Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / 1. Abzugsbeträge
 

Rn. 121

Stand: EL 135 – ET: 04/2019

Die Rechtsfolge des § 34 Abs 1 EStG (Progressionsglättung) erfordert, dass alle im zvE enthaltenen außerordentlichen Einkünfte von den übrigen (nicht begünstigten) Einkünfte abzugrenzen und auch getrennt zu ermitteln sind, vgl BFH v 29.10.1998, BStBl II 1999, 588.

Der sachliche Umfang der außerordentlichen Einkünfte ist daher für sich gesondert entsprechend den Bestimmungen des § 2 Abs 2 EStG iVm §§ 4–7k bzw §§ 89a EStG zu berechnen, vgl BFH v 15.12.2005, BFH/NV 2006, 723.

Es gilt, entsprechend der st Rspr des BFH der Grundsatz, dass Faktoren, welche die Höhe der Einkünfte vermindern, vorrangig durch Kürzung der tariflich zu besteuernden Einkünfte zu berücksichtigen sind. Dies dient dazu, dem StPfl die Tarifermäßigung, soweit irgend möglich, zu Gute kommen zu lassen, vgl BFH v 02.09.2008, BFH/NV 2009, 138.

Der Begriff "Einkünfte" besagt, dass es sich um eine Nettogröße handelt. Somit stellt sich die Frage, ob und inwieweit evtl Abzugsbeträge zu berücksichtigen sind.

Im Einzelnen ist wie folgt zu verfahren:

 

Rn. 122

Stand: EL 135 – ET: 04/2019

BA/WK sind von den außerordentlichen Einkünften abzuziehen, wenn sie mit diesen in unmittelbaren Zusammenhang stehen, vgl Horn in H/H/R, § 34 EStG Rz 17 (Dezember 2015); Sieker in K/S/M, § 34 EStG Rz D 4 (November 2016).

Str war die zeitliche Zuordnung von BA/WK, wenn diese nicht im VZ des Zuflusses der außerordentlichen Einkünfte anfallen. Diese Frage ist mE durch BFH v 26.08.2004, BFH/NV 2005, 277 geklärt.

Die im Zusammenhang mit Entschädigungsleistungen entstandenen BA sind für die Ermittlung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb in dem VZ zu berücksichtigen, in dem sie nach allg Grundsätzen der vom StPfl angewendeten Gewinnermittlung zu erfassen sind.

Der BFH ist damit nicht der Auffassung des FG u der Verw gefolgt, die BA im VZ der Vereinnahmung der Entschädigung zu berücksichtigen.

Für die zeitliche Zuordnung der BA/WK gelten folglich die im Einzelfall anzuwendenden Einkünfteermittlungsvorschriften. Sind die BA/WK als Folge davon in einem anderen VZ (als die außerordentlichen Einkünfte) zu erfassen, so mindern sie die dem Regeltarif des § 32a EStG unterliegenden Einkünfte, aA Sieker in K/S/M, § 34 EStG Rz D 6 (November 2016).

Der ArbN-Pauschbetrag (§ 9a S 1 Nr 1 EStG) ist nur insoweit von den außerordentlichen Einkünften abzuziehen, als er die tariflich zu besteuernden Einkünften übersteigt, vgl BFH v 29.10.1998, BStBl II 1999, 588; H 34.1 EStH 2017 "Arbeitnehmer-Pauschbetrag".

 

Rn. 123

Stand: EL 135 – ET: 04/2019

Freibeträge: Freibeträge, die explizit für die begünstigten Einkünfte gewährt werden (zB § 3 Nr 9 EStG aF für Entlassungsentschädigungen bis VZ 2005; §§ 14, 14a EStG, §§ 16 Abs 4 u 18 Abs 3 EStG) sind als sachliche Steuerbefreiung in voller Höhe von den jeweiligen begünstigten Einkünften abzuziehen, vgl BFH v 18.06.1998, BStBl II 1998, 623; Horn in H/H/R, § 34 EStG Rz 17 (Dezember 2015).

Zur Aufteilung eines Freibetrages, wenn im Veräußerungsgewinn dem Halbeinkünfteverfahren unterliegende Anteilsveräußerungen enthalten sind, s Rn 70 u 71.

Der für Luf geltende Freibetrag nach § 13 Abs 3 EStG ist zunächst von den nicht begünstigten Einkünften aus Luf abzuziehen, vgl R 34.1 Abs 1 S 5 EStR 2012. Dies gilt entsprechend für alle anderen einkunftsbezogenen Freibeträge wie zB § 19 Abs 2 EStG (Versorgungsfreibetrag) o § 20 Abs 4 EStG aF (Sparerfreibetrag) bzw § 20 Abs 9 EStG (Sparer-Pauschbetrag), vgl Horn in H/H/R, § 34 EStG Rz 17 (Dezember 2015).

Ein Abzug von den begünstigten Einkünften kommt nur insoweit in Betracht, als der Freibetrag die betreffenden lfd Einkünfte übersteigt, vgl R 34.4 Abs 3 S 3 u 4 EStR 2012.

 

Rn. 124

Stand: EL 135 – ET: 04/2019

SA/ag Belastungen und sonstige bei der Ermittlung des zvE abzugsfähigen Beträge sind ebenfalls vorrangig mit den verbleibenden nicht begünstigten Einkünften zu verrechnen, glA Sieker in K/S/M, § 34 EStG Rz D8 (November 2016).

Str war bis zur Entscheidung des BFH v 02.09.2008, BFH/NV 2009, 138, ob überschießende SA (dh SA, die sich steuerlich nicht auswirken) mit den begünstigten Einkünften verrechenbar sind.

 

Beispiel:

 
Nicht begünstigte Einkünfte EUR 18 000      
Begünstigte Einkünfte EUR 40 000      
Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 58 000      
./. SA EUR 6 000      
= zvE EUR 52 000      
zu versteuern nach Splittingtabelle EUR 12 000 Steuer: EUR 0
zu versteuern nach § 34 Abs 1 EStG EUR 40 000 Steuer: EUR 5 700

Durch den vollen Abzug der SA bei den nicht begünstigten Einkünften wirken sich wegen dem Grundfreibetrag (bei Zusammenveranlagung für 2019 EUR 18 816) EUR 6 816 steuerlich nicht aus.

Fraglich ist, ob diese steuerlich nicht wirksam gewordenen SA mit den begünstigten Einkünften verrechenbar sind.

Der BFH hat den Abzug mE zu Recht mit Verweis auf den Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung verwehrt.

Ein Altersentlastungsbetrag führt zu keiner Kürzung – auch nicht anteilig – der außerordentlichen Einkünfte, vgl BFH v 15.12.2005, BFH/NV 2006, 723.

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