Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / c) Vorliegen einer vGA

ca) Vermögensvorteil

 

Rn 291

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

Ein Vermögensvorteil kann jeder Vorteil in Geld o Geldeswert (§ 8 Abs 1 EStG) sein. Ein Vorteil kann auch in ersparten Aufwendungen o in der Überlassung von Nutzungen liegen. Sofern Nutzungen einem Gesellschafter zukommen, hat dieser Vorteil Einfluss auf das Einkommen der Gesellschaft. Die Übernahme von Aufwendungen der Gesellschaft für einen Gesellschafter führt ebenfalls zu einer vGA, denn sie erfolgt im Interesse des Gesellschafters, nicht der Gesellschaft. Damit stellt die Kostenübernahme eine Ausgabenersparnis beim Gesellschafter u einen Mittelabfluss bei der Gesellschaft dar. Die Korrektur kann nur über die Hinzurechnung durch vGA erfolgen, da eine KapGes keine private Sphäre hat (zB BFH BStBl II 2003, 487; BFH/NV 2007, 1230).

cb) Anteilseigner

 

Rn 292

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

Der Vermögensvorteil muss dem Gesellschafter zukommen; eine mittelbare Vorteilszuwendung genügt. Die mittelbare Vorteilszuwendung ist dann erfüllt, wenn die Leistung einer dem Gesellschafter nahestehenden Person zukommt. Die Zuwendung an die nahestehende Person muss eine Veranlassung im Gesellschaftsverhältnis haben. Es ist unerheblich, ob der Gesellschafter selbst ein Interesse an dieser Zuwendung hat (BFH BFH/NV 2005, 1266).

 

Rn 293

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

Beim beherrschenden Gesellschafter ist die Besonderheit zu beachten, dass wegen möglicher Gestaltungsspielräume besonders hohe Anforderungen gestellt werden. Ein beherrschender Einfluss liegt dann vor, wenn eine einfache Stimmrechtsmehrheit bei der Gesellschafterversammlung aufgrund der Beteiligungshöhe von mehr als 50 % ausgeübt werden kann (BFH BFH/NV 2005, 526) u somit der Abschluss eines Rechtsgeschäfts mit der Gesellschaft erzwungen werden kann. Anteile von Familienangehörigen werden nur dann zusammengerechnet, wenn nachweislich gleichgerichtete Interessen verfolgt werden u der Vermögensvorteil nicht nur aufgrund familiärer Beziehungen zugewandt wurde (BFH BStBl II 1989, 522; BFH/NV 97, 808; 2010, 66).

Auch durch das Zusammenrechnen von Beteiligungen mehrerer Gesellschafter, die einzeln keinen beherrschenden Einfluss ausüben, kann eine vGA anzunehmen sein (BFH BStBl II 1997, 301; BFH/NV 1990, 455; BFH/NV 2006, 1515). Zur steuerlichen Einordnung von Vermögenszuwendungen in schuldrechtlichen o in gesellschaftlichen Beziehungen sind im Vorhinein klare u eindeutige Vereinbarungen zu treffen (BFH BStBl II 1998, 545). Diese sind dann auch tatsächlich durchzuführen (BFH BFH/NV 2005, 1374; 2002, 543). Ein Verstoß gegen diese Kriterien führt nicht zwangsläufig zu vGA, muss jedoch als Indiz bei der Einzelfall-Würdigung herangezogen werden (s BVerfG BStBl II 1996, 34 zu "Oder-Konto" bei Ehegatten, BFH BStBl II 2011, 20).

 

Rn 294

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

Grds kann nur ein Anteilseigner nach § 20 Abs 5 EStG Einkünfte aus einer vGA gem § 20 Abs 1 Nr 1 EStG erzielen. Jedoch kann eine vGA auch bei ausgeschiedenen u zukünftigen Gesellschaftern angenommen werden (BFH BStBl II 2011, 55).

cc) Gesellschaftsrechtliche Veranlassung der Zuwendung

 

Rn 295

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

Gesellschaftsrechtliche Veranlassung ist dann gegeben, wenn ein ordentlicher u gewissenhafter Geschäftsführer unter sonst gleichen Umständen einen Vermögensvorteil einem Nichtgesellschafter zugewandt hätte (BFH BStBl II 1995, 549; 2007, 393). Weiterhin muss der Vermögensvorteil einem betrieblichen Fremdvergleich standhalten. Dieser richtet sich nach den Kriterien der Angemessenheit, der Üblichkeit u Ernsthaftigkeit. Die Angemessenheit der Gegenleistung ist iRd Fremdvergleichs stets zu prüfen (s BMF BStBl I 2002, 972). Bei der Üblichkeit wird auf die faktischen Verhältnisse Bezug genommen; die Ernsthaftigkeit stellt auf die tatsächliche Umsetzung von Vereinbarungen ab.

 

Rn 296–300

Stand: EL 101 – ET: 09/2013

vorläufig frei

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge