Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / 1. Existenzminimum des Kindes
 

Rn. 196

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

Das Existenzminimum eines Kindes umfasst neben dem sächlichen Existenzminimum auch die Bedarfe des Kindes für Betreuung u Erziehung o Ausbildung.

 

Rn. 197

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

Das sächliche Existenzminimum des Kindes bemisst sich nach dem existenznotwendigen Bedarf des Kindes. Dieser Bedarf bemisst sich typisierend für alle Altersstufen u für das gesamte Bundesgebiet einheitlich anhand der sozialhilferechtlichen Leistungen, welche verbrauchsbezogen ermittelt u regelmäßig den veränderten Lebensverhältnissen angepasst werden (BVerfG v 29.05.1990, BvL 20/84, 1 BvL 26/84, 1 BvL 4/86, BStBl II 1990, 653, 660; BVerfG v 14.06.1994, 1 BvR 1022/88, BStBl II 1994, 909, 915; BVerfG v 10.11.1998, 2 BvL 42/93, BStBl II 1999, 174, 179, krit dazu: Dziadkowski, BB 1999, 1409; Kanzler in H/H/R, § 31 EStG Rz 25 (Oktober 2014)).

 

Rn. 198

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

Der existenznotwendige Bedarf setzt sich aus dem Durchschnitt der altersgestaffelten Regelsätze, einmaligen Leistungen, Miete u Heizkosten zusammen (BVerfG v 29.05.1990, 1 BvL 20/84, 1 BvL 26/84, 1 BvL 4/86, BStBl II 1990, 653/660; BVerfG BStBl II 1999, 174, 179). Dabei ist der Wohnbedarf nach der Mehrbedarfsmethode zu ermitteln (BVerfG v 10.11.1998, 2 BvL 42/93, BStBl II 1999, 174/179, BStBl II 1999, 174, 179).

Das steuerliche Existenzminimum darf das nach sozialhilferechtlichen Kriterien definierte nicht unterschreiten (BVerfG v 10.11.1998, 2 BvL 42/93, BStBl II 1999, 174, 179, anders noch BVerfG v 14.06.1994, 1 BvR 1022/88, BStBl II 1994, 909).

 

Rn. 199

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

Zur Höhe des Existenzminimums von Kindern vgl die Berichte der BReg v 02.02.1995 (BT-Drucks 13/381) für 1996, v 17.12.1997 (BT-Drucks 13/9561) für 1999, v 04.01.2000 (BT-Drucks 14/1926 u 14/2770) für 2001, v 04.12.2001 (BT-Drucks 14/7765 (neu) für 2003, v 05.02.2004 (BT-Drucks 15/2462für 2005), v 02.11.2006 (BT-Drucks 16/3265) für 2008, v 21.11.2008 (BT-Drucks 16/11065) für 2010, 8. Existenzminimumbericht v 30.05.2011 (BT-Drucks 17/5550) für 2012.

Nach dem 9. Existenzminimumbericht v 07.11.2012 (BT-Drucks 17/11425 hätte ab dem VZ 2014 der einfache Kinderfreibetrag von 2 184 EUR auf mindestens 2 220 EUR angehoben werden müssen, die Anhebung der Kinderfreibeträge ist jedoch erst zum VZ 2015 erfolgt, FG Nds v 02.12.2016, 7 K 83/16, EFG 2017, 668 (BVerfG 2 BvL 3/17), vgl auch FG Nds v 16.02.2016 aufgehoben durch BFH v 21.07.2016, V B 37/16, BStBl II 2017, 28).

Nach dem 10. Existenzminimumbericht v 30.01.2015 (BT-Drucks 18/3893) über die Höhe des steuerfrei zu stellenden Existenzminimums von Erwachsenen u Kindern für die Jahre 2015 und 2016 war der Kinderfreibetrag in den VZ 2015 und 2016 um mindestens 144 EUR im Jahr 2015 u um mindestens 240 EUR im Jahr 2016 anzuheben.

Nach dem 11. Existenzminimumbericht v 02.11.2016, (BT-Drucks 18/10220) sind bereits für den VZ 2017 4 716 EUR und für den VZ 2018 4 788 EUR steuerfrei zu stellen. Nach dem 12. Existenzminimumbericht v 09.11.2018 (BT-Drucks 19/5400) beträgt das sächliche Existenzminimum eines Kindes im Jahr 2019 4896 EUR und im Jahr 2020 5 004 EUR. Zur grds Kritik an der Ermittlung des steuerlichen Kinderfreibetrags vgl den Vorlagebeschluss des Nds FG v 02.12.2016, 7 K 83/16 (BVerfG 2 BvL 3/17).

 

Rn. 200

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Neben das sächliche Kinderexistenzminimum tritt der Betreuungsbedarf des Kindes (BVerfG v 10.11.1998, 2 BvR 1057/91, 2 BvR 1226/91, 2 BvR 980/91, BStBl II 1999, 182, 188), der als Bestandteil des kindbedingten Existenzminimums steuerlich zu verschonen ist.

Darauf, wie dieser Betreuungsbedarf gedeckt wird, ob durch persönliche Betreuung o (zeitweilig) Fremdbetreuung, kommt es nicht an. Der Betreuungsbedarf ist unabhängig davon, ob Aufwendungen entstehen, zu berücksichtigen (krit dazu Kanzler, FR 1999, 159; Seer/Wendt, NJW 2000, 1904, 1907). Aufgrund der genannten Entscheidung des BVerfG hat der Gesetzgeber zum 01.01.2000 den Betreuungsfreibetrag in § 32 Abs 6 EStG geregelt.

 

Rn. 201

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

Zusätzlich hat das BVerfG auch die steuerliche Anerkennung eines Erziehungsbedarfs des Kindes gefordert, der die Aufwendungen der Eltern abdeckt, die dem Kind seine persönliche Entfaltung u Entwicklung ermöglichen (BVerfG v 10.11.1998, 2 BvR 1057/91, 2 BvR 1226/91, 2 BvR 980/91, BStBl II 1999, 182, 191). Dem hat der Gesetzgeber mit dem 2. FamFördG u der Einführung eines einheitlichen Freibetrags für den Betreuungs- u Erziehungs- o Ausbildungsbedarf ab dem VZ 2002 Rechnung getragen.

 

Rn. 202–209

Stand: EL 138 – ET: 09/2019

vorläufig frei

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