Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / cb) Ähnlichkeit mit Heilpraktiker, Dentist, Krankengymnast
 

Rn. 161

Stand: EL 130 – ET: 09/2018

Ursprünglich vertrat der BFH im Bereich der Heil-(hilfs-)berufe nach dem Prinzip der Einzelähnlichkeit die Auffassung, es seien nur solche Berufe als ähnlich anzuerkennen, deren Ausübung von einer staatlichen Erlaubnis/Anerkennung nach entsprechender Ausbildung abhänge (vgl BFH BStBl II 1975, 522; 1975, 576; 1976, 62). Hiervon ist der BFH jedoch – ausdrücklich nur für die Gruppe der Heil(hilfs-)berufe abgerückt und auf die Zulassung zu/durch gesetzliche Krankenkassen nach § 124 Abs 2 SGB V abgestellt, also Gruppenähnlichkeit insb mit den Berufen des Heilpraktikers und des Krankengymnasten (Physiotherapeuten) bejaht, ohne dies freilich so zu benennen (hierzu s Rn 132ff). Immerhin fordert der BFH für die Annahme der Ähnlichkeit eine Tätigkeit therapeutischer Natur; eine den Heilerfolg lediglich fördernde Tätigkeit genügt nicht (BFH BStBl II 2017, 908).

 

Rn. 162

Stand: EL 130 – ET: 09/2018

Bejaht wurde bzw werden kann die Ähnlichkeit

  • bei einem Altenpfleger, entsprechende Ausbildung vorausgesetzt (s Rn 236 "Altenpfleger");
  • der Audio-Psycho-Phonologe, wenn zugelassen nach § 124 Abs 2 SGB V (BFH BStBl II 2004, 954; FG D'dorf EFG 2013, 1889);
  • der medizinische Bademeister, wenn die Bäder ausschließlich der Vorbereitung bzw Nachbehandlung der Heilmassage dienen (BMF BStBl I 2004, 1030) und – bei einer größeren Anzahl von Beschäftigten – die höchstpersönliche (eigenverantwortliche) Arbeitsleistung gegeben ist, sonst gewerblich (vgl BFH BFH/NV 1996, 464; FG Mchn EFG 1994, 531);
  • der Ergotherapeut (wenn § 124 Abs 2 SGBV erfüllt; BMF BStBl I 2004, 1030; zur USt s BFH BFH/NV 2013, 880).
  • der Fußreflexzonenmasseur (BFH BStBl II 2003, 21) und der (medizinische) Fußpfleger (BFH BStBl II 1976, 721; 2002, 149) waren mangels gesetzlicher Berufsausübungsregelungen gewerblich tätig; das dürfte sich nach Ergehen von BFH BStBl II 2004, 954 grundsätzlich geändert haben.
  • bejaht im Übrigen für den Heilmasseur (s Rn 236 "Heilmasseur");
  • für die Hippotherapie (BFH BStBl II 2008, 647);
  • für den Krankenpfleger/Krankenschwester, soweit – bei auch hauswirtschaftlichen Leistungen- getrennte Abrechnung (s Rn 236 "Krankenpfleger");
  • für den Logopäden, wenn mit Erlaubnis nach dem LogopädenG tätig (s Rn 236 "Logopäde");
  • für den Masseur, bei entsprechender Ausbildung/Prüfung (s Rn 236 "Masseur");
  • für den/die medizinisch-diagnostische/n Assistent/in (BFH BStBl III 1953, 209);
  • neuerdings auch die Tätigkeit einer medizinisch-technischen Assistentin (BFH BStBl II 1998, 453; gegen BFH BStBl II 1972, 126, jeweils zur USt; zur ESt BMF BStBl I 2003, 183);
  • für den Orthoptisten (s Rn 236 "Orthoptist");
  • für den Zahnpraktiker (BFH BStBl III 1965, 692).
 

Rn. 163

Stand: EL 130 – ET: 09/2018

Verneint wurde die Ähnlichkeit für die Tätigkeit

  • des Astrologen (FG D'dorf EFG 1967, 522; DStRE 2005, 874 rkr);
  • der Audiologie-Assistentin (BMF BStBl I 2003, 183);
  • des Bandagisten (BFH BStBl II 1968, 662);
  • als Besamungstechniker (BFH BStBl III 1966, 677);
  • des (klinischen) Chemikers (BFH BStBl II 1977, 579);
  • der (Pharma-)Cosmetologin (FG Nds EFG 1978, 50);
  • klinische Studien betreibende Fachkrankenschwester (BFH BStBl II 2017, 908);
  • des Heileurythmisten, dh Bewegungstherapie iRd anthroposophischen Medizin mangels Regelungen zur Berufserlaubnis und -aufsicht als prägende Merkmale (BFH BStBl II 1990, 804); die davon abw jüngere Rspr zur USt (BVerfG BStBl II 2000, 155) trägt dem Zweck der Befreiungsvorschrift des § 4 Nr 14 UStG (Entlastung der Sozialversicherungsträger) Rechnung und ist deswegen auf § 18 EStG nicht übertragbar (BFH BFH/NV 2000, 705; FG Nds EFG 2015, 1826, Rev VIII R 26/15; s auch BMF BStBl I 2003, 183).
  • verneint ebenfalls für die Tätigkeit als Heilmagnetiseur (FG Nds EFG 1995, 735 rkr);
  • für den Hellseher (BFH BStBl II 1976, 464; DStRE 2005, 874 rkr);
  • für die (Fach-)Kosmetikerin (FG D'dorf EFG 1965, 567);
  • den Krankenpflegehelfer (BFH BStBl II 2004, 509);
  • den Kükensortierer (BFH BStBl III 1955, 295);
  • für die Herstellung von Menschenaugen und Prothesen (BFH BStBl III 1968, 662);
  • für die Sprachheilpädagogin (Nds) im Jahr 1984 (BFH BStBl II 2003, 721 auch zur – fehlenden – Rückwirkung diesbezüglicher Gesetze, hier: G v 02.03.1998, Nds GVBl 1998, 126; im Übrigen BMF BStBl I 2003, 183);
  • für den Viehkastrierer (BFH BStBl III 1956, 90);
  • die Viehklauenpflege (BFH BStBl II 1968, 77);
  • für den Zahntechniker (vgl BFH BStBl II 1982, 189; BFH/NV 2005, 352).

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