S 1 EStG.

§ 9a EStG ist lex specialis zu § 9 EStG (Oertel in Kirchhof, § 9a EStG Rz 1, 18. Aufl; vgl auch Thürmer in Blümich, § 9a EStG Rz 12 "konstitutive Sonderregelung zu § 9").

Nach der gesetzlichen...

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