Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / ab) Beginn u Ende der Berufsausbildung
 

Rn. 368

Stand: EL 137 – ET: 08/2019

Die Berufsausbildung beginnt mit der tatsächlichen Aufnahme der jeweiligen Bildungsmaßnahme, BFH v 23.11.2001, VI R 77/99, BStBl II 2002, 484. Die Schulausbildung beginnt mit dem offiziellen Beginn des Schuljahrs, H 32.5 EStH 2018 "Beginn u Ende der Berufsausbildung" iVm DA 15.10 Abs 1 S 1 DA-KG 2018; die Hochschulausbildung mit dem offiziellen Beginn des Semesters, A 15.10 Abs 9 S 1 DA-KG 2018; vgl ferner H 32.5 EStH 2018 "Beginn u Ende der Berufsausbildung". Das Referendariat beginnt im Zeitpunkt der Aushändigung der Ernennungsurkunde, soweit die Ernennung nicht mit Wirkung zu einem späteren Ernennungszeitpunkt erfolgt. Die Ausbildung beginnt nicht bereits mit der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, FG Mchn v 11.05.1999, 16 K 5546/98, EFG 1999, 846.

 

Rn. 369

Stand: EL 137 – ET: 08/2019

Der genauen Bestimmung des Beginns der Berufsausbildung bedarf es deshalb, weil das Kind entsprechend dem Monatsprinzip ab dem Zeitpunkt der Aufnahme der Berufsausbildung bis zu deren Ende zu berücksichtigen ist.

 

Rn. 370

Stand: EL 137 – ET: 08/2019

Entsprechendes gilt für das Ende der Berufsausbildung iSd § 32 Abs 4 S 1 Nr 2 Buchst a EStG. Die Berufsausbildung iSd § 32 Abs 4 S 1 Nr 2 Buchst a EStG endet erst dann, wenn das Kind sein Berufsziel erreicht hat. Davon ist der Abschluss einer beruflichen Erstausbildung iSd § 32 Abs 4 S 2 EStG zu unterscheiden, Selder in Blümich, § 32 EStG Rz 44 (Juli 2016); ausführlich dazu s Rn 530.

Ein Universitätsstudium ist regelmäßig nicht mit der letzten vom Prüfling zu erbringenden Prüfungsleistung, sondern erst mit der offiziellen schriftlichen Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses abgeschlossen, BFH v 14.12.2004, VIII R 44/04, BFH/NV 2005, 1039; H 32.5 EStH 2018 "Beginn u Ende der Berufsausbildung"; A 15.10 Abs 9 S 2 DA-KG 2018.

Muss das Kind die Prüfung wiederholen, ist auch die erneute Vorbereitungszeit als Hochschulausbildung anzusehen, sofern sich das Kind zu dem nächsten Prüfungstermin, für den es erstmals wieder zur Prüfung zugelassen werden kann, zur Prüfung gemeldet hat, H 32.5 EStH 2018 "Beginn u Ende der Berufsausbildung"; A 15.10 Abs 10 S 2 DA-KG 2018. Eine längere Vorbereitungszeit zählt nur dann zur Hochschulausbildung, wenn sich das Kind auf Anraten der Prüfungskommission zu einem späteren Prüfungstermin meldet, H 32.5 EStH 2018 "Beginn u Ende der Berufsausbildung"; A 15.10 Abs 10 S 4 DA-KG 2018.

Ob ein Kind sich in dem Zeitraum zwischen der Exmatrikulation u der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses noch in einer Berufsausbildung befindet, bestimmt sich nach BFH v 26.04.2011, III B 191/10, BFH/NV 2011, 1139 nach den Umständen des Einzelfalls. Trotz Aufnahme einer Vollzeiterwerbstätigkeit u fehlender Eingliederung in den Universitätsbetrieb kann ein exmatrikulierter Student seine Ausbildung fortführen.

Stellt das Kind einen Antrag auf Exmatrikulation, erfolgt die Beendigung des Studiums nach FG RP v 08.02.2007, 2 K 2214/05, DStRE 2007, 1013 nicht bereits mit dem Monat der Antragstellung, sondern erst zum Ende des Semesters. Nach FG MV v 18.10.2018, 3 K 65/17 (Rev BFH III R 65/18) endet die Berufsausbildung bereits dann, wenn das Kind ein Studium – ungeachtet einer fortbestehenden Immatrikulation – durch Nichtantritt zur letztmaligen Prüfung endgültig abgebrochen hat. Nach Maßgabe der Entscheidung des BFH v 14.09.2017, III R 19/16, BStBl II 208, 131 erscheint es nahe liegend, dass der BFH die Auffassung vertritt, dass das Studium in einem solchen Fall erst mit der Exmatrikulation endet.

 

Rn. 371

Stand: EL 137 – ET: 08/2019

In Handwerksberufen wird die Berufsausbildung mit bestandener Gesellenprüfung, in anderen Lehrberufen mit der Gehilfenprüfung abgeschlossen, sofern keine Weiterqualifizierung beabsichtigt ist.

Die Berufsausbildung endet erst nach endgültigem Nichtbestehen der letztmöglichen Wiederholungsprüfung, FG He v 23.02.2006, 2 K 644/03, DStRE 2006, 1452. Beabsichtigt das Kind, sich einer Wiederholungsprüfung außerhalb des Ausbildungsverhältnisses zu unterziehen, ist der Zeitraum der Vorbereitung auf die Wiederholungsprüfung nur dann als Berufsausbildung zu berücksichtigen, wenn eine ernsthafte Prüfungsvorbereitung nachgewiesen wird; eine solche wird nach BFH v 02.04.2009, III R 85/08, BStBl II 2010, 298 vermutet, wenn das Kind die Wiederholungsprüfung besteht. Aber auch dann, wenn das Kind die Wiederholungsprüfung nicht besteht, ist bei entsprechenden Nachweisen eine Berücksichtigung möglich, BFH v 24.09.2009, III R 70/07, BFH/NV 2010, 617.

Ist die Ausbildung durch Rechtsvorschrift festgelegt, endet eine Berufsausbildung nicht bereits mit der Bekanntgabe des Ergebnisses der Abschlussprüfung, sondern erst mit Ablauf der durch Rechtsvorschrift festgelegten Ausbildungszeit, BFH v 14.09.2017, III R 19/16, BStBl II 208, 131. Nach Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses bei vorgezogener Abschlussprüfung erfolgt dann keine Berufsausbildung, wenn die praktische Ausbildung bis zum Ende der vorgesehenen Ausbildungszeit nicht fortgesetzt wird, BFH v 28.01.1010, I...

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