Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / I. Freigrenze (§ 8 Abs 2 S 11 EStG)
 

Rn. 535

Stand: EL 129 – ET: 08/2018

Nach § 8 Abs 2 S 11 EStG bleiben nach § 8 Abs 2 S 1 EStG zu bewertende in einem Kalendermonat zufließende Sachbezüge steuerfrei, wenn der sich – nach Anrechnung der vom StPfl gezahlten Entgelte – ergebende Vorteil insgesamt 44 EUR (VZ 2002 u 2003: 50 EUR, vorher 50 DM) nicht übersteigt. Das G zur bestätigenden Regelung verschiedener steuerlicher u verkehrsrechtlicher Vorschriften des HaushaltsbegleitG 2004 (StuVRErgG) v 05.04.2011, BGBl I 2011, 554 hat durch Art 1 Nr 7 die durch das HaushaltsbegleitG 2004 erfolgten Änderungen in § 8 Abs 2 Nr 9 Abs 3 S 2 EStG bestätigt. Ausführlich dazu s Rn 9.

Barlohn ist ausnahmslos stpfl, BFH v 26.11.2002, VI R 161/01, BStBl II 2003, 331; eine Geldzuwendung liegt auch dann vor, wenn die Zahlung in ausl Währung erfolgt, BFH v 27.10.2004, VI R 29/02, BStBl II 2005, 135. Zu Warengutscheinen u Tankkarten als Sachbezug ausführlich s Rn 28. Auch auf zweckgebundene Geldleistungen des ArbG an seine ArbN findet § 8 Abs 2 S 9 EStG keine Anwendung, BFH v 27.10.2004, VI R 51/03, BStBl II 2005, 137.

Da die Freigrenze nur für die nach § 8 Abs 2 S 1 EStG zu bewertenden Sachbezüge gilt – auch soweit hierfür LSt nach § 39b Abs 2 3 EStG einbehalten wird – kann sie auf die amtlichen Sachbezugswerte u die Bewertung der privaten Pkw-Nutzung, für die § 8 Abs 2 S 2–8 EStG gilt, keine Anwendung finden (vgl R 8.1 Abs 3 S 3 LStR 2015). Außer Ansatz bleiben auch die nach § 8 Abs 2 S 2–10 Abs 3 EStG, § 3 Nr 39 EStG o nach § 19a EStG aF iVm § 52 Abs 27 EStG zu bewertenden Vorteile, R 8.1 Abs 3 S 3 LStR 2015.

Sind auf den Sachbezug andere Vergünstigungsvorschriften anwendbar, wie zB § 19a Abs 1 EStG o § 19a Abs 8 EStG aF, schränkt dies den Anwendungsbereich des § 8 Abs 2 S 11 EStG (früher Abs 9) nicht ein, BFH v 15.01.2015, VI R 16/12, BFH/NV 2015, 672; BFH v 06.07.2011, VI R 35/10, BFH/NV 2011, 1683; BFH v 10.03.2010, VI R 36/08, BFH/NV 2010, 1432.

In die Bewertung von Sachbezügen u in die Berechnung der Freigrenze von 44 EUR sind auch die sog Versand- u Handlingskosten mit einzubeziehen wenn die zugewendeten Waren direkt von einem Dritten (zB dem Schwesterunternehmen des ArbG) an die ArbN versandt werden u die Versand- u Handlingskosten auch Dritten berechnet werden, FG BdW v 08.04.2016, 10 K 2128/14, EFG 2016, 2060 (Rev BFH VI R 32/16).

 

Rn. 536

Stand: EL 129 – ET: 08/2018

Die nach § 8 Abs 2 S 1 EStG zu bewertenden Vorteile, die nach § 37b, § 40 EStG pauschal versteuert werden, bleiben bei der Prüfung der Freigrenze außer Ansatz, R 8.1 Abs 3 S 1 LStR 2015; BFH v 26.11.2002, VI R 68/01, BStBl II 2003, 492

Schließt der ArbG für die von ihm beschäftigten ArbN eine Gruppenkrankenversicherung ab u zahlt dafür die Versicherungsbeiträge, handelt es sich um Sachlohn in Form der Gewährung von Versicherungsschutz u nicht um Barlohn, wenn der ArbN aufgrund des Arbeitsvertrags von seinem ArbG ausschließlich Versicherungsschutz u nicht auch eine Geldzahlung verlangen kann, BFH v 14.04.2011, VI R 24/10, BStBl II 2011, 767. Dementsprechend kann auch die Freigrenze des § 8 Abs 2 S 11 EStG Anwendung finden; aA BMF v 10.10.2013, BStBl I 2013, 1301; Glenk in Blümich, § 8 EStG Rz 163 (Juli 2016). Auch die Gewährung von Krankenversicherungsschutz durch eine v ArbG für seinen ArbN abgeschlossene Krankenversicherung ist dann Sachlohn, wenn der ArbN aufgrund seines Arbeitsvertrages von seinem ArbG ausschließlich Versicherungsschutz verlangen kann, FG Sachsen v 16.03.2016, 2 K 192/16, EFG 2016, 1087 (Rev BFH VI R 13/16).

Nach FG MV 16.03.2017, 1 K 215/16, EFG 2017, 1254 (Rev BFH VI R 16/17) sollen auch Zahlungen des ArbG an seine ArbN, mit denen der ArbG von seinen ArbN zu zahlende Beiträge zu einer privaten Zusatzkrankenversicherung bezuschusst, dann Sachlohn darstellen, wenn ein Anspruch der ArbN auf diese Zahlungen voraussetzt, dass sie eine entsprechende Zusatzkrankenversicherung abgeschlossen haben und die v ArbG geleiteten Zuschüsse die von den ArbN gezahlten Beiträge nicht übersteigen. Dem ist nicht zu folgen, da der Anspruch der ArbN gegen den ArbG auf eine Geldleistung gerichtet ist, auch wenn insoweit eine Verwendungsabrede besteht.

Die Freigrenze ist auf pauschalierungsfähige Zukunftssicherungsleistungen des ArbG iSd § 40b EStG nicht anwendbar, BFH v 26.11.2002, VI R 68/01, BStBl II 2003, 492; Anm Pust, HFR 2003, 577; R 8.1 Abs 3 S 4 LStR 2015; BMF v 10.10.2013, BStBl I 2013, 1301. Nach dem Sinn und Zweck der Freigrenze, dem Verhältnis der Regelung in § 8 Abs 2 S 9 EStG zu § 40b EStG sowie nach dem gesetzgeberischen Willen sind davon die v ArbG als Versicherungsnehmer erbrachten, nach § 40b EStG pauschalierungsfähigen Zukunftssicherungsleistungen ausgenommen.

 

Rn. 537

Stand: EL 129 – ET: 08/2018

Wird die Freigrenze überschritten, sind sämtliche Sachbezüge in vollem Umfang stpfl. Maßgebend für die Prüfung, ob der Vorteil die 44-EUR-Freigrenze überschreitet, ist der Zufluss der Vorteile innerhalb eines Kalendermonats, R 8.1 Abs 3 S 2 LStR 2015; die Übertragung nicht ausgeschöpfter Fre...

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