Littmann/Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, EStG § 34c Steuerermäßigung bei ausländischen Einkünften

Schrifttum:

Stuhrmann, Zum StVergAbG v 16.05.2003, NJW 2003, 2200;

Müller-Dott, Zur Rechtsänderung des § 34c EStG zur Anrechnung ausl Steuern durch das StVergAbG, DB 2003, 1468;

Melchior, Das StVergAbG im Überblick, DStR 2003, 709;

Rödder/Schumacher, Das StVergAbG, DStR 2003, 805;

Hechtner, Die Anrechnung ausl Steuern im System der Schedule nach den Änderungen durch das JStG 2009, BB 2009, 76.

Verwaltungsanweisungen:

R 34c EStR 2012.

I. Einführung

A. Die Entstehungsgeschichte der Vorschrift

 

Rn. 1

Stand: EL 103 – ET: 02/2014

Das StÄndG 1956 (v 05.10.1956, BGBl I 1956, 781) schuf § 34c EStG (seit VZ 1957 anwendbar). Seit 1990 ist folgende Entwicklung zu verzeichnen:

- G zur Änderung des SteuerreformG 1990 sowie zur Förderung des Mietwohnungsbaus und von Arbeitsplätzen in Privathaushalten (v 30.06.1989, BGBl I 1989, 1267): Änderung des § 34c Abs 4 EStG.
- SteueränderungsG 1992 (StÄndG 1992 v 25.02.1992, BGBl I 1992, 297): Bei der Anrechnungsmethode (§ 34c Abs 1 EStG) wird nicht mehr auf den Gesamtbetrag der Einkünfte abgestellt, sondern auf die Summe der Einkünfte. Bei der Abzugsmethode (§ 34c Abs 2, 3 EStG) wurde der Begriff "Summe der Einkünfte" durch "Einkünfte" ersetzt.
- StandortsicherungsG (StandOG v 13.09.1993, BGBl I 1993, 1569): Einführung des Höchststeuersatzes von 23,5 % (= die Hälfte des Höchststeuersatzes für gewerbliche Einkünfte nach § 32c EStG aF von 47 %) für ausl Einkünfte beim Betrieb von Handelsschiffen im internationalen Verkehr.
- Missbrauchsbekämpfungs- u SteuerbereinigungsG (StMBG v 21.12.1993, BGBl I 1993, 2310): Keine Anrechnung bei fiktiver ausl Steuer (Ergänzung des § 34c Abs 6 S 2 EStG durch Hs 2).
- G zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform (v 29.10.1997, BGBl I 1997, 2590): Änderung des § 34c Abs 4 EStG betr die Anrechnung ausl Steuern aus dem Betrieb von Handelsschiffen im internationalen Verkehr.
- SeeschifffahrtsanpassungsG (v 09.09.1998, BGBl I 1998, 2860): Streichung des § 34c Abs 4 EStG.
- SteuerbereinigungsG 1999 (StBerG) v 22.12.1999 (BGBl I 1999, 2601): Ergänzung des § 34c Abs 6 EStG um S 4 betr den Fall, dass ein DBA-Staat Einkünfte aus einem Drittstaat besteuert.
- SteuersenkungsG (StSenkG v 23.10.2000, BGBl I 2000, 1433): Streichung des Verweises in § 34c Abs 1 S 2 EStG auf § 32c EStG wegen Aufhebung dieser Vorschrift ab VZ 2001 (§ 52 Abs 44 EStG idF StSenkG).
- G zum Abbau von Steuervergünstigungen u Ausnahmeregelungen (StVergAbG v 16.05.2003, BGBl I 2003, 660: Ersetzung des § 34c Abs 1 S 2 EStG durch S 3 u 4; Neufassung des Abs 6 – beides jeweils mit Wirkung ab VZ 2003 (Art 1 Nr 6 StVergAbG).
- JahressteuerG (JStG) 2007 (v 13.12.2006, BGBl I 2006, 2878): Neufassung des § 34c Abs 1 S 1, 2, Abs 2, 3, 6 (Art 1 Nr 25), anzuwenden ab 01.01.2007 (Art 20 Abs 6 JStG 2007).
- UnternehmensteuerreformG (UntStRefG) v 14.08.2007, BGBl I 2007, 1912): Erweiterung des Verweises in § 34c Abs 1 S 2 EStG auch auf den neu eingeführten § 34a EStG, der nicht entnommene Gewinne steuerlich begünstigt, Herausnahme des Verweises auf den nur im VZ 2007 geltenden § 32c EStG (Art 1 Nr 24, Nr 40 ab VZ 2008).
- JahressteuerG (JStG) 2008 (v 20.12.2007, BGBl I 2007, 3150): Wieder Herausnahme des Verweises auf § 34a EStG in § 34c Abs 1 S 2 EStG (Art 1 Nr 14, 37) ab VZ 2008 – offenbar eine Korrektur des Versehens aus dem UnternehmensteuerreformG.
- JahressteuerG (JStG) 2009 (v 19.12.2008, BGBl I 2008, 2794): Keine Anwendung der Anrechnungs- o Abzugsmethode auf KapVerm-Einkünfte, die der AbgSt unterliegen (§ 34c Abs 1 S 1 Hs 2, S 3 EStG nF), Einbeziehung der thesaurierten Einkünfte nach § 34a EStG in die Verhältnisrechnung (§ 34c Abs 1 S 2 EStG nF) – ab VZ 2009 (Art 1 Nr. 18, Art 1 Nr 41t JStG 2009).

B. Der Sinn u Zweck der Vorschrift

1. Die Vermeidung der Doppelbesteuerung durch völkerrechtliche Verträge

 

Rn. 2

Stand: EL 103 – ET: 02/2014

Soweit mit ausl Staaten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) bestehen, regeln diese als völkerrechtliche Verträge vorrangig (§ 2 AO, BFH BStBl II 1987, 856; BFH/NV 1988, 631; 1999, 1317), wie eine doppelte Erfassung von Einkünften im Wohnsitz- u im Quellenstaat zu vermeiden ist. Sonst wäre denkbar, dass beispielsweise ein in München ansässiger Deutscher mit Mieteinkünften in den USA in Deutschland im VZ 2012 (da sich dort sein Wohnsitz befindet u er dort mit seinem Welteinkommen erfasst wird, s § 1 Rn 1) u auch in den USA (da dort die Einkunftsquelle liegt) besteuert wird.

 

Rn. 3

Stand: EL 103 – ET: 02/2014

Art 23 des OECD-Musterabkommens (OECD-MA) sieht folgende zwei Möglichkeiten vor, die Doppelbesteuerung zu vermeiden (s Schönfeld/Ditz, DBA, Systematik Rz 50 – 52:

- Freistellungsmethode (mit Progressionsvorbehalt, s § 32b Rn 42 ff; Art 23 A OECD-MA). Dies würde im Beispielsfall bedeuten, dass Deutschland die US-Mieteinkünfte freistellt von der deutschen Besteuerung, allerdings unter Progressionsvorbehalt. Das Besteuerungsrecht für diese Einkünfte stünde dann den USA zu.
- Anrechnungsmethode (Art 23 B OECD-MA). Dies liefe darauf hinaus, dass Deutschland ebenfalls wie die USA die US-Mieteinkünfte besteuert, jedoch die darauf gezahlte US-Steuer auf die deutsche Steuer anrechnet. Durch die Anrechnungsmethode wird die Doppelbesteuerung nicht stets beseit...

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