Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / 3. Bewertung der nichtveräußerten WG (§ 16 Abs 3 S 7 EStG)
 

Rn 118

Stand: EL 60 – ET: 02/2004

Werden WG nicht veräußert, so ist "der gemeine Wert im Zeitpunkt der Aufgabe anzusetzen" (§ 16 Abs 3 S 7 EStG). Dies gilt nicht für WG, die BV bleiben (s Rn 36 ff), sondern nur für WG, die ins PV überführt werden (RFH RStBl 1939, 757; Kulosa in H/H/R, § 16 EStG Rz 483). Erfolgt die Betriebsaufgabe sukzessive (s Rn 71 – 74), so ist für die Bewertung der Zeitpunkt maßgebend, zu dem das jeweilige WG ins PV übergeht (BFH BStBl II 1998, 569; Schmidt/Wacker, § 16 EStG Rz 294; krit kk, KÖSDI 1998, 11672). Nach BFH BFH/NV 2002, 181 besteht kein Recht auf verbindliche Auskunft hinsichtlich des Wertes.

Der Begriff des gemeinen Werts entspricht dem des § 9 Abs 2 BewG; gemeiner Wert ist daher der Einzelveräußerungspreis (BFH BStBl II 1984, 294; 1985, 456; 1990, 497; 1992, 462; 1997, 561; BFH/NV 1986, 147; FG D'dorf EFG 1987, 77 rkr; Blümich/Stuhrmann, § 16 EStG Rz 253). Dieser deckt sich idR nicht mit dem Teilwert (vgl BFH BStBl III 1956, 38; 1956, 224 betr Teilwert und gemeinem Wert bei gebrauchtem Pkw: Wert des Gebrauchtwagenmarkts stellt den gemeinen Wert dar, s § 6 Rn 406; vgl auch BFH BStBl II 1990, 117; H/H/R § 6 Rz 573).

Für die Bewertung von Anteilen an KapGes ist gem §§ 1, 9 Abs 2 BewG der Preis anzusetzen, den ein Außenstehender für die Anteile gezahlt hätte; dabei kann das Stuttgarter Verfahren (§ 11 Abs 2 BewG; R 96 ff ErbStR) herangezogen werden, soweit es nicht aus besonderen Gründen im Einzelfall zu offensichtlich unrichtigen Ergebnissen führt (BFH BFH/NV 1991, 364; 1994, 12; Johndorf, StuW 1999, 271, 274, Zu den Auswirkungen des Halbeinkünfteverfahrens beim Stuttgarter Verfahren FinVerw DStR 2001, 398; aA BFH BStBl III 1961, 463; 1965, 618; Hübner, DStR 1995, 1, 5; Schmidt/Wacker, § 16 EStG Rz 294; Kulosa in H/H/R, § 16 EStG Rz 484; Wacker, BB 1998 Beil 8; vgl BFH BStBl II 1985, 456; 1999, 286; 1997, 561; BFH/NV 2000, 30; offen in BFH BFH/NV 2000, 554). Für die Bewertung von Forderungen gelten uE dieselben Grundsätze wie bei der Betriebsveräußerung (s Rn 106; glA Schmidt/Wacker, § 16 EStG Rz 294). Bei wiederkehrenden Bezügen ist der Kapitalwert nach §§ 13 – 16 BewG zu ermitteln (s Rn 104, 98; FG Köln, EFG 1986, 561 rkr; s Rn 104; aA Schmidt/Wacker, § 16 EStG Rz 294: versicherungsmathematischer Wert, uE zutreffend).

Bei Grundstücken und Gebäuden entspricht der gemeine Wert idR dem Verkehrswert (BFH BStBl II 1984, 294; 1985, 456; 1990, 497; 1992, 462; BFH/NV 1992, 232; BFHE 182, 21; Jakob, BB 1986, 364). Der gemeine Wert lässt sich vielfach nur durch Schätzungen ermitteln. Der Wert kann auf der Grundlage der WertVO v 06.12.1988 (BGBl I 1988, 2209) geschätzt werden. Welches Wertermittlungsverfahren hierbei zugrunde zu legen ist, ergibt sich aus den Gegebenheiten des Einzelfalls (BFH BStBl II 1998, 569 mwN; BFH BStBl II 1997, 317; vgl BFH BFH/NV 2000, 184). Der gemeine Wert kann dabei aus einem zeitnahen Verkauf des zu bewerteten Grundstücks abgeleitet werden; ein Gutachten städtischer Gutachtenausschüsse kann ein wichtiges Erkenntnismittel sein (BFH BStBl II 1998, 569 mwN). Nach der WertermittlungsVO (BGBl 1998 I, 2209) ist der gemeine Wert anhand des Ertrags- oder Sachwerts zu schätzen (BFH BStBl II 1985, 456, wonach der Sachwert maßgebend ist, dürfte überholt sein; Schmidt/Wacker, § 16 EStG Rz 294; s BFH BFH/NV 1999, 1201). Nach BFH BStBl II 1990, 497 stehen Sachwert- und Ertragswertverfahren gleichwertig gegenüber; bei Geschäftsgrundstücken bietet sich das Ertragswertverfahren an; nach BFH BStBl II 1992, 462 ist bei Grund und Boden der Vergleichswert anderen Methoden vorzuziehen (ohne Berücksichtigung von Pachtverträgen). Zur Bewertung von Teilflächen s BFH BFH/NV 1986, 147. Nach FG Mchn, EFG 1998, 297 rkr sind vertragliche Verfügungsbeschränkungen (evtl auch dingliches Wohnrecht) unbeachtlich im Gegensatz zu Beschränkungen, die nach Inhalt und Entstehung mit der Beschaffenheit des Grundstücks zusammenhängen. Bei Grundstücken in Sanierungsgebieten sind die nach dem StädtebauförderungsG festgesetzten Eingangswerte die gemeinen Werte (BFH BFHE 182, 21). Die Grundbesitzwerte nach § 145 ff BewG nF können nicht herangezogen werden (Schmidt/Wacker, aaO).

Wird nur ein Grundstücksteil in PV überführt, so ist nach BFH BStBl II 2003, 635 der Gesamtwert des Grundstücks nach einem Größenmaßstab (Nutzungsverhältnis) und nicht nach dem Verhältnis der Ertragswerte (Rohmiete, Mietwerte) aufzuteilen. UE muss nach dem Verhältnis des Ertragswerts aufgeteilt werden, wenn dieser der Wertermittlung des Gesamtgrundstücks zugrunde lag (glA Wendt, Anm FR 2001, 597: Hinweis auf weiteres Verfahren beim BFH, IX R 13/00).

Bei Maschinen, Einrichtungen, Waren ist gemeiner Wert der Einzelveräußerungspreis (vgl BFH BStBl II 1989, 879). Nach FG RP EFG 1987, 404 (Rechtsausführungen vom BFH abgelehnt) ist bei der Übernahme von Waren (Restposten) ins PV der Inventurwert anzusetzen; ein Teilwertabschlag ist nicht zulässig, wenn er in der Inventur keine Preisherabsetzungen gemacht hat. UE kommt es auf den gemeinen...

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